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18.01.2004

17:55 Uhr

Vier Demokraten Kopf an Kopf

Spannender Auftakt bei US-Präsidentenwahl

Am Montag beginnt der Ausscheidungswahlkampf der Demokratischen Partei für die amerikanische Präsidentenwahl in Iowa. Vier der acht Bewerber lagen am Sonntag in den Umfrageergebnissen noch Kopf an Kopf. Damit ist die erste offizielle Vorwahl so spannend wie seit 15 Jahren nicht mehr.

HB DES MOINES. Der Vorsprung des wochenlangen Favoriten Howard Dean (55) war im Schlussspurt des Wahlkampfs nach Umfragen geschmolzen. In mehreren Zeitungen wurde plötzlich die Frage aufgeworfen, ob der liberale Arzt und ehemalige Gouverneur von Vermont gegen Präsident George W. Bush überhaupt eine Chance habe. Die Senatoren John Kerry (60) und John Edwards (50), bis vor wenigen Tagen noch weit abgeschlagen, zogen dagegen in den Umfragen an. Der Kongressabgeordnete Richard Gephardt (62) aus dem Nachbarstaat Missouri gilt als Lokalmatador und hat mit seiner Gewerkschaftsnähe eine solide Fanbasis aufgebaut.

Die Umfragen in Iowa sind allerdings notorisch unzuverlässig. Die 530 000 registrierten Demokraten sind aufgerufen, am Montagabend (Dienstag 01.30 MEZ) zu einer der knapp 2000 Parteiversammlungen im ganzen Bundesstaat gehen, um ihre Stimme öffentlich abzugeben. Wenn einer weniger als 15 % der Stimmen hat, können die Wähler sich einem anderen Kandidaten anschließen. Die Wahlkampfteams haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, die Wähler zu mobilisieren. Einige organisieren Fahrdienste für Unentschlossene oder Babysitter für ansonsten unabkömmliche Wähler. Die demokratische Partei hofft auf eine Beteiligung von mehr als 100 000 Wählern.

Auf den Parteiversammlungen werden Vertreter bestimmt, die später zu Regionalkonferenzen zusammenkommen. Letztlich bestimmen dabei ernannte Delegierte, wer aus Iowa zum Parteikongress Ende Juli nach Boston reist. Dort wird der demokratische Präsidentenherausforderer offiziell gekürt.

Iowa hält im US-Wahlkampf traditionell die erste Kandidatenwahl ab. Deshalb erregt das Spektakel viel Aufsehen, obwohl der Staat nach Größe und Bevölkerungsanteil kaum eine Rolle spielt. Die Vorwahl vergangene Woche in der Hauptstadt Washington war nicht bindend und hatte nur Symbolkraft. Dean gewann.

Ein Sieg bei den Vorwahlen garantiert keine Nominierung. Ronald Reagan, Bushs Vater George Bush und Bill Clinton verloren alle in Iowa, gewannen aber später die Nominierung und die Präsidentenwahlen. Zwei der acht Bewerber haben ganz auf Wahlkampf in Iowa verzichtet: der ehemalige NATO-General Wesley Clark (59) und Senator Joe Lieberman (61). Sie sind stattdessen seit Wochen in einem anderen kleinen Bundesstaat aktiv: in New Hampshire entscheiden die Wähler nächste Woche über ihren Favoriten. Dort findet die Entscheidung an der Wahlurne statt.

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