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02.04.2016

01:22 Uhr

Vorbereitung für die Zeit nach dem Öl

Saudi-Arabien plant Billionen-Investment-Fonds

Saudi-Arabien geht auf globale Einkaufstour. Mit Billionen-Investitionen will sich der Golfstaat auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten. Ein schwieriges Unterfangen mit Ölpreisen nahe an den Rekordtiefs.

Eine Gasflamme über dem Khurais-Ölfeld, rund 160 km von Riad entfernt. Das Königreich will vorbereitet sein, wenn die Öl- und Gasförderung einmal versiegen wird. dpa

Ölförderung in Saudi-Arabien

Eine Gasflamme über dem Khurais-Ölfeld, rund 160 km von Riad entfernt. Das Königreich will vorbereitet sein, wenn die Öl- und Gasförderung einmal versiegen wird.

San FranciscoDer Ölpreis-Schock sitzt tief. Aber diesmal nicht bei den Autofahrern in Europa oder Amerika, sondern in den ölproduzierenden Staaten der Golfregion. Nach einem Absturz der Rohölpreise von über 100 Dollar pro Fass auf bis zu 30 Dollar steigt die Hektik, mit der die Abhängigkeit vom „schwarzen Gold“ gemindert werden soll. Saudi-Arabien will nicht weniger als zwei Billionen Dollar (das sind 2000 Milliarden Dollar) in einen staatlichen Anlagefonds stecken, der sich überall auf der Welt einkaufen soll. Das erklärte der stellvertretende Kronprinz Mohammed bin Salman in einem Interview mit Bloomberg. Das wäre genug Geld um die Aktien von Apple, Alphabet (Google), Microsoft und Berkshire Hathaway zusammen zu kaufen und dann wäre immer noch Spielgeld übrig.

Sozusagen als Anschubfinanzierung plant das saudische Königshaus bis zu fünf Prozent des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco an die Börse zu bringen, der dann in den Fonds überführt und in eine gigantische Industrieholdung umgewandelt werden soll. Laut Bin Salman hält der PIF (Public Investment Fund) bereits Anteile an der Saudi Basic Industries Corp, dem zweitgrößten Chemieunternehmen der Welt, oder der National Commercial Bank, dem größten Geldhaus Saudi-Arabiens. Der Fonds schaue sich derzeit „zwei Möglichkeiten“ in der Finanzindustrie an, so der 30-jährige stellvertretende Kronprinz, Namen wollte er aber nicht nennen. „Innerhalb von 20 Jahren“, prognostiziert er, „werden wir nicht mehr hauptsächlich vom Öl abhängen.“ Bereits 2020 soll der Anteil ausländischer Investments im Staatsfonds 50 Prozent betragen, jetzt sind es fünf Prozent. Investitionen in Korea und Russland stehen ebenfalls auf der Agenda.

Die größten Staatsfonds der Welt

Wo Geld langfristig angelegt werden soll

Sie horten Devisen oder gehören zu den größten Einzelanteilseignern von Konzernen: Staatsfonds. Der Marktführer etwa hält allein 1,3 Prozent an den börsennotierten Unternehmen der Welt. Einmal im Jahr gibt das Sovereign Wealth Fund Institute ein Ranking über die größten Staatsfonds heraus. Dies sind die Ergebnisse.

Stand: 31. Dezember 2015

„Statens pensjonsfond utland“ (Norwegen)

Der „Statens pensjonsfond utland“, wie der norwegische Staatsfonds offiziell heißt, ist mit einem Volumen von 824,9 Milliarden Dollar der weltweit größte seiner Art. Der Fonds wurde 1990 gegründet, um den Wohlstand der Nation aus dem Ölgewerbe für zukünftige Generationen zu erhalten. Deshalb wird er inoffiziell auch „Ölfonds“ genannt. 60 Prozent des Vermögens sind in Aktien, 35 Prozent in Zinspapieren und fünf Prozent in Eigentum wie Immobilien investiert.

