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26.07.2014

17:52 Uhr

Viele Tote geborgen

Die Feuerpause offenbart die Zerstörung

Während der kurzen Waffenruhe wurde das ganz Ausmaß der Zerstörungen im Gaza-Streifen deutlich. Rettungsdiensten und Reportern bot sich ein Bild der Verwüstung. Die Diplomatie bemüht sich, das Blutvergießen zu stoppen.

Ein zerstörter Häuserblock im Gaza-Streifen: Wenigstens bis 19 Uhr MESZ sollen die Menschen Ruhe vor weiteren Angriffen haben. AFP

Ein zerstörter Häuserblock im Gaza-Streifen: Wenigstens bis 19 Uhr MESZ sollen die Menschen Ruhe vor weiteren Angriffen haben.

Paris/Tel Aviv/GazaDie Waffenruhe im Gazastreifen hat den Blick auf die verheerenden Zerstörungen gelenkt, die der Krieg zwischen Israel und der Hamas bisher verursacht hat. Rettungskräfte und Reporter erreichten am Samstag erstmals das zuvor schwer umkämpfte Stadtviertel Sadschaija im Osten der Stadt Gaza. Helfer bargen dort und in anderen bisherigen „Todeszonen“ 130 Leichen, wie der Chefs der palästinensischen Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra, mitteilte.

Damit stieg die Zahl der Opfer in dem seit 8. Juli tobenden Konflikt auf 1030. Rund 6000 weitere Palästinenser wurden verletzt. Derweil gingen bei einem Außenministertreffen in Paris die diplomatischen Bemühungen weiter, den Krieg zu beenden.

In den umkämpften Gebieten wurden ganze Häuserreihen durch Bombardements dem Erdboden gleichgemacht. Helfer und zurückkehrende Bewohner bahnten sich einen Weg durch Trümmerfelder und suchten nach Habseligkeiten.

Die Führungsriege der Hamas

Führer der radikal-islamischen Hamas

Sie leben gefährlich - und häufig im Exil. Die Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas müssen ständig Angriffe Israels fürchten. Viele hochrangige Mitglieder wurden von Israel getötet. Wer sind derzeit die bekanntesten Führer?

Chaled Maschaal

Der Kopf des Exil-Politbüros wurde 1956 nahe Ramallah im Westjordanland geboren. Seine Familie floh während des Sechs-Tage-Krieges 1967 nach Kuwait, wo Maschaal Physik studierte. Als Teenager schloss er sich der Muslimbruderschaft, später auch der Hamas an. 1990 zog er nach Jordanien, wo er die Leitung der Hamas übernahm. Israel wirft ihm vor, die erste Intifada (palästinensischer Volksaufstand) mitorganisiert zu haben. 1997 überlebte Maschaal in Amman einen Tötungsversuch des israelischen Geheimdienstes. Im Dezember 2012 besuchte er nach der letzten Konfliktrunde den Gazastreifen - zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Tausende Palästinenser jubelten ihm zu. Er lebt heute in Katar.

Ismail Hanija

Hanija kam in einem Flüchtlingslager in Gaza zur Welt, wo er auch heute lebt. Er studierte an der Islamischen Universität in Gaza arabische Literatur. Als einer von etwa 400 Aufständischen wurde Hanija 1992 von Israel in den Südlibanon ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr wurde er Büroleiter der Hamas, 2006 Ministerpräsident in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Hanija gilt als vergleichsweise pragmatisch. In einigen Interviews deutete er die Bereitschaft zu einem Kompromiss über eine Zwei-Staaten-Lösung an.

Mussa Abu Marsuk

Die Nummer zwei der Hamas-Führung im Exil studierte in Ägypten und den USA. Marsuk soll gute Beziehungen zu muslimischen Spendern unterhalten, die die Hamas immer wieder finanziell unterstützten. Er soll außerdem an der Planung mehrerer Attentate in Israel beteiligt gewesen sein. In den vergangenen Monaten trieb er die Versöhnung mit der rivalisierenden Fatah voran. Der 63-Jährige lebt derzeit in Kairo.

Mahmud al-Sahar

Der ausgebildete Chirurg gehört zu den Gründungsvätern der Hamas. Als Sohn einer Ägypterin und eines Palästinensers wurde er 1945 in der Stadt Gaza geboren. Seine Jugend verbrachte er in Ägypten, wo er auch studierte. Nach seiner Rückkehr nach Gaza lehrte er an der örtlichen Islamischen Universität. In den 1970er-Jahren gründete er erst die Muslimbruderschaft im Gazastreifen und später zusammen mit Scheich Ahmed Jassin die Hamas. Die israelische Armee versuchte, Al-Sahar 2003 mit einer Bombe zu töten; er überlebte leicht verletzt, verlor aber einen Sohn. Nachdem Israel Scheich Jassin ein Jahr später gezielt getötet hatte, stieg Al-Sahar in den Führungszirkel der Hamas auf. Vor wenigen Tagen wurde sein Haus von der israelischen Armee zerstört.

Einzelne Menschen begannen damit, ihre toten Angehörigen auf freien Flächen zwischen den Häusern zu begraben. Mehr als zwei Drittel der Opfer sind nach palästinensischen Angaben Zivilisten. Auf israelischer Seite kamen bislang 40 Soldaten und drei Zivilisten um.

Israel und die Palästinenser-Fraktionen hatten sich am Freitag darauf geeinigt, aus humanitären Gründen die Waffen zwischen 7.00 und 19 Uhr schweigen zu lassen. Rund eine Stunde vor Ablauf der Frist hat sich Israel einem Fernsehbericht zufolge bereit erklärt, die Feuerpause um vier Stunden zu verlängern. Diese Entscheidung sei vom Sicherheitskabinett getroffen worden, berichtete der Fernsehsender Kanal 10.

Nach tagelangen Luftangriffen und Bodenoperationen des israelischen Militärs nutzten viele Palästinenser in dem dicht besiedelten Gebiet die Möglichkeit, sich mit Nahrung und Medikamenten einzudecken. Die Straßen füllten sich wieder mit Menschen, in den Lebensmittelmärkten herrschte Andrang, wie ein dpa-Korrespondent aus der Stadt Gaza berichtete.

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