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20.09.2014

14:12 Uhr

Vor jüngstem IS-Vormarsch

45.000 Kurden in die Türkei geflohen

Bis zu 1,4 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien halten sich zum Schutz vor der Terrormiliz Islamischer Staat in der Türkei auf, 45.000 Kurden sind dazugekommen: Sie sind vor dem jüngsten IS-Vormarsch geflohen.

Warten an dem Grenzübergang zur Türkei: 45.000 Bürgerkriegsflüchtlinge sind vor der IS geflohen. dpa

Warten an dem Grenzübergang zur Türkei: 45.000 Bürgerkriegsflüchtlinge sind vor der IS geflohen.

IstanbulVor dem jüngsten Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien sind nach Angaben der Regierung in Ankara bereits 45.000 Kurden in die Türkei geflohen. Die Flüchtlinge seien über acht Grenzübergänge in die Türkei gekommen, sagte Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus am Samstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. Am Freitag hatte die Türkei ihre Grenze geöffnet, nachdem sich dort aus Angst vor IS-Massakern bereits am Vortag Tausende Menschen versammelt hatten.

Nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtergruppe für Menschenrechte rückten in der Nacht zum Samstag mehr als 300 kurdische Kämpfer von der Türkei aus in das Nachbarland ein. Zu welcher Kurden-Gruppe die Männer gehörten, sei unklar. Sie hätten sich den kurdischen Einheiten angeschlossen, die den IS-Vormarsch auf die Stadt Ain al-Arab stoppen wollen, die auch unter ihrem kurdischen Namen Kobani bekannt ist.

Der Angriff des IS auf die kurdischen Dörfer und ihre Belagerung von Kobani hat die kurdische Arbeiterpartei PKK in der Türkei veranlasst, ihre Anhänger zu den Waffen zu rufen, um gegen die IS zu kämpfen. Die PKK kämpfte jahrzehntelang für einen Kurdenstaat im Osten der Türkei und wird von der Europäischen Union (EU) als terroristische Vereinigung betrachtet.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Islamische Front

Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

Nusra-Front

In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

Islamischer Staat

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

Syrische revolutionäre Front

Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


Mudschaheddin-Armee

Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


Höchstes Militärkommando

Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Nach Angaben eines Anführers der Kurden-Truppen waren IS-Milizionäre in der Nacht bis auf 15 Kilometer auf Kobani vorgestoßen. Sie hätten bei ihrem Vormarsch Raketen, Granaten und Panzer eingesetzt. Bei den Gefechten, die am Samstag andauerten, seien mindesten 18 IS-Milizionäre getötet worden, sagte Esmat al-Scheich per Telefon aus dem Kampfgebiet.

Die Terrormiliz hat in einer kurdischen Enklave in Nordsyrien in den vergangenen Tagen mehr als 60 Dörfer an der Grenze zur Türkei erobert. In der Türkei halten sich nach unterschiedlichen Regierungsangaben bereits zwischen 1,2 Millionen und 1,4 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien auf.

Von

dpa

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