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19.03.2004

07:48 Uhr

Vor dem Krieg „irrelevant“, heute unverzichtbar

Der unaufhaltsame Wiederaufstieg der Uno

VonJan Dirk Herbermann (Handelsblatt)

Als die Bomben im März 2003 in Bagdad einschlugen, trafen sie auch die Uno. Die Weltorganisation hatte den Angriff nicht verhindern können, am Ende des diplomatischen Dramas hatte das mächtigste Uno-Mitglied, die USA, den Sicherheitsrat glatt ignoriert. Das Uno-Organ, das die „Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit“ trägt, musste schweigen. Oder wie US-Präsident George W. Bush sagte: Die Uno befand sich auf dem Weg in die „Irrelevanz“.

GENF. Ein Jahr später hat sich das Bild gedreht. Ohne die Uno scheint es für die Weltmacht USA unmöglich zu sein, den Konfliktherd Irak zu befrieden. Das musste kein geringerer als George W. Bush einräumen: „Die Uno hat dort eine vitale Rolle, und ich freue mich darauf, mit dem Generalsekretär zusammenzuarbeiten.“ Als der US-Präsident ihn im vergangenen Monat so offensiv umwarb, erlaubte sich der sonst so unnahbare Uno-Generalsekretär Kofi Annan ein kleines Lächeln. Jetzt denkt Washington sogar über eine Sicherheitsratsresolution nach, um die Uno- Rolle aufzuwerten: So könnten die Truppen des Partners Spanien doch noch im Irak gehalten werden.

„Die langsame Entwicklung der US-Position hat uns zurück ins Spiel gebracht“, kommentiert Annans Sprecher Fred Eckhard. „Die Regierungen begreifen heute, dass es nur miteinander im Irak vorwärts geht.“ Wie aber konnte aus der „bedeutungslosen“ Uno ein Schlüsselspieler im Irak werden? Zunächst lief alles nach US-Drehbuch. Bushs Erzfeind Saddam Hussein war schnell verjagt, das fehlende Plazet des Sicherheitsrates schien nur noch alte Europäer zu stören. „Die Militärintervention war nicht von der Uno autorisiert“, analysiert der Gießener Völkerrechtler Thilo Marauhn. „Nach dem Ende der Hauptkampfhandlungen wollten die USA das Heft selbst in der Hand behalten – aus Misstrauen gegenüber und unter Missachtung der Uno.“

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