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17.07.2013

17:08 Uhr

Vor dem Besuch in Athen

„Herr Schäuble, bringen Sie das Gestohlene zurück!“

VonGerd Höhler

Gestern stimmten die Griechen über das Sparpaket ab, heute kommt Schäuble zu Besuch. Doch die Stimmung in Athen ist eisig, die Medien schießen sich auf den Gast ein. Denn er gilt als treibende Kraft des Spardiktats.

Begeisterung sieht anders aus: Die Griechen freuen sich nicht auf den Besuch des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble - im Gegenteil. dpa

Begeisterung sieht anders aus: Die Griechen freuen sich nicht auf den Besuch des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble - im Gegenteil.

AthenCountdown in Athen: Stunden vor der Schicksalsabstimmung über das neue Sparpaket versuchten die Strategen der konservativ-sozialistischen Regierungskoalition, wankelmütige Abgeordnete auf Linie zu bringen. Für Ministerpräsident Antonis Samaras und seinen Vize Evangelos Venizelos geht es bei dem Parlamentsvotum, das am Mittwochabend um kurz vor Mitternacht stattfinden sollte, um alles: Fällt das Sparpaket durch, wäre das Schicksal der erst vor drei Wochen gebildeten Koalition besiegelt.

Das von Streiks und Protesten begleitete innenpolitische Tauziehen überschattet auch den für Donnerstag geplanten Kurzbesuch von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Er kommt zum ersten Mal seit Beginn der Krise nach Athen, will dort seinen Amtskollegen Giannis Stournaras und Premier Samaras treffen. Zu sagen, der deutsche Finanzminister sei in der griechischen Bevölkerung unbeliebt, wäre eine Untertreibung. Schäuble ist vielen Griechen geradezu verhasst. Neben Kanzlerin Merkel sehen sie in ihm eine treibende Kraft des „Spardiktats“, das Griechenland immer tiefer in die Rezession treibt und immer mehr Menschen um ihre Arbeit bringt. Die griechischen Medien schießen sich seit Tagen auf den Gast ein.

Welche Länder am meisten für Lebensmittel ausgeben

Platz 5: Malta

Auf Malta betragen die durchschnittliche Ausgaben für Lebensmittel27,1 Prozent - und zwar 6.200 Euro.

Platz 4: Slowakei

In Slowenien fallen rund 28,5 Prozent des Einkommens auf Lebensmittel ab. Das sind rund 5.200 Euro.

Platz 3: Griechenland

Griechenland muss rund 28,8 Prozent des Einkommens für Lebensmittel bezahlen - im Schnitt rund 7.100 Euro.

Platz 2: Portugal

In Portugal müssen die Menschen rund 29,8 Prozent des Einkommens für Lebensmittel bezahlen (5.600 Euro)

Platz 1: Slowenien

Am meisten Geld für Lebensmittel muss Slowenien berappen: 28,4 Prozent vom Einkommen - rund 3.800 Euro gehen für Lebensmittel drauf.

„Schäuble kommt, die Angestellten müssen gehen“ titelte die Zeitung „Eleftherotypia“, eine Anspielung auf die Massenentlassungen im öffentlichen Dienst, die Griechenland jetzt auf Druck der Troika beschließen und umsetzen muss. Das Ultimatum der Euro-Finanzminister steht: Bis zum Freitag dieser Woche muss das Parlament die Stellenstreichungen billigen, sonst gibt es keine Hilfskredite mehr. Dass Schäuble ausgerechnet einen Tag vor Ablauf der Frist nach Athen kommt, steigert nur noch die Wut der Gewerkschaften und der Opposition. Sie wollen den deutschen Minister am Donnerstag mit Massenprotesten empfangen.

Schäuble sei „der Hauptverfechter einer Politik, die uns zur Verarmung verdammt“, heißt es in dem Aufruf der Gewerkschaften. Schäuble komme wohl nach Athen „in der Erwartung eines angenehmen Spaziergangs – es liegt an uns, ihn zu widerlegen“, schreibt Nikos Chatzinikolaou, Herausgeber der Zeitung „Real News“, in einem Leitartikel. Spaziergang – ist das in Anbetracht der Behinderung des Gastes nur eine sprachliche Entgleisung oder eine gezielte Gehässigkeit? Griechische Medien gehen seit jeher nicht zimperlich mit Schäuble um. Sie publizieren mit Vorliebe unvorteilhafte Bilder des Ministers und stecken ihn per Fotomontage gern in eine Nazi-Uniform.

Kommentare (63)

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icke

17.07.2013, 17:22 Uhr

lasst die Griechen doch endlich pleite gehen, wäre für alle Beteiligten besser, auch für die Griechen. Das wird sowieso so kommen.

Vicario

17.07.2013, 17:23 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

17.07.2013, 17:23 Uhr

Mut hat er ja da hin zu reisen diesen Zeiten

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