Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2010

07:16 Uhr

Volkszählung

Datensammler gesucht – genau zur rechten Zeit

VonAstrid Dörner

In den USA steht nach zehn Jahren wieder eine Volkszählung an. Rund 15 Mrd. Dollar wird es kosten, eine Bevölkerung von rund 310 Millionen Menschen zu erfassen. Die Zählung bringt laut Experten über eine Million neue Jobs. Die Vorbereitungen laufen bereits seit fünf Jahren.

Rund 15 Mrd. Dollar wird es kosten, eine Bevölkerung von rund 310 Millionen Menschen zu erfassen. Reuters

Rund 15 Mrd. Dollar wird es kosten, eine Bevölkerung von rund 310 Millionen Menschen zu erfassen.

NEW YORK. Der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können: Alle zehn Jahre steht in den USA eine Volkszählung an – und die nächste fällt just in dieses Jahr. Rund 15 Mrd. Dollar wird es kosten, eine Bevölkerung von rund 310 Millionen Menschen zu erfassen. Es ist das größte zivile Regierungsprogramm in der Geschichte der Vereinigten Staaten und gleichzeitig eine dringend benötigte Jobmaschine.

„Bis Mai 2010 dürfte über eine Million zusätzlicher Personen eingestellt werden“, sagt Harm Bandholz, USA-Volkswirt der Unicredit. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden mehr als vier Millionen Arbeitsplätze gestrichen.

Die ersten positiven Auswirkungen auf die Arbeitslosenstatistik werden sich schon in vier Wochen bemerkbar machen, wenn die Zahlen für Januar veröffentlicht werden. Bandholz geht davon aus, dass in diesem Monat rund 35 000 Menschen eingestellt werden und weitere 50 000 im Februar.

Größter Effekt kommt im Mai

Bereits vor fünf Jahren haben die Vorbereitungen für die 23. Volkszählung begonnen und erst 2013 soll sie endgültig abgeschlossen sein. Im März werden die Befragungsbögen verschickt. Der offizielle Tag der Zählung fällt auf den 1. April. Dann müssen die Formulare wieder an die zuständige Behörde zurückgesendet werden. Einen Monat später beginnt die Auswertung der ersten Bögen. Dann erwartet Bandholz auch den größten Beschäftigungseffekt mit 700 000 zusätzlichen Einstellungen.

Für die Obama-Regierung kommt die Volkszählung gerade zur rechten Zeit. Denn der Jobaufbau im öffentlichen Sektor könnte auch die grundsätzliche Stimmung auf dem Arbeitsmarkt verbessern und mögliche Schwächephasen kompensieren. „Der Beschäftigungsaufbau kommt außerdem genau zu dem Zeitpunkt, für den wir eine erneute Verlangsamung des BIP-Wachstums erwarten“, sagt Bandholz.

Das amerikanische Statistikamt vermeldet seit Wochen eine regelrechte Flut von Bewerbern, die die massive Anzahl an Daten einsammeln und auswerten wollen. Die Behörden sehen sich als Profiteur der Rezession.

Werbekampagne wieder abgesagt

Bei der Volkszählung im Jahr 2000 mussten die Stundenlöhne in manchen Regionen angehoben werden, um überhaupt Bewerber zu finden. Damals lag die Arbeitslosenquote in einigen Bundesstaaten auf einem Rekord-Tief. Ganz anders in diesem Jahr: Das Statistikamt hat eine geplante Werbekampagne kurzerhand wieder gestrichen. Kandidaten für die Jobs, die 10 bis 20 Dollar pro Stunde einbringen, gibt es auch so genug. Und sie sind so qualifiziert wie selten zuvor. Auf den Wartelisten konkurrieren arbeitslose Bauarbeiter mit Immobilienmaklern und Rechtsanwälten.

Jobs werden schnell gestrichen

Von Dauer ist die Wirkung des großen Datenprojekts allerdings nicht. Bereits im Juni könnten 450 000 Jobs wieder wegfallen, weitere 600 000 Entlassungen würden bis zum Jahresende folgen, so der Unicredit-Ökonom. Weil die meisten Beschäftigten nur über wenigen Monate und meist in Teilzeit arbeiten, sei außerdem der Effekt auf die verfügbaren Einkommen nur sehr gering.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×