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04.12.2014

07:27 Uhr

Vor Putins Grundsatzrede

Obama kritisiert Russlands Präsidenten

Kremlchef Putin hält am Donnerstag seine traditionelle Rede an die Nation. Ansprechen dürfte er neben der Wirtschaftskrise auch den Ukraine-Konflikt. Sein US-Kollege Obama gibt ihm deutliche Worte mit auf den Weg.

Zwischen Obama und Putin herrscht ein angespanntes Verhältnis: Der US-Präsident kritisiert die Politik des Kremlchefs. AFP

Zwischen Obama und Putin herrscht ein angespanntes Verhältnis: Der US-Präsident kritisiert die Politik des Kremlchefs.

WashingtonKurz vor einer Grundsatzrede von Kremlchef Wladimir Putin hat US-Präsident Barack Obama dessen Politik als „nationalistisch und rückwärtsgewandt“ gescholten. Die Eskalation der Ukraine-Krise habe Putin seinem Eindruck nach überrascht, sagte Obama am Mittwoch vor Wirtschaftsvertretern in Washington. Seitdem improvisiere er mit einer Politik, die Russlands Nachbarn verängstige und der Wirtschaft enorm schade. Von seinem Kurs werde Putin erst abrücken, wenn der Wirtschaftsabschwung dies erzwinge, sagte Obama.

Putin hält am Donnerstag (10.00 Uhr MEZ) seine jährliche Rede zur Lage der Nation. Es wird erwartet, dass der Kremlchef in der etwa einstündigen Ansprache Stellung nimmt zum Konflikt zwischen Russland und dem Westen sowie zum Bürgerkrieg in der benachbarten Ukraine. Zudem dürfte sich der Präsident auch zur schweren Wirtschaftskrise seines Landes äußern, die durch Sanktionen des Westens und den niedrigen Ölpreis ausgelöst wurde.

Ende 2013 hatte die damalige ukrainische Führung ihren EU-Kurs auf Eis gelegt und sich stärker Russland zugewandt. Dies löste in Kiew massive Proteste mit Dutzenden Toten aus, die zu einem Machtwechsel führten. Infolge der Ereignisse annektierte Russland trotz internationaler Kritik und Protests Kiews die Halbinsel Krim. In der Ostukraine begann ein Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten mit Tausenden Toten. Die Nato wirft Russland in der Ukraine-Krise „aggressives Verhalten“ vor. Russland weist eine Beteiligung an dem Konflikt zurück.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Die Regierung in Moskau warf der Nato am Mittwochabend ihrerseits einen Konfrontationskurs vor. Die Allianz sei nicht zu einer gleichberechtigten Zusammenarbeit mit Russland bereit, um auf Bedrohungen im euroatlantischen Raum zu reagieren, kritisierte das Außenministerium.

Kommentare (13)

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Frau Helga Trauen

04.12.2014, 08:26 Uhr

Obamao sollte mal lieber Brzezinski und Wolfowitz zitieren, und damit die amerikanische Außenpolitik in der Ukraine erklären. Er sollte mal darlegen, was die Amerikaner mit der amerikanischen, schnell eingebürgerten ukrainischen Finanzministerin vorhaben, was Bidens Sohn dort macht und was noch alles beim "regime change" und den "Farbenrevolutionen" geplant ist. Dann wird es nämlich spannend. Diese blödsinnige Propaganda des ach so demokratischen Westen mit seinen Werten von "Freiheit, Demokratie und Souverän" (siehe Feruson und insbesondere die EU) sind nur lachhaft. Die USA wollen nur die Privilegien des US$ als Leitwährung retten, indem sie weiter mit bedrucktem Papier ihre Importe bezahlen können. Russland wird niemals ein Vasall der Amerikaner - ganz anders als die kurzsichtigen Europäer, die eben nur Vasallen sind und durch US-Thinktanks an der Leine geführt werden. Erika und Larve sind die besten Beispiele.
Aber der Krieg, den der Westen gegen Russland führt - anders ist es nicht zu nennen - hat nicht nur eine Schlacht. Und wer am Ende siegt, steht noch nicht fest. Die sogenannten westlichen Demokratien sind nicht mehr das, was sie vorgeben zu seien! Es sind nur Worthülsen, die vernebelnde Narrative über die MSM verbreiten, um die Bevölkerung zu verdummen. Zum Glück ist das heute nicht mehr so einfach. Als Liberale(!) kriege ich nur das große Kotzen über so viel Heuchelei und Selbstgerechtigkeit! Widerlich!

Herr Otto Pankrath

04.12.2014, 10:12 Uhr

ich glaube ja nicht, dass wir uns mit unserer Haltung, der Haltung des Westens, und der damit verbundenen Doppelmoral viele Freunde in der Welt machen...
Wie soll man denn den Süd-Amerikanern, den Afrikanern oder Asiaten den Unterschied zwischen Russlands Vorgehen und dem Vorgehen des "Westens" erklären? Ich glaube nicht, dass außenstehende große Unterschiede erkennen werden...

Herr Bernhard Ramseyer

04.12.2014, 10:20 Uhr

- Ende 2013 hatte die damalige ukrainische Führung ihren EU-Kurs auf Eis gelegt und sich stärker Russland zugewandt. Dies löste in Kiew massive Proteste mit Dutzenden Toten aus, die zu einem Machtwechsel führten. Infolge der Ereignisse annektierte Russland trotz internationaler Kritik und Protests Kiews die Halbinsel Krim. In der Ostukraine begann ein Bürgerkrieg.... -

Und vorher war da nichts? Da dürfen die Medien nicht schreiben.

Kein Wunder, dass immer mehr Deutsche meinen, der II. Weltkrieg habe in Stalingrad begonnen.

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