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02.07.2014

07:18 Uhr

Vor Ostküste

Nordkorea feuert zwei Kurzstreckenraketen ab

Das südkoreanische Ministerium berichtet von einem erneuten Raketentest Nordkoreas, vor dem Besuch von Chinas Präsident in Südkorea. Die Geschosse wurden am Mittwoch ins Meer abgefeuert. Experten zeigen sich besorgt.

Nordkorea hat am Mittwoch zwei Kurzstreckenraketen abgefeuert. dpa

Nordkorea hat am Mittwoch zwei Kurzstreckenraketen abgefeuert.

SeoulNordkorea hat nach Angaben aus Seoul erneut einen Raketentest vorgenommen. Am Mittwoch wurden zwei Kurzstreckenraketen vor der Ostküste abgeschossen, die im Meer landeten, wie das südkoreanische Verteidigungsministerium mitteilte. Offenbar seien Raketen mit einer Reichweite von 180 Kilometern getestet worden, sagte ein Ministeriumssprecher. Es war der dritte Test binnen einer Woche, der auch in Zusammenhang mit dem Besuch von Chinas Präsident Xi in Südkorea am Donnerstag und Freitag gesehen wird.

Experten verstehen die Tests als Warnung. China ist der wichtigste Verbündete des kommunistischen Nordkoreas, doch mehrten sich zuletzt die Anzeichen, dass Peking auf Distanz zu Pjöngjang geht. Dass Staatschef Xi zuerst Süd- und dann erst das kommunistische Nordkorea besucht, sehen einige als bewusste Brüskierung des Nordens.

Am Montag hatte die nordkoreanische Führung Südkorea überraschend ein Ende der militärischen und verbalen Provokationen vorgeschlagen. Pjöngjang sei bereit, eine entsprechende Vereinbarung zu treffen und ab Freitag umzusetzen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA unter Berufung auf die Nationale Verteidigungskommission, die höchste militärische Instanz in Nordkorea.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Südkorea wies den Vorschlag als „unsinnig“ zurück. Nordkorea müsse „Ernsthaftigkeit“ an den Tag legen und sein Atomwaffenprogramm beenden, erklärte das südkoreanische Vereinigungsministerium am Dienstag.

Nord- und Südkorea befinden sich formal im Kriegszustand, weil nach dem Koreakrieg (1950 bis 1953) kein Friedensvertrag geschlossen wurde.

Von

afp

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