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25.01.2011

18:29 Uhr

Vitali Klitschko

Box-Champion auf politischer Werbetour

VonMathias Brüggmann

Als Chef einer neuen, pro-europäischen Partei hat Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko heute das politische Berlin bereist. Nur einen Wunsch konnte sich der Weltklasse-Boxer nicht erfüllen: ein Treffen mit der Kanzlerin.

Politiker Vitali Klitschko: Auf Werbetour in Berlin. Quelle: dapd

Politiker Vitali Klitschko: Auf Werbetour in Berlin.

BERLIN. „Im Büro von Angela Merkel war ich heute schon. Aber die Bundeskanzlerin war nicht da“, berichtet Vitali Klitschko trotz leichter Enttäuschung mit einem breiten Lachen. Angela Merkel, George Clooney und Richard Branson hatte der Schwergewichts-Weltmeister einmal genannt als bevorzugte Gesprächspartner. „Aber wenn meine Partei Udar bei den nächsten Wahlen in das ukrainische Parlament kommt, wird die Kanzlerin mich bestimmt empfangen“, ist sich der Zwei-Meter-Hüne im locker sitzenden Maßanzug und weinroter Krawatte sicher.

Dann könnte der Ältere der beiden boxenden Brüder von Abgeordnetem zu Abgeordneter (Angela Merkel vertritt den Wahlkreis Stralsund - Nordvorpommern - Rügen im Bundestag) reden. Denn Klitschko ist Chef der jungen Partei „Udar“. Der Name ist feinsinnig gewählt, verbindet er doch Politik und Sport: „Udar“ steht als Abkürzung für Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen. Das Wort selbst aber bedeutet in Klitschkos Heimatsprache eben auch Schlag oder den von „Dr. Eisenfaust“ aus Kiew so gekonnt eingesetzten Knockout-Punch.

Und so antwortet Klitschko auf die Frage von Handelsblatt Online ausweichend, ob es leichter sei seinen am 16. März in Köln gegen ihn antretenden kubanischen Herausforderer Odlanier Solis k.o. zu schlagen oder ins Parlament zu kommen: „Ich bin ja bisher als Boxer bekannter denn als Politiker. Aber wenn ich Boxen mit Politik vergleiche, dann ist die Politik wie ein Boxkampf ohne Regeln.“

Zweimal bereits hatte er erfolglos versucht, Bürgermeister seiner Heimatstadt Kiew zu werden. Jetzt steigt der Doktor der Sportwissenschaften wieder in den politischen Ring: Mit der Gründung von „Udar“, die kürzlich bereits bei Kommunalwahlen in der ukrainischen Hauptstadt sowie in 15 Regionen des größten europäischen Flächenstaats erfolgreich war, will er seine Heimat verändern: „Udar“ solle eine „pro-europäische, für Marktwirtschaft, Bürgerrechte, Demokratie und soziale Absicherung eintretende Partei“ werden. Hilfe kommt dafür von der Kanzlerpartei.

Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hat den 39-Jährigen nach Berlin eingeladen und ihm und seinem Führungsteam wichtige politische Kontakte verschafft: Neben KAS-Chef Hans-Gert Pöttering und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe traf Klitschko Merkels außenpolitischen Berater Christoph Heusgen, den Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Wolf-Ruthart Born, sowie hochrangige Unions-Abgeordnete.

Für die CDU ist der zuletzt als Werbe-Ikone für eine Fitnessstudio-Kette auftretende Klitschko indes Fluch und Segen zugleich: Denn die junge Partei soll einerseits mit prominentem Zugpferd zur großen Alternative für die mächtige Partei der Regionen des immer autokratischer herrschenden Präsidenten Viktor Janukowitsch werden. Andererseits unterstützt die Union bereits in der Ukraine die Partei der früheren Premierministerin Julia Tymoschenko: Der Dame mit dem markanten Haarkranz droht die Regierung immer unverhohlener mit Verhaftung wegen Korruption. Die KAS warnt deshalb bereits vor einer „selektiven Rechtsanwendung“ wie in Russland gegen den gefallenen Ölmagnaten Michail Chodorkowskij und einer „politischen Entwicklung gegen die Demokratie wie im benachbarten Weißrussland“.

Nun soll es also Klitschko, der in Kiew mit seinem boxenden Bruder Wladimir als Nachtklubbesitzer bekannt ist und mit seiner neuen Partei jetzt „sehr ambitionierte Ziele verfolgt“, richten. Und dann malt er mit seinem sympathisch-harten ukrainischen Akzent auf Deutsch die Zukunft aus: „Dieses Mal sind wir zum Lernen nach Berlin in inoffizieller Mission gekommen. Das nächste Mal kommen wir nach einem Sieg mit offizieller Delegation.“

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