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11.12.2015

15:15 Uhr

Vier Wochen nach den Terror-Anschlägen

Trauer, Trotz und Krieg

Ausnahmezustand mitten in Europa: Seit den blutigen Anschlägen vor einem Monat lebt Frankreich zwischen Trauer um die Opfer und Kampf gegen den Terror. Die Wunden sind tief – und die wirtschaftlichen Folgen verheerend.

Kränze, Blumensträuße und Kerzen vor der Konzerthalle Bataclan. Stadtmitarbeiter räumen an dem Gedenkort auf. AFP

Blumenmeer in Paris

Kränze, Blumensträuße und Kerzen vor der Konzerthalle Bataclan. Stadtmitarbeiter räumen an dem Gedenkort auf.

ParisEs ist kalt geworden in Paris. Auf den Terrassen der Cafés sind Plätze unter Heizstrahlern jetzt besonders beliebt. Vier Wochen nach den Terroranschlägen vom 13. November geht es an den kleinen Bistro-Tischen um mehr als die Zigarette vor der Tür. „Être en terrasse“ ist Lebensgefühl in der französischen Hauptstadt. Viele Menschen sitzen hier demonstrativ: Sie wollen sich ihre Freiheit und ihren Lebensstil nicht nehmen lassen.

Bars und Restaurants waren einen Monat zuvor Orte des Grauens. An jenem Freitagabend überfallen drei Terrorkommandos eine Stadt zwischen Fußballtaumel und Wochenendfeeling. Jeweils drei Terroristen schlagen koordiniert an sechs Orten in Paris und Saint-Denis zu.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

In dem Pariser Vorort spielen gerade die Fußballnationalmannschaften von Frankreich und Deutschland. „Ich glaube, dass wir alle den 13. November noch im Kopf haben. Diesen Tag und die Ereignisse vergisst man nicht so schnell“, sagt Teammanager Oliver Bierhoff rückblickend.

Den drei Terroristen am Stadion gelingt es nicht, in das Stade de France einzudringen. Sie sprengen sich davor in die Luft, ein Unschuldiger wird dabei getötet.

Das zweite Kommando nimmt sich Kneipen im Osten von Paris vor. Die Ausgeh-Viertel im 10. und 11. Arrondissement der Stadt sind an den Wochenenden vor allem bei Jüngeren beliebt, gerade an diesem eher milden Novemberabend. Am „Café Carillon“ und nebenan beim „Le Petit Cambodge“, vor dem „Casa Nostra“ und gegenüber am „Café Bonne Bière“, beim „La Belle Équipe“ und am „Comptoire Voltaire“ richten die Terroristen mit ihren Kalaschnikows auf den Terrassen, in den Bars ein Blutbad an.

Die meisten Opfer gibt es beim Überfall des dritten Kommandos auf die Musikhalle „Bataclan“. Während eines Konzerts der US-Rockband Eagles of Death Metal stürmen die Islamisten mit Gewehren und Sprengstoffwesten in den Saal.

Bei den Anschlägen sterben insgesamt 130 Menschen, 350 werden teils schwer verletzt. Sieben Attentäter kommen ums Leben, zwei können entkommen.

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