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30.09.2014

13:10 Uhr

Völkermord-Vorwurf

Ukrainische Justiz ermittelt gegen russische Behörde

Ein russisches Ermittlungskomitee hat sich illegal in die Angelegenheiten der Ukraine eingemischt – sagt die Ukraine. Die Generalstaatsanwaltschaft leitet nun selbst Ermittlungen ein.

Internationale Verstrickungen zwischen Ukraine, Russland und der EU: Nun demonstrierten in Moskau hunderte Bürger für den Frieden. dpa

Internationale Verstrickungen zwischen Ukraine, Russland und der EU: Nun demonstrierten in Moskau hunderte Bürger für den Frieden.

KiewDie ukrainische Justiz hat ein Ermittlungsverfahren gegen eine russische Strafverfolgungsbehörde eingeleitet, die der politischen Führung in Kiew Völkermord vorwirft. Das russische Ermittlungskomitee habe sich illegal in die Angelegenheiten der Ukraine eingemischt mit dem Ziel, die prorussischen Separatisten in Donezk und Luhansk zu unterstützen, begründete die Generalstaatsanwaltschaft ihren Schritt am Dienstag.

Sie reagierte damit offenbar auf das am Vortag in Moskau eröffnete Verfahren des Komitees, das direkt Russlands Präsident Wladimir Putin untersteht. Die Behörde wirft nicht näher genannten hochrangigen Vertretern der politischen und militärischen Führung in Kiew sowie der Nationalgarde vor, die Tötung russisch-sprachiger Bürger in den Rebellengebieten im Osten der Ukraine befohlen zu haben.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Die Verfahren dürften die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland zusätzlich erhöhen. Die Regierung in Moskau beschuldigt die Staatsführung in Kiew schon länger, mit Gewalt gegen Zivilisten im Osten der früheren Sowjetrepublik vorzugehen. Die Ukraine wirft Russland dagegen vor, die Separatisten mit Soldaten und Waffen zu unterstützen und so den Konflikt anzuheizen.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Herr Donald Ta

30.09.2014, 13:45 Uhr

Wenn tatsächlich die Massengräber vorhanden sein sollten, hat die EU ein riesen Problem!
Wie sollen Sie es rechtfertigen?

Herr Vittorio Queri

30.09.2014, 13:56 Uhr

>> Die Behörde wirft nicht näher genannten hochrangigen Vertretern der politischen und militärischen Führung in Kiew sowie der Nationalgarde vor, die Tötung russisch-sprachiger Bürger in den Rebellengebieten im Osten der Ukraine befohlen zu haben <<

Die "hochrangigen Vertreter" sind alle längst namentlich bekannt. Es handelt sich um kriminelle Oligarchen, die auch unter Janukowitsch in Amt und Würde standen :

Poroschenko / Walzmann

Jazenjuk

Awakow

Turtscvhinov

Kolomoiskij

Taruta

u.s.w.

Und Deutschland unterstützt durch seine "Offizielle" die Mörderbande, auch mit Waffen :

http://www.cyber-berkut.org/traitors/0024.php



Herr Josef Schmidt

30.09.2014, 13:57 Uhr

Wie immer, Kampf gegen Terrorismus.

Anstatt dass die ukrainische Behörden die Massengräber und die Vorwürfe untersucht lenkt sie wieder auf Putin und die Russen. Das haben sie ganz gut von den Amis gelernt, schliesslich ist eine ganze Armada an CYA Agenten in Kiew untergebracht.

Mich wundert nur dass sie nicht reflexartig gesagt haben dass die Separatisten die Mörder sind. Haben sie keine unwiderlegbare Beweise bei Facebook gefunden ?

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