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28.03.2013

15:15 Uhr

Verwüstung des Gerichts

Kosovo-Gericht verschiebt Urteil nach Serben-Blockade

Hunderte Kosovo-Serben belagern das Amtsgericht in Mitrovica mit einem Bagger und drei Lastwagen – und verhindern damit ein geplantes Urteil. Auch eine Gruppe von EULEX-Polizisten muss umkehren.

Die Stadt Mitrovica ist in einen serbischen Norden und einen albanischen Süden geteilt. Reuters

Die Stadt Mitrovica ist in einen serbischen Norden und einen albanischen Süden geteilt.

Pristina/BelgradNeue Konfrontation der Kosovo-Serben mit der internationalen Gemeinschaft: Wegen einer Blockade des Amtsgerichts im kosovarischen Mitrovica ist ein Urteil gegen sechs Serben zunächst verschoben worden. Hunderte Kosovo-Serben blockierten das Gebäude am Donnerstag mit einem Bagger und drei mit Sand beladenen Lastwagen. Einem Verband von Polizisten der EU-Rechtsstaatsmission (EULEX) wurde der Zutritt zum Gerichtsgebäude verwehrt, so dass er umkehren musste.

Die ausländischen EULEX-Richter wollten am Donnerstag eigentlich ihr Urteil gegen sechs Serben sprechen – die Männer sollen an der Verwüstung des Gerichts vor fünf Jahren teilgenommen haben. Damals waren ein Mensch getötet sowie 88 Polizisten und Soldaten verletzt worden. Die Serben wurden von ihren örtlichen Gemeindevorstehern angeführt. Das Erscheinen von EULEX-Polizisten provoziere die Serben in dieser Region, sagte der Kreisvorsitzende von Mitrovica, Radenko Nedeljkovic.

Der Zwischenfall ereignete sich nur wenige Tage vor der abschließenden EU-Vermittlungsrunde am 2. April in Brüssel. Dabei wollen die serbische Regierung und die von Albanern geführte Regierung in Pristina ein Abkommen über die Lage der serbischen Minderheit in dem fast nur noch von Albanern bewohnten Kosovo erreichen. Sieben Runden zuvor war die Vermittlung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton ohne Ergebnis geblieben.

Die Kosovo-Regierung will den Serben, die im Norden die lokale Mehrheit bilden, lediglich beratende Funktionen wie einer Nichtregierungsorganisation einräumen. Serbien verlangt für seine Landsleute ein eigenes Parlament, eine Regierung samt Nationalfahne und -hymne sowie die Verantwortung für Polizei und Justiz. Diese „Gemeinschaft der serbischen Kommunen“ soll von Belgrad finanziert werden und gliche einem Staat im Staate. Pristina, die USA und die EU lehnen dies ab.

Von

dpa

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