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14.08.2014

21:40 Uhr

Von Ypern bis Syrien

Chemiewaffen und ihr Ende in der Heide

Giftgaseinsatz bei Ypern: Über den Schützengräben des Ersten Weltkriegs beginnt am 22. April 1915 das Zeitalter der Massenvernichtungswaffen. Sie unschädlich zu machen dauert Jahrzehnte.

Angriff mit Gasmaske: Die neue Art der Kriegsführung forderte viele Opfer. dpa

Angriff mit Gasmaske: Die neue Art der Kriegsführung forderte viele Opfer.

MunsterGiftgrün-weißliche Schwaden kriechen über das Schlachtfeld bei Ypern und bringen einen besonders qualvollen Tod in die Stellungen der Alliierten, vielhundertfach. Und auch wer den mit Chlorgas gefüllten Schützengräben zunächst entkommen kann, ist nicht in Sicherheit: Viele der Soldaten aus Frankreich und Großbritannien schaffen es noch röchelnd in weiter entfernte Stellungen, schreien nach Wasser, doch dann werden sie schwarz im Gesicht, husten Blut und sterben.

So schildern die Überlebenden den Abend des 22. April 1915, als deutsche Truppen vor Ypern im flämischen Teil Belgiens mehr als 5000 Stahlflaschen öffnen und so über 150 Tonnen von dem grausam wirkenden Gas freisetzen. Die Angaben über die Zahl der Todesopfer schwanken erheblich, bis zu 6000 sollen es gewesen sein.

Kampf gegen Arbeitermangel

Zu wenige an den Werkbänken

Wenn Millionen von Männern im besten Alter an die Front müssen und dort ihr Leben lassen, zugleich aber die Produktion von Rüstungsgütern steigen muss, ist ein Mangel an Arbeitskräften unausweichlich. Das galt in ähnlichem Maße bei allen am Krieg beteiligten Großmächten. Auch die Maßnahmen dagegen ähnelten sich ...

Rückstellungen von Arbeitern

In allen Ländern wurden Hunderttausende Arbeiter gar nicht erst zur Front geschickt oder rasch zurückbeordert, um den Nachschub von Munition und anderen Rüstungsgütern zu gewährleisten.. Im Deutschen Reich waren 1918 noch immer 2,2 Millionen Arbeiter beschäftigt, in Frankreich über 1,3 Millionen. Doch um  die Wirtschaft komplett am Laufen zu halten, war dies nicht genug

Zwangsarbeiter und Jugendliche

Die Deutschen transportierten Kriegsgefangene aus Belgien und den besetzten Gebieten im Osten in die Firmen, damit sie dort einen Teil der Lücken stopften. Die Franzosen holten Arbeiter aus ihren Kolonien, aus Spanien und aus China. Zudem stieg der Anteil der 14- bis 16-jährigen Arbeiter um bis zu 60 Prozent, so etwa in der deutschen Metallindustrie.

Rolle der Frauen

In Deutschland wuchs die Erwerbstätigkeitsquote der Frauen während des Krieges um 17 Prozent, in Großbritannien sogar um 23 Prozent. Im Königreich stieg der Anteil von Frauen in Behörden um 75, im Handel um 85 und im Transportwesen sogar um über 500 Prozent. Nach 1918 ging ihr Anteil aber rasch wieder auf Vorkriegsniveau zurück.

Positive Auswirkungen auf Frauenrechte?

Die These, dass der Weltkrieg für die Frauen im Erwerbsleben ein Sprung noch vorn war, stimmt dennoch nicht. Ihr Anteil und ihre Mitbestimmungsrechte stiegen bereits vor 1914 erheblich.

Frauen beim Militär

Frauen waren damals beim Militär traditionell ausgeschlossen. Doch zumindest in Deutschland und Frankreich wurde diese Praxis im Laufe der Kriegsjahre teilweise aufgehoben: Frauen übernahmen Hilfsfunktionen, zum Beispiel in Schreibstuben, aber nur als Zivilistinnen und ohne Uniform.

„Das war der Einstieg in das Zeitalter der Massenvernichtungswaffen“, sagt Chemiewaffenexperte Ralf Trapp, Toxikologe und früherer Mitarbeiter der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag. Schnell habe sich der Erste Weltkrieg so in einen von allen beteiligten Seiten geführten Gaskrieg verwandelt. „Wissenschaftler und Industrielle hatten während des Ersten Weltkrieges häufig keine Skrupel, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten für die Kriegführung zur Verfügung zu stellen“, erklärt Trapp. „Das galt für Deutschland, aber auch für die anderen am Krieg beteiligten Nationen.“ Im industriellen Zeitalter habe auch erstmals die Möglichkeit zur Massenproduktion solcher Waffen bestanden.

Bis Ende des Krieges finden bis zu 90 000 Soldaten auf beiden Seiten den Tod durch Giftgas, mehr als eine Million werden verätzt. Und mit dem Krieg ist es nicht vorbei mit der Produktion immer neuer Substanzen, keineswegs. Nach Senfgas und Phosgen, nach Diphosgen und Chlorpikrin (Klop), nach Blaukreuz (Clark I und II) und Gelbkreuz, werden in den 30er-Jahren Nervengase wie Tabun und Sarin entwickelt - und später auch eingesetzt.

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