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25.12.2014

13:36 Uhr

Vor den Toren Europas

Das schwierige Leben der Flüchtlinge in Melilla

Der Zaun ist hoch, aber kein Hindernis für Festentschlossene: Seit 2005 hat die spanische Exklave Melilla nicht mehr so viele Flüchtlinge erlebt. Ein Grund ist der Krieg in Syrien – aber nicht der einzige.

Zwei junge Malier schauen vom Berg Gourougou in der marokkanischen Nador-Provinz auf die spanische Exklave Melilla: Trotz aller Gefahren und Entbehrungen gilt Europa noch immer als gelobtes Land. ap

Zwei junge Malier schauen vom Berg Gourougou in der marokkanischen Nador-Provinz auf die spanische Exklave Melilla: Trotz aller Gefahren und Entbehrungen gilt Europa noch immer als gelobtes Land.

MelillaMit einigen anderen Männern hat Vincent an diesem Tag wieder Position vor einem Supermarkt in Melilla bezogen. Hier hoffen der 27-jährige Kameruner und die anderen, zumeist aus Westafrika stammenden Männer, sich beim Entladen von Lebensmitteln ein paar Euro zu verdienen.

Das kleine Melilla ist eine spanische Exklave an der nordafrikanischen Mittelmeerküste. Wer es als Flüchtling bis hier geschafft hat, der hat nicht selten Gefahren für Leib und Leben und große Entbehrungen in Kauf genommen.

Nachdem er seine Heimat in Richtung Marokko verlassen hatte, lebte Vincent, der seinen Nachnamen lieber nicht nennen will, mehr oder weniger von dem, was er auf der Straße fand oder was andere ihm freiwillig überließen. Irgendwann gelang es ihm dann, die mehrere Meter hohen Grenzzäune rund um Melilla zu überwinden und europäisches Territorium zu erreichen.

„Es war nicht einfach, da rüber zu kommen“, sagt Vincent in dem noch etwas stockenden Spanisch, das er sich in den vergangenen neun Monaten in Melilla angeeignet hat. „Die Polizei schlägt dich mit Knüppeln, wenn du die Zäune hoch kletterst.“ Narben auf der Haut des jungen Mannes zeugen von den Auseinandersetzungen mit marokkanischen und spanischen Grenzern sowie den Fehlversuchen beim Überwinden der Stacheldrahtzäune.

Vincent ist kein Einzelfall. In Melilla begegnen dem Besucher immer wieder auf den Straßen nächtigende Neuankömmlinge, die noch frische Schnittwunden im Gesicht tragen oder wegen Prellungen humpeln.

Wie die andere spanische Exklave in Nordafrika, Ceuta, ist Melilla zu einer Art Festung ausgebaut worden. Dennoch sind beide Städte Hauptanlaufpunkte für Menschen, die von Afrika aus nach Europa drängen. Ihre erste Begegnung mit Europa fällt selten freundlich aus.

Neben schweren Misshandlungen durch Grenzbeamte beklagen Menschenrechtsgruppen, dass die Behörden Migranten oft einfach zurückschicken, ohne ihren Asylanspruch zu prüfen. Eine Praxis, die das spanische Parlament für legal erklären möchte. Dabei stellen die meisten Flüchtlinge gar keinen Asylantrag. Sie erhoffen nur den Status von Geduldeten. Weil das Lager nur begrenzt Platz bietet, holt Spanien regelmäßig Migranten aufs Festland.

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