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25.05.2014

18:57 Uhr

Vier Tote bei Attentat

Mann schießt in Jüdischem Museum um sich

Schock vor den Wahlen: Ein Mann schießt im Jüdischen Museum in Brüssel um sich und tötet drei Menschen. Belgiens Außenminister Reynders ist zufällig in der Nähe. Behörden vermuten dahinter einen Einzeltäter.

Die Ermittlungen in Brüssel laufen auf Hochtouren. dpa

Die Ermittlungen in Brüssel laufen auf Hochtouren.

BrüsselAuch das vierte Opfer der Bluttat im Jüdischen Museum von Brüssel ist tot. Der junge Belgier starb am Sonntag in einem Brüsseler Krankenhaus, wie der Präsident der Belgischen Liga gegen Antisemitismus, Joël Rubinfeld, AFP in Brüssel sagte. Der Mann war bei dem Angriff eines bislang unbekannten Täters auf das Jüdische Museum am Samstagnachmittag durch Schüsse lebensgefährlich verletzt worden.

Unterdessen veröffentlichte die Polizei am Sonntag mehrere Videos, auf denen der mutmaßliche Täter zu sehen ist. Auf einer rund eine halbe Minute langen Sequenz holt er in einem Hofeingang, der zum eigentlichen Eingangsbereich des Museums führt, eine Waffe aus einer Tasche. Er verschwindet mit der Waffe im Anschlag im Eingangsbereich, kommt wieder heraus, verstaut die Waffe und verlässt das Gebäude.

Die beiden anderen kurzen Sequenzen zeigen, wie er draußen vor dem Gebäude vorbeiläuft. Die Polizei identifizierte den Mann als athletisch und mittelschwer. Die Waffe ist ihren Erkenntnissen nach vom Typ Kalaschnikow.

Auf die Frage von Journalisten, ob es sich um ein antisemitisches Attentat handele, sagte Innenministerin Joëlle Milquet: „Es gibt eine starke Vermutung.“ Aber es sei Sache der Ermittler, dies festzustellen. Sie kündigte verstärkten Polizeischutz für jüdische Einrichtungen im ganzen Land an.

Zwei der drei Todesopfer waren Touristen aus Israel. Das bestätigte Paul Hirschson vom israelischen Außenministerium in Jerusalem der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag. Zurzeit werde alles vorbereitet, um die Leichen in die Heimat überzuführen. Es handele sich um ein Paar aus Tel Aviv, die Angehörigen seien verständigt worden, fügte der Diplomat hinzu.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte die Tat in der Nacht als Folge einer Aufstachelung gegen Juden verurteilt. Auch die EU verurteilte die Tat. Sie sei solidarisch mit den belgischen Behörden und der jüdischen Gemeinschaft, erklärte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Der französische Staatspräsident François Hollande verurteilte ebenfalls die Bluttat und versicherte dem benachbarten Belgien die Solidarität Frankreichs zu.

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland zeigte sich bestürzt über den Anschlag. „Diese abscheuliche Tat hat uns alle sehr erschüttert“, sagte Dieter Graumann nach einer am Sonntag verbreiteten Erklärung. Auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern verurteilte den Anschlag. „Ich bin entsetzt über diese grausame Tat“, sagte Charlotte Knobloch.

Unterdessen äußerte auch Papst Franziskus seine Trauer über die Tat. "Ich bin tief traurig. Meine Gedanken gehen zu denen, die bei dem Angriff in Brüssel ihr Leben verloren", sagte Franziskus am Sonntag bei seiner Ankunft in Israel, der letzten Station seiner Nahostreise. "Ich vertraue die Opfer Gott an", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Das Jüdische Museum in Brüssel hatte vor neun Jahren geöffnet. Es besitzt eine bedeutende Sammlung mit Objekten der jüdischen Geschichte. Es will nach eigenen Angaben am Dienstag wieder öffnen. Das Attentat überschattet die Parlaments-, Regional- und Europawahlen in Belgien.

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