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03.02.2011

18:46 Uhr

Volksaufstand in Ägypten

Stunden der Angst in Kairo

VonMathias Brüggmann

Die Demonstranten für die Demokratie gehen auf Kairos Tahrir-Platz durch ein schreckliches Wechselbad der Gefühle: Es sind wieder viele Protestler gekommen und so steigt die Euphorie, bald den Sieg davonzutragen. Doch dann kommt die Angst vor neuen Unruhen. Handelsblatt-Korrespondent Mathias Brüggmann berichtet aus Kairo.

Steinwürfe auf den Gegner: Auf dem Tahrir-Platz in Kairo kommt es fortwährend zu Gewaltausbrüchen dpa

Steinwürfe auf den Gegner: Auf dem Tahrir-Platz in Kairo kommt es fortwährend zu Gewaltausbrüchen

KAIRO. Mit dem Beginn der Ausgangssperre um 17 Uhr kehrt panikartig die Angst vor einer neuen Nacht des Terrors zurück. Maschinengewehrsalven donnern über den Tahrir-Platz. Panikartig rennen hunderte der Demonstranten auf dem Platz der Befreiung in Richtung der Nil-Brücken. Drängt die Armee, die seit den Morgenstunden rund um den Platz im Herzen der Hauptstadt am weltberühmten Ägyptischen Museum massiver aufmarschiert, nun die Protestler gegen den Despoten Hosni Mubarak zurück?

Es kommt zu Schlägereien zwischen rivalisierenden Protestlern, Gerangel und dann den Schüssen. Laut dem arabischen Satellitensender Al Arabia hat die Armee zunächst nur in höchster Bedrängung einen Sturm der von ihr beschützten Hotels durch einen aufgebrachten Mob gestoppt. Die von Mubaraks Geheimpolizei bezahlten und aufgewiegelten Randalierer wollen Jagd machen auf ausländische Journalisten in den Nobel-Absteigen am Platz. Nur mit Mühe gelingt es den mit aufgepflanzten Bajonetten auf ihren Schnellfeuergewehren bewaffneten Soldaten an den Zufahrtsstraßen und -brücken zum Stadtzentrum, die Provokateure abzuhalten. Heute früh schlug die Armee eine breite Bresche zwischen die verfeindeten Lager und postierte mehr Panzer an den Zufahrtsstraßen zum Tahrir. Das Militär schien nun die Regierungsgegner wenigstens abzuschirmen.

Aufrüsten für eine neue Nacht der Straßenschlacht

Fernsehbilder zeigen, wie sich die Pro-Mubarak-Demonstranten bereits wieder unter Brücken Flaschen mit Benzin und Watte füllen, sich mit neuen Molotow-Cocktails ausrüsten für eine neue Nacht von Plünderungen, Straßenschlachten und Feuerattacken rund um die letzte Heimstatt des berühmten Pharaos Tutanchamun.

Derweil sitzen in der Metro-Station unter dem Platz noch immer junge Menschen mit dicken Kopfverbänden - die Opfer der letzten brutalen Zusammenstöße. Die ganze Nacht durch waren Sirenen der Ambulanz-Wagen zu hören. Und dann immer wieder Maschinenpistolen-Salven: Wenn die Pro-Mubarak-Demonstranten gefährlich nah an die Panzerfahrzeuge heranrückten und diese einzunehmen drohten, schossen Soldaten in die Luft, um den Mob in die Flucht zu treiben. Mubaraks Anhänger warfen von gestürmten und geplünderten Häusern Brandsätze, Sofas und Latten auf die unten demonstrierenden Regimegegner.

Gefangen genommene Geheimdienst-Männer

Doch auch diese werden zunehmend weniger zimperlich: Junge Leute rennen immer wieder auf die Mubarak-Meute zu, schmeißen Steine auf sie und sprinten zurück. Pro-Mubarak-Marschierer, die von den Anti-Regierungs-Demonstranten geschnappt werden, werden übel zugerichtet. Bei einigen, deren Ausweise sie als Angehörige des Innenministeriums, sprich: der Geheimpolizei, verraten, treten sie so heftig zu, dass nur das Einschreiten älterer Protestler den am Boden liegenden Männern das Leben rettet.

Kommentare (3)

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Lucas Sünder

03.02.2011, 20:23 Uhr

Jetzt verstehe ich, warum die Artikel des Handelsblatts zu Ägypten so exzellent sind: Sie berichten vor Ort. Herzlichen Dank Herr brüggmann, helfen Sie uns, die Abläufe weiter zu verfolgen und passen Sie auf sich auf. Alles Gute!

Europa, USA, China, Russland, etc.

03.02.2011, 20:49 Uhr

würde ein gpflegter Aufstand auch mal gut tun, damit man mal diejenigen von ihren thronen holt, die sich nur gegenseitig abwechseln, aber weiterhin dass Volk ausbeuten. Die Karten müssen neu gemischt werden, sonst brauchen wir echt eine Naturkatastrophe, die dieses Problem weltweit löst! Überall hat es die Geier, die den Hals nicht voll genug bekommen und dass volk lieber krank und verhungern sehen wollen, als dass sie endlich aufhören mit ihren machtstrukturen, die völker systematisch zu unterjochen. Was ist es denn noch für eine Unterschied ob man Sklave ist und krankes essen bekommt, oder man arbeitet bis zu umfallen, dabei krank wird und davon nicht leben kann?

Wir brauchen schnell eine natürliche auslese und nix anderes!

Zitat

03.02.2011, 20:59 Uhr

Friedensnobelpreisträger Obama sagte:" Gewalt ist legitim, wenn Diskussionen zu oft ohne Ergebnis geführt wurden und wenn sich die Gegner nicht überzeugen lassen, dass sie im Unrecht sind!"

Wenn dass Volk merkt, dass es nur noch belogen wird und solange ausgebeutet wie es geht, dann muss dass Volk auf die Strasse und sich mit Gewalt dass Recht auf Freiheit, ein würdevolles Leben und Gerechtigkeit und Recht erkämpfen! Sonst wird es nur totgeredet und nach 2 Monaten ist es wieder vergessen. So wie beim Fall der Mauer, ohne Pause rebellieren bis dass Ziel erreicht ist.

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