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05.03.2006

15:58 Uhr

Vor IAEA-Sitzung

Iran droht mit Urananreicherung in großem Stil

Der Iran ist empört über das Atomabkommen zwischen den USA und Indien. Teheran sprach von einer „Doppelmoral“ und drohte, die Urananreicherung „in großem Umfang“ wieder aufzunehmen, wenn die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) am Montag eine Einschaltung des Weltsicherheitsrates beschließen sollte.

Chefunterhändler Ali Laridschani: 'Der Iran wird sein Recht auf die Atomtechnologie nicht aufgeben'. Foto: dpa dpa

Chefunterhändler Ali Laridschani: 'Der Iran wird sein Recht auf die Atomtechnologie nicht aufgeben'. Foto: dpa

HB TEHERAN. „Wenn sie (die westlichen Staaten) Gewalt anwenden wollen, werden wir unseren eigenen Weg verfolgen“, sagte der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani am Sonntag in Teheran. "Wir werden die Forschung und Entwicklung nicht einstellen." Aber wir sind bereit, einem Zeitplan für die Urananreicherung in großem Umfang zuzustimmen. Das ist unser letztes Angebot.“ Er verwies damit offenbar auf das russische Angebot, den Iran mit angereichertem Uran für die zivile Nutzung zu versorgen.

Der Gouverneursrat der IAEA befasst sich in Wien mit dem Konflikt. Sollte er die Iran-Akte an den UN-Sicherheitsrat übergeben, könnte dieser Sanktionen gegen Teheran verhängen. Die Staatengemeinschaft will den Iran dazu bringen, sein Programm zur Urananreicherung auszusetzen. Der islamische Staat soll so davon abgehalten werden, hochangereichertes Uran zu produzieren, das zum Bau von Atombomben genutzt werden kann.

Am Samstag hatte Laridschani mit dem Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gedroht, sollte seinem Land die Anreicherung von Uran zur Forschungszwecken nicht gestattet werden. „Wir sind Mitglied der IAEA geworden, um die Atomtechnik nutzten zu dürfen“, sagte er dem Wiener „Kurier“. Es sei paradox, dass der Iran nun wegen „Forschungsaktivitäten“ vor den Weltsicherheitsrat gebracht werden solle.

Laridschani bekräftigte nach wie vor Interesse am Angebot Moskaus, in einem gemeinsamen Unternehmen Uran in Russland anreichern zu lassen. „Das hat eine wirtschaftliche Logik“, sagte er der Zeitung. Bei einer Einschaltung des UN-Sicherheitsrates werde Europa seinen Einfluss einbüßen. „Die Amerikaner werden das Steuer in die Hand nehmen und sich direkt mit uns konfrontieren“, prognostizierte er in dem Interview. Sanktionen gegen den Iran würden keinen von den USA gewünschten Einfluss haben. Zwar werde sein Land dadurch Schwierigkeiten bekommen. Aber wenn dadurch der Ölpreis in die Höhe getrieben werde, seien auch die Europäer betroffen.

Außenamtssprecher Hamid Resa Assefi warf US-Präsident George W. Bush am Sonntag Doppelmoral vor, weil dieser am Donnerstag mit Indien ein Abkommen über die Zusammenarbeit in der Atomtechnik geschlossen hatte. „Die USA unterzeichnen einen Vertrag mit einem Staat, der kein Mitglied des Atomwaffensperrvertrags ist“, sagte Assefi auf einer Pressekonferenz. „Auf der anderen Seite wird der Iran (als Unterzeichner des Sperrvertrages) so schlecht behandelt und dargestellt.“

In dem Abkommen mit Neu-Delhi sicherte Bush die Lieferung von Brennelementen, Reaktoren und Know-How zu. Der Vertrag muss allerdings noch vom US-Kongress bestätigt werden. Anders als der Iran verfügt Indien seit 1998 über Kernwaffen.

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