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04.11.2012

16:54 Uhr

„Völlig falsches Signal“

Ökonomen gegen Schuldenerlass für Griechenland

ExklusivLetzten Endes werden die Gläubiger Griechenlands auf einen großen Batzen ihres Geldes verzichten müssen, glaubt der EZB-Schattenrat. Für einen Schuldenschnitt sei die Zeit aber noch nicht gekommen.

Eine Euro-Münze vor dem Parlament in Athen. dpa

Eine Euro-Münze vor dem Parlament in Athen.

Die griechische Regierung wird seine Schulden nach Überzeugung der weitaus meisten europäischen Ökonomen nicht zurückzahlen können. Das berichtet das Handelsblatt vorab aus seiner Montagsausgabe. Im EZB-Schattenrat, dem 15 renommierte europäische Volkswirte aus Finanzinstituten, Hochschulen und Forschungsinstituten angehören, herrschte weitgehend Einigkeit, dass die Gläubiger einen großen Teil letztlich werden abschreiben müssen.

Ein neuerlicher Schuldenschnitt für Griechenland, wie ihn unter anderem der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats Kurt Lauk gefordert hat, käme aber nach Ansicht der Mehrheit dieser Experten derzeit zu früh.

„Das wäre ein völlig falsches Signal an die anderen Länder mit einem Hilfsprogramm“, sagte José Alzola, der für das geldpolitische Beratungsunternehmen The Observatory Group arbeitet. Wenn man die „nicht sehr kooperative“ griechische Regierung mit einem Forderungsverzicht belohnen würde, so würde das, nach Ansicht dieser Mehrheit, die Bereitschaft dieser und anderer Regierungen mindern, unpopuläre Reformen und Sparmaßnahmen zu beschließen.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

„Es ist besser, den fiskalischen Schmerz mit Zinserleichterungen und Laufzeitverlängerungen nachzujustieren“, gab Marco Annunziata, Chefvolkswirt von General Electric die Mehrheitsmeinung wieder.

Elf der 15 EZB-Schattenräte sprachen sich dafür aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag ihren Leitzins senkt. . Denn sie erwarten mit einem Minus von 0,1 Prozent im nächsten und 0,5 Prozent in diesem Jahr zwei Jahre hintereinander eine schrumpfende Wirtschaft im Euroraum.

Von

noh

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

04.11.2012, 17:12 Uhr

Wozu überhaupt eine Gemeinschaftswährung, die nicht eint?

Was geschieht, wenn wir sie nicht hätten?

Schießen wir dann wieder mit Kanonen aufeinander?

Auferzwingung politischer Projekte sind bekanntlich nie von Erfolg gekrönt gewesen.

pleiti

04.11.2012, 17:27 Uhr

Griechenland ein Fass ohne Boden
Griechenland muss sofort raus aus dem Euro. Werner Sinn hat es bereits vor 2,5 Jahre gefordert.

Oder es hängt am Tropf der Euroländer. Damit wäre der erste Schritt zur Transferunion getan.

Mit welchen Steuern soll denn das finanziert werden oder doch vielleicht auf Pump ?

Unsere verlogenen EU-Politiker werden natürlich sagen, die zahlen alles zurück.

Griechenland wird keinen Euro jemals zurückzahlen.

Der Euro es eine politische Währung. Längerfristig werden aber die ökonomischen Gesetze gewinnen und da kann der Euro mit diesen Ländern nicht überleben.

Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und gehört geordnet aufgelöst.

pleiti aus Österreich

Martina

04.11.2012, 17:46 Uhr

Deutschland raus aus dem Euro, alles andere wird nicht helfen ...

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