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22.04.2017

12:43 Uhr

Visa-Reform

Australien zuerst

VonUrs Wälterlin

Wer nach Australien auswandern will, sollte sich beeilen. Denn auch in Down Under gilt seit neuestem: „Australier zuerst“. Mit der Immigrationsreform könnte der Traum vom neuen Leben für viele in weite Ferne rücken.

Die Zahl der Immigranten in Australien soll durch die Abschaffung des aktuellen Visa-Systems gesenkt werden. Premierminister Turnbull rückt damit politisch weit nach rechts. Reuters

Traumziel mit Hindernissen

Die Zahl der Immigranten in Australien soll durch die Abschaffung des aktuellen Visa-Systems gesenkt werden. Premierminister Turnbull rückt damit politisch weit nach rechts.

CanberraRund 200.000 Einwanderer ließ Australien im vergangenen Jahr ins Land. Eindeutig zu viele, findet Premierminister Malcolm Turnbull. Es gehe schließlich um Jobs für Australier, erklärte er. Jetzt macht die Regierung ernst – und schafft die seit Jahrzehnten gültige Einwanderungspolitik zum Teil ab.

Visa mit der Kategorie 457 soll es künftig nicht mehr geben. Sie sind für Arbeitskräfte gedacht, die einheimische Unternehmen dringend brauchen, aber im eigenen Land nicht finden. Kritiker hatten seit einiger Zeit moniert, dass sie schon viel zu lange zu leicht vergeben worden seien.

Die Änderungen würden „rigoros“ die nationalen Interessen berücksichtigen. „Australier und australische Jobs zuerst“, sagte Turnbull in einer Rede, die stark an die patriotische Rhetorik von US-Präsident Donald Trump erinnerte. So soll es Daueraufenthaltern deutlich schwerer gemacht werden, die australische Staatsbürgerschaft zu erlangen.

Mit dem Visum 457 kam es immer wieder zu Missbräuchen, so die Gewerkschaften. Verschiedene Branchen hätten Ausländer zu schlechteren Bedingungen und niedrigeren Gehältern rekrutiert und angestellt als einheimische Beschäftigte.

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In Australien werden die Rechte von Bürgern immer mehr eingeschränkt. Gleichzeitig baut der Staat seine Macht aus. Jetzt soll der Einwanderungsminister ermächtigt werden, ganzen Volksgruppen die Einreise zu verweigern.

Vertreter der australischen Wirtschaft reagierten unterschiedlich auf die Maßnahmen. Während die Industrie- und Handelskammer von einer Stärkung des Vertrauens ins Einwanderungssystem sprach, zeigten sich die Restaurant-, Hotel- und Fleischindustrien besorgt, nicht mehr genügend Arbeitskräfte finden zu können. Viele Australier sind nicht gewillt, in diesen Wirtschaftszweigen vorkommende, oftmals harte und schlecht bezahlte Jobs zu übernehmen. Technologieunternehmen meinten, die Branche könnte international an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wenn sie nicht „die Besten und Gescheitesten anheuern“ könne.

Zu Zeiten des Rohstoffbooms hatte sich das System noch bewährt: Als die Nachfrage nach australischem Eisenerz und Kohle besonders hoch war, konnte die Industrie den Bedarf nur mit Hilfe tausender Arbeiter aus dem Ausland decken. Nun soll das bisherige vierjährige Visum, durch ein zweistufiges System ersetzt werden: Damit würde sich die Aufenthaltsdauer von zwei, auf vier Jahre verkürzen. Zudem sollen Arbeitserfahrung und Sprachkenntnisse eine wesentlich größere Rolle spielen als bisher.

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