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15.09.2014

14:53 Uhr

Vor dem Referendum

Schottlands Achillesferse

VonJan Mallien

Der Finanzsektor ist neben der Ölindustrie das wichtigste Standbein Schottlands. Wird das Land unabhängig, wollen die Banken ihre Sitze nach London verlagern – eine unkalkulierbare Gefahr für die schottische Wirtschaft.

Schottland hat eine Achillesferse: Den Finanzsektor. dpa

Schottland hat eine Achillesferse: Den Finanzsektor.

EdinburghFür Owen Kelly ist ein unabhängiges Schottland ein Albtraum. Der Chef des schottischen Finanzverbands Scottish Financial Enterprise fürchtet weitreichende Konsequenzen für seine Branche. „Es ist schwer vorstellbar, dass der Bankensektor in Schottland so bleibt wie bisher, wenn das Referendum mit ,Ja' ausgeht“, sagt er.

Große Banken mit Sitz in Schottland wie die Royal Bank of Scotland oder die Lloyds Bank haben bereits angekündigt, in diesem Fall ihre Zentralen nach London zu verlagern. Sorgen bereitet der Finanzbranche vor allem die ungeklärte Frage, welche Währung und Zentralbank ein unabhängiges Schottland hätte.

Würden die Banken Schottland verlassen als Folge einer eigenen schottischen Währung, würde das die schottische Wirtschaft hart treffen. Eine Zahl macht dies besonders deutlich: Die Vermögenswerte der Banken entsprechen etwa dem Zwölffachen der schottischen Wirtschaftsleistung – diese Quote ist höher als in Island vor der Finanzkrise.

So wichtig ist Schottland für die deutsche Wirtschaft

Wie stark ist die schottische Wirtschaft überhaupt?

Die jährliche Wirtschaftsleistung beträgt rund 131 Milliarden Pfund - umgerechnet fast 165 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Berlin und Brandenburg zusammen.

Wie viel exportiert Deutschland nach Schottland?

Deutschland exportierte 2013 Waren im Wert von umgerechnet gut fünf Milliarden Euro nach Schottland. "In der Rangliste unserer wichtigsten Kunden würde Schottland einen Platz unter den ersten 50 belegen", sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. "Und zwar noch vor Staaten wie Irland und Griechenland." Großbritannien insgesamt steht mit einem Volumen von knapp 76 Milliarden Euro an Nummer drei, hinter Frankreich und den USA, aber noch vor den Niederlanden und China. Die Schotten kaufen vor allem deutsche Maschinen und Fahrzeuge, aber auch chemische Produkte.

Und wie viel kauft Deutschland in Schottland?

Schottland lieferte 2013 Waren im Wert von etwa drei Milliarden Euro in die Bundesrepublik. Das würde zu einem Platz unter den 50 wichtigsten deutschen Lieferanten reichen, noch vor Australien oder Saudi-Arabien.

Importiert Deutschland vor allem Whiskey?

Alkohol ist tatsächlich ein großer Exportschlager. Nummer eins sind zwar Maschinen und Fahrzeuge. Nach Angaben der Scotch Whisky Association wurde 2013 Whisky im Wert von 172 Millionen Pfund (216 Mio Euro) nach Deutschland exportiert. Die Bundesrepublik ist damit fünftgrößter Abnehmer hinter den USA, Frankreich, Singapur und Spanien.

Wie viele deutsche Unternehmen sind vor Ort?

Mehr als 200, sagt DIHK-Experte Treier. "Davon wiederum sind knapp 40 hundertprozentige Töchter von Industrieunternehmen wie BASF, Bosch und Evotec." Insgesamt beschäftigen die deutschen Firmen rund 20.000 Mitarbeiter in Schottland.

Wie problematisch die Abhängigkeit Schottlands von den Banken ist, zeigte sich in der Finanzkrise: Der britische Staat musste allein mehr als 50 Milliarden Euro in die Royal Bank of Scotland pumpen, um sie vor dem Zusammenbruch zu retten. Die Rettung der Lloyds Bank verschlang weitere 25 Milliarden Euro. In der schottischen Hauptstadt Edinburgh sind aber nicht nur Großbanken beheimatet, sondern auch Fonds und der Versicherer Standard Life.

Bankenlobbyist Owen Kelly rechnet damit, dass es nach einem Ja zur Unabhängigkeit eine längere Phase der Unsicherheit über die künftige Währung geben würde. Zwar würde die Unabhängigkeit erst im März 2016 offiziell in Kraft treten. Doch die Banken wollen schon vorher Planungssicherheit.

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Die Schotten haben über ihre Unabhängigkeit entschieden. Unser Reporter Jan Mallien ist durchs Land gereist, versuchte zu ergründen, wie die Schotten ticken und berichtet im Tagebuch zum Abschluss vom Tag danach. Tag 5.

Die in Schottland regierende Scottish National Party (SNP) und ihr Regierungschef Alex Salmond gehen davon, dass es dann eine Währungsunion mit dem restlichen Vereinigten Königreich geben würde. Doch daran zweifeln viele. Die großen Parteien im Londoner Parlament haben eine Währungsunion ausgeschlossen. „Niemand sonst glaubt, dass eine Währungsunion realistisch ist“, sagt Verbandschef Kelly.

Kommentare (2)

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Carl Icahn Jr.

15.09.2014, 15:01 Uhr

Da können sie ja eigentlich gleich nach Frankfurt umsiedeln, wenn der dumme Insel-Mob außerhalb der City tatsächlich den Austritt aus der EU erzwingen sollten. Ohne Canary Wharf sind die Tommys nämlich gar nichts und bankrott.


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope.

Carl Icahn Jr.
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Herr Norbert Wolter

15.09.2014, 15:33 Uhr

Stimmen die Schotten für die Unabhängigkeit, wäre es der erste kleine Riss auch im Staudamm "EU". Anbei ein höchst interessantes Interview mit Irvine Welsh. Eigentlich muss man nur die Begriffe "Großbritannien mit"EU" austauschen. Volltreffer.

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/irvine-welsh-zum-schottland-referendum-pro-unabhaengigkeit-a-991070.html

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