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17.08.2011

15:12 Uhr

Völkermord-Prozess

Mladic-Verfahren soll beschleunigt werden

Juristisch starb Serbiens Ex-Präsident Milosevic 2006 trotz Völkermord-Anklage als unschuldiger Mann: Vier Jahre nach Prozess-Beginn gab es kein Urteil. Das soll sich im Verfahren gegen Ratko Mladic nicht wiederholen.

Ratko Mladic. Quelle: AFP

Ratko Mladic.

Den HaagWegen der Gefahr einer raschen Verschlechterung der Gesundheit von Ratko Mladic soll der Völkermord-Prozess gegen den ehemaligen Militärchef der bosnischen Serben beschleunigt werden. Dafür beantragte die Staatsanwaltschaft beim Kriegsverbrecher-Tribunal für das frühere Jugoslawien in Den Haag am Mittwoch eine Aufspaltung des Verfahrens auf zwei aufeinanderfolgende Prozesse. Mladic soll demnach zuerst wegen Völkermords in Srebrenica zur Rechenschaft gezogen werden und erst in einem möglichen weiteren Prozess wegen der anderen ihm zur Last gelegten Kriegsverbrechen, darunter die Belagerung von Sarajevo. Die Staatsanwaltschaft wolle unbedingt dafür sorgen, dass „die Opfer Gerechtigkeit erfahren“, heißt es in dem vom Chefankläger Serge Brammertz eingebrachten Antrag. Dabei sei auch die Notwendigkeit berücksichtigt worden, „für den Fall einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Mladic zu planen“.

Der 69-jährige Mladic war im Mai nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien verhaftet und nach Den Haag ausgeliefert worden. Von Anfang an gab es Gerüchte, wonach er wegen schwerer Krankheiten nicht mehr lange zu leben habe. „Ich bin ein schwer kranker Mann“, sagte Mladic mit belegter Stimme, als er am 3. Juni erstmals vor dem UN-Gerichtshof für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien erschien. Der ebenfalls in Den Haag wegen Völkermordes in Srebrenica angeklagte jugoslawische Ex-Staatschef Slobodan Milosevic war im März 2006 im Alter von 64 Jahren in der Untersuchungshaft des UN-Tribunals gestorben. Sein Prozess hatte mehr als vier Jahre zuvor begonnen. Beobachter hatten kritisiert, die Staatsanwaltschaft habe die Anklage überfrachtet, statt sich auf einige der schwersten Vorwürfe zu konzentrieren, die allein schon für eine Verurteilung zur Höchststrafe - lebenslange Haft - ausgereicht hätten.

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