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16.02.2014

15:13 Uhr

Vor Zinsen im Plus

Griechenland meldet Milliardenüberschuss

Im vergangenen Jahr hat Griechenland einen Milliardenüberschuss verzeichnet – wenn man die Zinszahlungen für Anleihen und Kredite nicht berücksichtigt. Der sogenannte Primärüberschuss gilt aber als postives Signal.

Flaggen in Athen: Griechenland rechnet mit Wachstum – und hofft auf die nächste Tranche aus einem Hilfspaket. dpa

Flaggen in Athen: Griechenland rechnet mit Wachstum – und hofft auf die nächste Tranche aus einem Hilfspaket.

AthenGriechenland hat nach Angaben von Regierungschef Antonis Samaras 2013 deutlich mehr eingenommen als ausgegeben – allerdings nur unter Ausblendung der enormen Zinslast für die Staatsschulden. Den so genannten Primärüberschuss bezifferte Samaras in der der Athener Sonntagszeitung „To Vima“ mit 1,5 Milliarden Euro. Nach Jahren der Rezession rechnet Athen zudem 2014 erstmals wieder mit einem geringen Wachstum. Danach soll es bergauf gehen, mit plus zwei Prozent 2015 und plus drei Prozent 2016.

Jetzt blickt Samaras gespannt nach Luxemburg: Von dem Europäischen Statistikamt Eurostat werden die Daten für die öffentlichen Defizite der Mitgliedstaaten zusammengestellt und am 23. April veröffentlicht. Die Eurogruppe hatte den Griechen im November 2012 weitere Hilfen in Aussicht gestellt, sollten die Griechen einen primären Überschusses schaffen.

Griechenland bringt seit Wochen ins Gespräch, man wolle mit Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit erstmals seit langem wieder den Kapitalmarkt anzapfen. Dem müssen die Geldgeber-Kontrolleure aber zustimmen. Finanzminister Ioannis Stournaras hält dies noch 2014 für machbar. Viele Experten sagen indes, dies werde vor 2015 nicht möglich sein.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Die Finanzminister der 18 Euro-Länder wollen am Montag in Brüssel zum zweiten Mal im diesem Jahr über die Lage in Griechenland sprechen. Hilfsmilliarden können zur Zeit nicht ausgezahlt werden, da die Geldgeber-Troika ihre Überprüfung immer noch nicht abgeschlossen hat. Währungskommissar Olli Rehn sagte: „Ich hoffe, bis März oder April werden wir das schaffen.“ Einer schnellen Entscheidung über weitere Hilfen erteilte er allerdings eine Absage.

Diplomaten sagten vor dem Treffen, die Troika-Vertreter von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalen Währungsfonds (IWF) sollten „sehr bald“ nach Athen zurückkehren. Sie waren im Dezember abgereist. Umstritten waren damals unter anderem Privatisierungen und die Reform der öffentlichen Verwaltung.

Von

dpa

Kommentare (7)

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U.Reissner

17.02.2014, 07:39 Uhr

Kaum zu glauben. Die Arbeitslosigkeit ist weiter gestiegen, damit die Sozialausgaben des Staates bei gleichzeitigem Einnahmeverlust. Woher soll also der Überschuss kommen?
Der typische faule Kreditnehmer, redet sich alles schön und frisiert die Bilanzen, nur um am frisches Geld zu kommen.

HofmannM

17.02.2014, 08:26 Uhr

@U.Reissner
Woher der Überschuss kommt....ist doch ganz klar...von der EZB und somit von den Steuerzahlern der restlichen noch gut wirtschaftetenden EURO-Ländern, wie z.b. Deutschland.

reinePropaganda

17.02.2014, 08:48 Uhr

Zitat:"WENN man die Zinszahlungen für Anleihen und Kredite nicht berücksichtigt"

Man muß aber immer ALLES berücksichtigen!

WENN Katzen so groß wären wie Pferde, dann könnte man Bäume hochreiten.

Abgesehen davon, kann man sich sicher sein, dass die Zahlen gefälscht und reine EU-Propaganda sind. Aber es spielt keine Rolle. Es muß, wie gesagt, immer ALLES berücksichtigt werden. Nicht zuletzt Zinszahlungen!

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