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09.01.2013

04:52 Uhr

Vor Karsai-Besuch

Kompletter US-Abzug aus Afghanistan wäre möglich

Erstmals räumt das Weiße Haus die Möglichkeit ein, sich nicht nur teilweise, sondern komplett aus Afghanistan zurückzuziehen. Das könnte sich auf anstehende Gespräche mit dem afghanischen Präsidenten Karsai auswirken.

US-Soldaten beim Rückzug aus Afghanistan (Archivbild von 2011). dapd

US-Soldaten beim Rückzug aus Afghanistan (Archivbild von 2011).

WashingtonDie USA schließen einen völligen Truppenabzug aus Afghanistan nicht aus. Es sei noch unklar, ob nach 2014 noch weitere US-Soldaten im Land bleiben sollen, sagte der Nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, Ben Rhodes, am Dienstag. „Wir wollen keine Optionen ausschließen.“

Bis zu einer Entscheidung über die US-Truppenstärke nach dem geplanten Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan Ende nächsten Jahres vergingen aber noch Monate.

Sie hänge vor allem von den beiden wichtigsten US-Zielen in dem Land am Hindukusch ab: Die Islamisten von Al-Kaida dürften dort keinen sicheren Unterschlupf mehr finden, und die Afghanen müssten selbst für ihre Sicherheit sorgen können.

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Es ist das erste Mal, dass die US-Regierung einen vollständigen Abzug all ihrer Soldaten öffentlich in Aussicht stellt. Bisher hatte das Verteidigungsministerium darauf beharrt, dass mehrere tausend Soldaten auch weiterhin im Land bleiben müssten, um die afghanischen Sicherheitskräfte auszubilden und sicherzustellen, dass das Land kein Rückzugsgebiet für das Terrornetzwerk Al-Kaida wird.

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Gemeinsam mit ihren Nato-Verbündeten haben sich die USA auf einen Abzug aller Kampfeinheiten bis Ende 2014 geeinigt, doch wie es danach weitergehen soll, ist noch weitgehend unklar - und innerhalb der USA hat die Frage Konfliktpotenzial.

Die „New York Times“ berichtete kürzlich, der in Afghanistan kommandierende General John Allen denkt an bis zu 20.000 Soldaten. Als Mindeststärke wolle er auch nach 2014 rund 6000 Mann. Je weniger Truppen am Hindukusch blieben, umso größer sei das Sicherheitsrisiko. Die verbleibenden US-Soldaten sollten weitgehend Spezialkräfte für Anti-Terrorismus-Operationen sein. In Washington heißt es, die Frage der künftigen US-Truppenstärke solle aber nicht während des Karsai-Besuchs entschieden werden.

Am Freitag wollen der afghanische Präsidenten Hamid Karsai und US-Präsident Barack Obama in Washington unter anderem über ihre unterschiedlichen Vorstellungen für diese Zeit nach 2014 diskutieren. Beobachter spekulierten deshalb auch, dass die jetzt vorgebrachte Option des Komplettabzugs Teil der Verhandlungsstrategie Washingtons sein könnte.

Hauptthema der Gespräche in Washington sei der Übergangsprozess in Afghanistan nach 2014, meinte der Sprecher im Weißen Haus, Jay Carney. Es gehe um „unsere gemeinsame Vision einer andauernderen Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Afghanistan“. Konkret dürfte es darum gehen, wie die USA beim Aufbau der afghanischen Truppen mithelfen, etwa mit Ausrüstung und weiteren Finanzhilfen.

Karsai hatte immer wieder gefordert, die US-Truppen sollten sich aus afghanischen Dörfern in ihre Kasernen zurückziehen. Außerdem hatte er immer wieder US-Angriffe mit zivilen Opfern gebrandmarkt. Gegenwärtig sind 68.000 US-Soldaten sowie rund 30.000 weitere internationale Truppen in dem Land stationiert.

Die USA haben bereits ein bilaterales Abkommen mit Afghanistan abgeschlossen, das für das Jahrzehnt von 2014 bis 2024 gilt. Eine konkrete Stärke der US-Truppen ist darin aber nicht genannt.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.01.2013, 07:02 Uhr

Und nach dem Abzug: Verdienen sich dann Söldnerarmeen wie im Irak eine goldene Nase? Offiziell abgezogen für die unzufriedenen Wähler und dann Söldner bezahlen?

Novaris

09.01.2013, 09:00 Uhr

HB:"Die USA haben bereits ein bilaterales Abkommen mit Afghanistan abgeschlossen, das für das Jahrzehnt von 2014 bis 2024 gilt. Eine konkrete Stärke der US-Truppen ist darin aber nicht genannt."

Dieses Abkommen dürfte den Wert von Toilettenpapier haben.

Prognose : Das Marionetten-Regime Karsai wird nach dem Abzug der NATO sehr schnell von den Taliban gestürzt werden.
Die Militärintervention der NATO wird genauso erfolglos enden, wie die Interventionen Großbritanniens und der Sowjetunion zuvor.
Da nach Seneca Geld stärker ist wie jede Festung wird man dann mit einem Taliban-Regime wirtschaftliche Vereinbarungen irgendwelcher Art treffen.
Die Chinesen arrangierten sich bereits mit den Taliban und bauen Kupfervorkommen ab.
Die ganze Angelegenheit hat starke Ähnlichkeit mit dem Vietnam-Abenteuer der USA.
Es bleibt die Frage : Wurde nun die Demokratie am Hindukusch verteidigt oder WAS ???
Für Deutschland bleiben jedenfalls nur Kosten und tote Soldaten. Die NATO ist eine kostspielige Vereinigung und wird voraussichtlich in der Zukunft noch wesentlich kostspieliger werden.

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