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26.01.2009

14:45 Uhr

Vor dem Staatsbankrott

Islands Regierung zerbricht an Finanzkrise

Erst war nach tagelangen Protesten mehrerer tausend Menschen Islands Handelsminister von seinem Amt zurückgetreten. Nun ist die gesamte Regierung an den Folgen der Finanzkrise zerbrochen.

Islands Ministerpräsident Geir Haarde: Die Finanzkrise lässt die Regierung scheitern. Foto: Reuters Reuters

Islands Ministerpräsident Geir Haarde: Die Finanzkrise lässt die Regierung scheitern. Foto: Reuters

HB REYKJAVIK. Wie Islands Ministerpräsident Geir Haarde am Montag in der Hauptstadt Reykjavik mitteilte, wird die Zusammenarbeit zwischen seiner konservativen Unabhängigkeitspartei und den Sozialdemokraten sofort beendet.

Bei den anhaltenden Massenprotesten gegen die Verantwortlichen für die Finanzkrise hatten die Demonstranten immer wieder den Rücktritt der Regierung verlangt.

Haarde sagte nach Krisengesprächen, er werde noch im Laufe des Tages seinen Rücktritt beim Präsidenten einreichen. Island musste wegen der Finanzkrise mit internationaler Hilfe vor einem Staatsbankrott gerechnet werden.

Zuvor hatten sich die beiden Koalitionspartner – Haardes Unabhängigkeitspartei und die Sozialdemokratische Allianz – zu getrennten Gesprächen getroffen. Er hätte eine Fortsetzung der Koalition für die beste Lösung gehalten, sagte Haarde zu Journalisten. Dies sei aber nicht möglich. Haarde hatte zuvor Neuwahlen für den 9. Mai vorgeschlagen. Er selbst will wegen einer Krebserkrankung nicht mehr antreten.

Erst am Sonntag war Handelsminister Björgvin Sigurdsson von seinem Amt zurückgetreten. Kurz vorher hatte er die Leitung der staatlichen Bankenaufsicht entlassen.

Die Wut vieler der insgesamt 320 000 Isländer hatte sich bereits im Herbst entladen, als Island als erstes Land der Welt wegen der globalen Finanzkrise kurz vor einem Staatsbankrott stand. Nur durch einen 4,8 Mrd. Dollar-Kredit, umgerechnet rund 3,7 Mrd. Euro, des Internationalen Währungsfonds (IWF), der nordischen Länder und Polens konnte der Zusammenbruch in letzter Sekunde abgewendet werden.

Deutschland, Großbritannien und die Niederlage versprachen zusätzliche 4,8 Mrd. Euro an Krediten, damit die vielen Kleinsparer in Europa, die bei isländischen Banken ihr Geld angelegt hatten, ausgezahlt werden können. Die drei Banken Landsbanki, Glitnir und Kaupthing waren nach einer massiven Expansionsphase in Europa in akute Zahlungsschwierigkeiten geraten und mussten verstaatlicht werden. Allein in Deutschland warten noch immer rund 30 000 Kleinsparer auf die Auszahlung ihrer Konten.

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