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14.02.2011

19:42 Uhr

Vor G20-Finanzgipfel

Paris setzt auf ein Frühwarnsystem

VonHolger Alich

Vor dem G20-Finanzgipfel am Wochenende in Paris hofft die französische Regierung auf ein Frühwarnsystem, das wirtschaftliche Ungleichgewichte offenlegen soll. Ein Beispiel für so einen Indikator wäre die Leistungsbilanz.

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde Quelle: Reuters

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde

ParisFrankreichs Finanzministerin Christine Lagarde ist zuversichtlich, dass beim G20-Finanzgipfel am Wochenende in Paris erste Ergebnisse erreicht werden. „Wir hoffen, dass wir gemeinsam die Indikatoren bestimmen werden, anhand deren wir globale Ungleichgewichte messen wollen“, sagte Lagarde vor der Presse. Als Beispiel für solch einen Indikator nannte sie die Leistungsbilanz, sie vereint den Saldo der Handels-und Kapitalströme. „China spart und exportiert. Europa konsumiert. Und die USA konsumieren und leihen sich Geld. Ist dieses Modell nachhaltig? Wahrscheinlich nicht“, erklärte Lagarde.

Christian Noyer, Gouverneur der Banque de France, fügte an: „Es geht dabei nicht darum, mit dem Finger auf bestimmte Länder zu zeigen.“ Ziel dieser Indikatoren sei, strukturelle Schwächen offenzulegen, um dann Politikansätze zu entwickeln, wie diese Schwächen bekämpft werden können. Indirekt an die Adresse Deutschlands gerichtet, sagte Lagarde: „Wir werden nicht von Ländern verlangen, weniger wettbewerbsfähig zu sein.“ Sie hatte in der Vergangenheit in Deutschland für Aufsehen damit gesorgt, dass sie Deutschlands exportgetriebenes Wirtschaftsmodell als nicht nachhaltig bezeichnet hatte. Frankreich wolle diese Polemik nicht noch einmal aufleben lassen, heißt es aus Regierungskreisen. Der deutsche Exportüberschuss sei anders zu beurteilen als jener von China, heißt es in den Kreisen weiter, denn Deutschland sei eine offene Volkswirtschaft und manipuliere seine Währung nicht.

Frankreich hat für ein Jahr die Präsidentschaft der G20 inne, des Forums der 20 reichsten Länder der Welt. Dafür hat sich Staatschef Nicolas Sarkozy viel vorgenommen: Die Indikatoren zur Bestimmung von Ungleichgewichten sollen dabei helfen, zu einem ausgewogeneren Wirtschaftswachstum zu kommen. Diese Ungleichgewichte gelten als eine Ursache für die Krise.

Darüber hinaus will er die Regulierung des Finanzsystems verbessern, die Entwicklungspolitik vorantreiben, die Volatilität der Agrarrohstoffpreise verringern und vor allem die Schwankungen der großen Währungen eindämmen.

Der Kampf gegen die globalen wirtschaftlichen Ungleichgewichte war schon Thema der G20-Präsidentschaft Koreas. Dabei hatte die US-Regierung vergeblich versucht durchzudrücken, dass kein Land einen höheren Exportüberschuss als vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts haben dürfe.

Am Wochenende sollen die Finanzminister zunächst eine Einigung erzielen, welche Indikatoren sie für eine gemeinsame Problemanalyse heranziehen wollen. „Die Frage der Grenzwerte erfolgt dann in einem zweiten Schritt“, erklärte Lagarde. Hier könnten beim Gipfel in Washington im April Fortschritte erzielt werden, heißt es in G20-Kreisen. Als weitere Kriterien zur Messung der Ungleichgewichte sind im Gespräch die Verschuldung der öffentlichen Hand und der privaten Akteure sowie die Sparquoten in den G20-Ländern.

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