Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2013

16:39 Uhr

„Virtuelle Niederlassungen“

Apple & Co. sollen auf Nutzerdaten Steuern zahlen

US-Konzerne wie Apple und Amazon verdienen in Europa Milliarden, zahlen aber kaum Steuern. Frankreich will das ändern und die Firmen nun zur Kasse bitten. Dazu schlägt Paris eine innovative Bemessungsgrundlage vor.

Verkaufsschlager iPhone: Apple verdient Millionen in Deutschland, aber zahlt vergleichsweise wenig Steuern. dpa

Verkaufsschlager iPhone: Apple verdient Millionen in Deutschland, aber zahlt vergleichsweise wenig Steuern.

ParisVor dem Finanzgipfel der G-20-Staaten im Februar will Frankreich über die OECD die Besteuerung multinationaler Konzerne aus dem Technologiesektor auf eine neue Grundlage stellen. Das geht aus einem Dossier mit Beispielen hervor, das Frankreich erstellt hat. Damit wollen die Franzosen verhindern, dass Konzerne wie Apple und Amazon in einzelnen Ländern erhebliche Gewinne einfahren, aber relativ geringe Steuern abführen.

Frankreich schlägt unter anderem vor, dass die in Paris ansässige Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das Prinzip „virtueller Niederlassungen“ in ihren Steuerempfehlungen verankert. Dann hätten die 35 OECD-Mitgliedsstaaten einen Ansatzpunkt zur Besteuerung von Unternehmen in ihrem Hoheitsbereich.

Grundlage der Besteuerung soll der Umfangs von Nutzerdaten, den die Unternehmen im Hoheitsgebiet des jeweiligen Staates generieren. Dieses Szenario beschreibt Laurence Mazevet von der Kanzlei Fidal International in Paris gegenüber Bloomberg.

Frankreich wolle sich diesbezüglich Gehör verschaffen bei Zusammenkünften der G20-Staaten, bei der OECD und der Europäischen Union, sagte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici. Ein Alleingang Frankreichs bereits ab 2014 sei denkbar, ergänzte Moscovici.

Pascal Saint-Amans, bei der OECD für Fragen der Steuerpolitik und Verwaltung zuständiger Direktor, äußerte sich skeptisch, ob eine Verknüpfung von persönlichen Daten, die über das Internet generiert werden, mit Besteuerung in internationalen Gesprächsrunden auf Resonanz stößt. Gleichwohl befasse sich die OECD in einer Arbeitsgruppe mit dem Thema, dass sich die Steuerbasis verflüchtige und Gewinne von Unternehmen verlagert würden. Frankreichs Vorstoß sei eine klare Reaktion auf die Frage, ob bestehende Regelungen angemessen seien oder, insbesondere im Zeitalter der digitalen Wirtschaft, nicht mehr angemessen. Das Thema sei aber nicht beschränkt auf die Internet-Wirtschaft, ergänzte der OECD-Fachmann.

Was US-Konzerne über ihre deutsche Steuerlast verraten

Amazon

Länderspezifische Zahlen weist das Unternehmen nicht aus. Man zahle aber alle anwendbare Steuern in jedem der Länder, in denen das Unternehmen tätig ist. Details für Großbritannien zeigen, dass der Konzern dort keinerlei Unternehmenssteuern zahlt.

Apple

Ein Apple-Sprecher macht es kurz: "Apple gibt keine regionalen Zahlen bekannt, daher kann ich Ihnen keine Gewinn- bzw. Steuerangaben für Deutschland nennen." Ähnlich wie bei Amazon erbringt die deutsche Apple GmbH lediglich Dienstleistungen für mit Apple verbundene Unternehmen.

Die Gesellschaft meldete einen Umsatz von 53 Millionen Euro im Geschäftsjahr bis Ende September 2011 und zahlte fast sieben Millionen Euro Steuern. Die Apple Retail GmbH machte im selben Zeitraum einen Umsatz von 174 Millionen Euro, meldete aber einen Verlust in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Die GmbH verzeichnete eine Steuerrückzahlung von 201.493 Euro.

Google

Die Google Germany GmbH meldet für 2011 eine Umsatz in Höhe von 190 Millionen Euro und einen Gewinn in Höhe von 16,2 Millionen Euro. Die abgeführten Steuern betragen 5,3 Millionen Euro.

Microsoft

Das Unternehmen rechnet vor, 31 Prozent Unternehmenssteuer auf den Gewinn gezahlt zu haben. "Bei der Betrachtung der Steueraufkommens, das mit Microsoft insgesamt verbunden ist, ist zu beachten, dass der bei weitem größte Anteil des Umsatzes/Gewinns/Steueraufkommens über unsere 38.000 Partnerunternehmen erbracht wird", so ein Sprecher. Der Finanzbericht der Microsoft Deutschland GmbH (für das Geschäftsjahr bis Ende Juni 2011) weist einen Umsatz von 682 Millionen Euro aus und eine Steuerlast in Höhe von etwas über 29 Millionen Euro.

Starbucks

Insgesamt 160 Filialen hat die Kaffeehaus-Kette Starbucks in Deutschland. Eine Sprecherin teilt mit: Starbucks [hat] es niemals umgangen, in Deutschland Steuern zu zahlen. In den vergangenen drei Jahren haben wir Steuern in Höhe von insgesamt mehr als 19 Millionen Euro bezahlt, unter anderem für Sozialversicherung und Unternehmenssteuer."

Das die Sozialversicherung in diese Angabe mit eingezogen wird, dürfte einen guten Grund haben. Denn für das Geschäftsjahr 2010/11 hat die Starbucks Coffee Deutschland GmbH einen deutlichen Verlust gemeldet und darin keine Hoffnung geweckt, dass sich die Lage bessern könnte. "Aufgrund des Jahresfehlbetrages des Geschäftsjahres sowie der Verlustvorträge ergibt sich kein Steueraufwand", heißt es im Jahresbericht.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.01.2013, 17:09 Uhr

Vielleicht sollte Herr Hollande mal die Ausgabenseite seines Budgets ins Auge fassen. Für 100 Millionen Einnahme, verplant er automatisch 2 Milliarden Ausgaben....

abc

28.01.2013, 17:16 Uhr

@savarez03 "Für 100 Millionen Einnahme, verplant er automatisch 2 Milliarden Ausgaben."

Ist doch ok. 2 ist schließlich weniger als 100. ;)

abc

28.01.2013, 17:22 Uhr

So, dass ist sozialistische Wirtschaftspolitik.

Erst werden Unternehmer vergrault (sind ja Sozialschmarotzer)
Dann wird die Industrie vergrault (sind ja nur Ausbeuter)
Und nun will man auch Unternehmen vergraulen, die aus dem Ausland aktiv werden.

@Holland: Die klassische Methode des Sozialismus lautet "Mauern bauen". Und bitte eine Mauer die sehr hoch und dick ist. Irgendwann wird auch der sozialistische Franzose merken, dass man ohne Geld nicht essen kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×