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29.10.2012

19:41 Uhr

Vor Gericht

Griechischer Journalist verteidigt Reichenliste

Weil er die Namen tausender reicher Landsleute veröffentlicht hat, steht der Chefredakteur eines griechischen Magazins vor Gericht. Er habe in öffentlichem Interesse gehandelt, sagte er. Nachahmer gibt es bereits.

Kostas Vaxevanis verteidigt sein journalistisches Handeln. dpa

Kostas Vaxevanis verteidigt sein journalistisches Handeln.

AthenDie griechische Justiz macht einem Journalisten den Prozess, der eine Liste von mehr als 2000 reichen Landsleuten mit Konten in der Schweiz veröffentlicht hatte. Gegen den am Sonntag vorübergehend festgenommenen Chefredakteur des Magazins "Hot Doc" begann am Montag das Strafverfahren, das aber nach kurzer Zeit auf Donnerstag vertagt wurde. Der wegen Verstoßes gegen den Datenschutz mit zwei Jahren Haft bedrohte Kostas Vaxevanis sagte, er habe im öffentlichen Interesse seine Arbeit getan. "Journalismus muss die Wahrheit ans Licht bringen, wenn andere sie unter den Teppich kehren wollen."

Lagarde-Liste: Reiche Griechen „geoutet“

Lagarde-Liste

Reiche Griechen „geoutet“

Griechisches Magazin veröffentlicht Schweizer-Konten-Liste mit Steuerhinterziehern.

Mittlerweile veröffentlichte ein weiteres Blatt die umstrittene Liste. Die linksliberale "Ta Nea" widmete ihr zehn Seiten. Auf der Liste stehen auch Namen bekannter Griechen aus Politik und Wirtschaft. Die griechischen Behörden erklärten, es gebe keine Hinweise darauf, dass die auf der Liste geführten Personen gegen Gesetze verstoßen hätten.

Bei dem Dokument soll es sich um die sogenannte "Lagarde-Liste" handeln, die in Griechenland seit längerem für heftige Spekulationen sorgt. Sie trägt den Namen der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde, weil sie zu deren Amtszeit im Jahr 2010 von den französischen Behörden an die Kollegen in Griechenland ausgehändigt wurde. Mittlerweile ist Lagarde Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Inhaber der Konten sollen bis 2007 rund zwei Milliarden Euro auf Schweizer Konten deponiert haben.

Die Liste führt Personen auf, die auf Steuerhinterziehung geprüft werden sollten. In dem vom Bankrott bedrohten Land steigt die Wut auf Politiker und Reiche. Viele Griechen werfen der Elite vor, ihr Geld im Ausland in Sicherheit zu bringen, während der Großteil der Bevölkerung unter dem drakonischen Sparkurs zu leiden hat.

Von

rtr

Kommentare (18)

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PubliusAeliusHadrianusOlympios

29.10.2012, 20:01 Uhr

Merkels spezieller Freund A. Samaras steht auch drauf.

Account gelöscht!

29.10.2012, 20:03 Uhr

"Der wegen Verstoßes gegen den Datenschutz mit zwei Jahren Haft bedrohte Kostas Vaxevanis sagte, er habe im öffentlichen Interesse seine Arbeit getan. "Journalismus muss die Wahrheit ans Licht bringen, wenn andere sie unter den Teppich kehren wollen."

Hatte nicht die griechische Regierung genau diese Veröffentlichung großartig angekündigt? Blöder Weise ging die Liste dann verloren. Welch ein Zufall!

MikeM

29.10.2012, 20:10 Uhr

Hier arbeitet die griechische Justiz äußerst effizient! Anklage in wenigen Tagen, Respekt!

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