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08.03.2014

12:48 Uhr

Verteidigungsministerium

USA lassen Putins Körpersprache analysieren

Im US-Verteidigungsministerium sieht man in der Dekodierung von Körpersprachen erhebliches Potenzial zum Aufschluss Pläne anderer Politiker. Im Visier haben sie dabei vor allem Russland Ministerpräsident Wladimir Putin.

Wie zieht Wladimir Putin seinen Mantel aus, und noch wichtiger, was sagt es über ihn aus? Im US-Verteidigungsministerium analysieren Spezialisten jede Bewegung des Ministerpräsidenten aus Russland. dpa

Wie zieht Wladimir Putin seinen Mantel aus, und noch wichtiger, was sagt es über ihn aus? Im US-Verteidigungsministerium analysieren Spezialisten jede Bewegung des Ministerpräsidenten aus Russland.

WashingtonDas US-Verteidigungsministerium versucht anhand der Körpersprache Wladimir Putins zu erkennen, was der russische Präsident als nächstes vorhat – und lässt sich für viel Geld ein psychologisches Profil von ihm erstellen: 300.000 Dollar (220.000 Euro) gibt das Pentagon seit 2009 jedes Jahr für die Verhaltensanalyse ausländischer Spitzenpolitiker aus, wie der Ministeriumssprecher John Kirby am Freitag sagte. Dabei betonte er, dass das „Profiling“ keineswegs dazu diene, konkrete politische oder militärische Entscheidungen vorzubereiten.

Verteidigungsminister Chuck Hagel habe selbst erst durch einen Zeitungsbericht von dem Programm erfahren, sagte Kirby. Demnach dient das Programm vorwiegend zu Forschungszwecken. Laut Sicherheitskreisen gibt es von insgesamt 15 Spitzenpolitikern wie Putin, seinem Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew oder Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un psychologische Profile – auch zu dem inzwischen hingerichteten irakischen Diktator Saddam Hussein oder dem getöteten Al-Kaida-Führer Osama bin Laden wurden demnach solche Studien erstellt.

Wo die NSA im Ausland spioniert hat

Frankreich

Für Empörung sorgt diese Woche ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“, wonach die NSA allein innerhalb eines Monats – zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 – 70,3 Millionen Telefonverbindungen in Frankreich überwachte. Bereits Anfang Juli hatte der britische „Guardian“ berichtet, der Geheimdienst habe unter anderem Frankreichs diplomatischen Vertretungen in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York ausgespäht. Im September berichtete der „Spiegel“ auch von Spähangriffen gegen das französische Außenministerium in Paris.

USA

Die „Washington Post“ und der „Guardian“ berichten Anfang Juni, die NSA und die US-Bundespolizei FBI würden auf Serverdaten der großen Internetkonzerne wie Yahoo, Facebook, Google und Microsoft zugreifen. Der Name des geheimen Überwachungsprogramms: Prism.

Großbritannien

Der „Guardian“ berichtet Mitte Juni unter Berufung auf die Snowden-Dokumente, der britische Geheimdienst habe vor vier Jahren Delegierte von zwei in London stattfindenden G-20-Treffen ausgespäht. Ziele waren demnach die Delegationen Südafrikas und der Türkei. Die NSA soll bei der Gelegenheit versucht haben, ein Satelliten-Telefongespräch des damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew nach Moskau abzuhören.

EU und Uno

In seiner Ausgabe vom 1. Juli berichtet der „Spiegel“, die NSA habe in EU-Vertretungen in Washington, New York und Brüssel unter anderem Wanzen installiert. Auch sollen interne Computernetzwerke infiltriert worden sein. Ende August berichtet der „Spiegel“, die NSA habe auch die Zentrale der Vereinten Nationen in New York ausspioniert. Dem Geheimdienst gelang es demnach, in die interne Videokonferenzanlage der Uno einzudringen.

Brasilien

Der brasilianische Sender „Globo“ berichtet Anfang September, die NSA habe Telefonate und Internetkommunikation von Staatschefin Dilma Rousseff und ihren Mitarbeitern überwacht. Auch Unternehmen wie der Ölkonzern Petrobras und Millionen brasilianischer Bürger sollen ausgespäht worden sein. Verärgert verschiebt Rousseff einen für Oktober geplanten Staatsbesuch in den USA auf unbestimmte Zeit.

Mexiko

Der „Spiegel“ berichtet diese Woche, schon 2010 sei es einer NSA-Spezialabteilung gelungen, in das E-Mail-Konto des damaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón einzudringen. Calderóns Nachfolger Enrique Peña Nieto forderte Anfang September Erklärungen von den USA, nachdem Globo berichtet hatte, die NSA habe ihn während des Wahlkampfs 2012 ausgespäht.

China

In einem Interview mit der Zeitung „South China Morning Post“ aus Hongkong gibt Snowden an, die NSA hätten chinesische Mobilfunk-Konzerne gehackt und Millionen von SMS ausgespäht. Demnach verübte die NSA auch Cyber-Attacken auf die Tsinghua-Universität in Peking. Dort sind sechs zentrale Netzwerk-Schaltstellen untergebracht, über die Chinas gesamter Internetverkehr läuft.

Den Angaben zufolge wurde Putins Verhaltensanalyse zuletzt 2012 aktualisiert. Befürworter des Programms hoffen, dadurch Aufschluss über geheime Pläne zu bekommen. Im Fall Putins etwa ist von besonderem Interesse, welche militärische Strategie er aktuell im Krim-Konflikt verfolge.

Die Körpersprache und Bewegungen einer Person können erwiesenermaßen dazu genutzt werden, Rückschlüsse auf ihre Psyche zu ziehen. Die Pentagon-Forscherin Brenda Conners charakterisierte beispielsweise Putins Körpersprache 2004 als Hinweis darauf, dass der Russe „risikoscheu“ sei und „extrem empfindlich auf Kritik“ reagiere.

Von

afp

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