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24.10.2011

06:50 Uhr

Volksrepublik als Krisenhelfer

Europa könnte bald am Tropf von China hängen

Um die Krise zu lösen, müssen die Euro-Retter die Quadratur des Kreises schaffen – sie müssen Geld vermehren, das sie nicht haben. Deshalb kommt wieder einmal China ins Spiel. Geht der Plan der Europäer auf?

Euro-Länder schnüren neues Paket

Video: Euro-Länder schnüren neues Paket

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BrüsselAngesichts des hohen Finanzbedarfs in der Euro-Schuldenkrise prüfen die Europäer, das kapitalstarke China um Hilfe zu bitten. Peking könne Mittel für einen Sonderfonds bereit stellen, um die Wirkung des Euro-Rettungsschirms EFSF zu erhöhen, teilten EU-Diplomaten beim EU-Gipfel am Sonntag in Brüssel mit. Derweil übten die Euro-Länder massiven Druck auf Italien aus, sein Schuldenproblem in den Griff zu bekommen.

Wegen der sich zuspitzenden Lage im hochverschuldeten Griechenland tagten seit Freitag erst Europas Finanzminister, am Sonntag kamen dann die Staats- und Regierungschefs zusammen. Beschlüsse sollen aber erst auf einem weiteren Gipfel am Mittwoch fallen.

Wie die höhere Kapitalquote den Crash verhindern soll

Was ist die Kernkapitalquote?

Die Kernkapitalquote beschreibt das Verhältnis vom Kapital einer Bank zu ihren risikobehafteten Geschäften, also zu den vergebenen Krediten und den getätigten Geldanlagen. Das Kernkapital kann Verluste abfangen, die es durch Kreditausfälle und Kursabstürze gibt.

Warum ist die Erhöhung nötig?

Die Lage Griechenlands ist inzwischen so dramatisch, dass dem Land ein Teil seiner Schulden erlassen werden muss. Anvisiert wird ein Schuldenschnitt von mindestens 50 Prozent. Athens private Gläubiger müssten damit auf die Hälfte ihrer verliehenen Gelder verzichten und entsprechende Ausfälle verbuchen.

Woher soll das frische Geld für die Stärkung der Banken kommen?

Die Banken sollen sich selbst um die Erhöhung der Quote kümmern. Sie können dazu einen Teil ihrer Gewinne zur Aufstockung des Kapitalpuffers verwenden. Reicht dies nicht, müssten sie versuchen, am Markt Geldgeber zu finden. Möglich ist eine Kapitalerhöhung, bei der neue Aktien ausgegeben werden. Wenn einzelne Banken das Geld nicht zusammenbekommen, müsste wohl der Staat einspringen.

Was könnte die höhere Kapitalquote für Bankkunden bedeuten?

Eine höhere Kernkapitalquote senkt das Risiko von Pleiten, damit ist das Geld der Bankkunden sicherer. Unklar ist, ob Institute neuen Kapitalbedarf auch über höhere Gebühren einspielen würden. Geschmälert werden voraussichtlich die Dividenden von Bank-Aktionären, wenn die Institute mehr von ihren Gewinnen einbehalten. Die Auswirkungen auf Kunden und Aktionäre hängen immer auch davon ab, wie hoch die bisherige Kernkapitalquote bei der jeweiligen Bank und damit ihr zusätzlicher Finanzbedarf ist.

Die Einbindung Chinas könnte den Europäern helfen, den Schutzwall für angeschlagene Euro-Staaten zu erhöhen. Dabei soll die Wirkung des 440 Milliarden Euro schweren Euro-Rettungsfonds über einen finanztechnischen Hebel um ein Vielfaches vergrößert werden. China sei interessiert, sagte ein Diplomat. Allerdings seien einige Mitgliedstaaten „skeptisch“.

Bei dem Hebel-Vorhaben wurden zwei Optionen diskutiert, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte. Eine davon ist dem Vernehmen nach eine Versicherungslösung: Dabei sollen Investoren zum Kauf von Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder ermutigt werden, indem der Fonds im Notfall einen Teil des Verlusts übernimmt. Da der Fonds nur einen Teil absichert, könnte er so den Kauf von Staatsanleihen in Billionenhöhe ermöglichen.

Kommentare (30)

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Bazooka

24.10.2011, 07:15 Uhr

Mit was soll denn China helfen? Die brauchen doch selber das Geld, wenn dort die Immobilienblase platzt. Auch die hohe Inflation macht den Chinesen zu schaffen. Das sollte mir einer mal erklären.

Account gelöscht!

24.10.2011, 07:18 Uhr

Soweit kommt's noch!
Nur weil wir den Pleitegriechen Schulden erlassen müssen und den Rest denen in den rachen werfen müssen hängen wir selbst bald auch am Tropf. Den Chinesen sollte keine, noch so kleine Einfallspforte geöffnet werden. Da ist Deutschland schnell ausverkauft und die chinesische Diktatur regiert uns über die Finanzmärkte.
Lasst die Griechen pleite gehen, und dann Grenzen und Türen zu und die sollen sehen, wo sie bleiben. Ob dann Bürgerkrieg dort oder soziale Unruhen, das braucht uns nicht zu kümmern, denn das bißchen Außenhandel, das wir mit den Griechen haben können wir ja getrost vergessen .... und unsere Waffenschmieden finden ja weltweit andere Abnehmer!

andreask90

24.10.2011, 07:52 Uhr

Gibt es eigentlich noch EINEN Politiker, der die Funktion von Geld noch versteht? wenn ein Land mehr ausgibt als einnimmt, geht es Pleite. Es geht aber nicht pleite, sondern entwertet die Waehrung, indem es mehr Geld 'druckt'. Damit tragen alle Buerger die Kosten gleichmaessig. Das gilt fuer Griechenland, Euroland als Waehrungsunion und USA als Staatenbund. Wir brauchen nicht China, um Geld zu drucken, sondern ehrliche, verstaendige Politiker. Natuerlich ist es ideal, wenn alle Staaten nur das ausgeben, was sie an Steuern einnehmen. Aber nun ist das Kind im Brunnen und wir muessen es mit Geldentwertung wieder herausholen. Und hoffentlich lernen fuer die Zukunft. (HaHa)

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