Abu Dhabi Investment Authority

Ölreichtum ist auch der Hintergrund für den zweitgrößten Staatsfonds der Welt, die Abu Dhabi Investment Authority. Dessen Ziel ist es, über breit gestreute Investments in Aktien, Immobilien oder etwa Hedgefonds für die Zeit nach dem fossilen Zeitalter vorzusorgen.

Wert: 773 Milliarden Dollar

China Investment Corporation

Dieser chinesische Staatsfonds wurde 2007 gegründet, um einen Teil der riesigen Devisenreserven des Landes zu managen und beispielsweise in ausländische Firmen zu investieren. Von einst 200 Milliarden US-Dollar in seinem Gründungsjahr wuchs der CIC bis Ende 2015 auf 746,7 Milliarden US-Dollar an.

SAMA Foreign Holdings (Saudi-Arabien)

In dem Foreign Holdings-Fonds verwaltet die saudische Zentralbank „Saudi Arabien Monetary Agency“ die Einkommen aus der Ölindustrie des Staates. Fondsvolumen Ende 2015: 668,6 Milliarden Dollar.

Kuwait Investment Authority

Auch der arabische Staat Kuwait möchte seine Einnahmen aus dem Öl möglichst gewinnbringend anlegen – und diversifiziert seine Investments an den internationalen Märkten. Das Volumen des Fonds beträgt 592 Milliarden Dollar. Einen Teil davon hat Kuwait bei einem deutschen Autobauer angelegt: Kuwait hält 6,8 Prozent der Anteile an Daimler.

SAFE Investment Company (China)

Am liebsten sicher möchte China sein Geld anlegen, wie das Akronym vermuten lässt. Dahinter verbirgt sich die „State Administration of Foreign Exchange“. Diese unterhält eine Tochtergesellschaft in Hongkong, die SAFE Investment Company, welche sich wie auch schon die China Investment Corporation um die Anlage der Devisenreserven des Landes kümmern soll. Das Volumen des zweitgrößten chinesischen Staatsfonds wird auf 547 Milliarden Dollar geschätzt.

Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio

Der Exchange Fund, ein Vorläufer des Fonds, wurde bereits im Jahr 1935 gegründet. Knapp 60 Jahre später, 1993, wurde schließlich die Hong Kong Monetary Authority gegründet, welche den Fonds managt. Ende 2015 wachte verfügte der über 417,9 Milliarden Dollar. Diese werden vor allem in die Hongkonger Börse Hang Seng investiert.

GIC Privat Limited (Singapur)

Der größte Staatsfonds Singapurs wurde bereits im Jahre 1981 gegründet. Zuletzt wachte er über eine Anlagevermögen von 344 Milliarden Dollar. Die Summe teilt sich auf gleich drei einzelne Fonds, die alle von der Mutter verwaltet werden. International deutlich bekannter ist indes der Singapurer Staatsfonds Temasek. Der landet mit einem Volumen von „nur“ 193,6 Milliarden Dollar lediglich auf Rang 11 der weltweit größten seiner Art.

Qatar Investment Authority

Das kleine Emirat Qatar am persischen Golf erfreut sich großer Öl- und Gasressourcen. Um den Gewinn daraus möglichst langfristig anzulegen, wurde 2005 die Qatar Investment Authority gegründet. Sie wacht über 256 Milliarden Dollar. Die für Deutsche wohl bekannteste Beteiligung besitzt die Investmentgesellschaft an Volkswagen: Insgesamt 17 Prozent hält der Staatsfonds über die Qatar Holding LLC am Wolfsburger Konzern.

National Social Security Fund (China)

Die Top Ten der größten Staatsfonds der Welt rundet ein chinesischer Fonds ab. Der National Social Security Fund wurde 2000 gegründet, um die Anlagen der sozialen Leistungen zu verwalten. Sein Volumen beträgt 236 Milliarden Dollar. Damit stammen von den zehn größten Staatsfonds der Welt gleich vier aus dem Reich der Mitte – das Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio inbegriffen.

Saudi-Arabien ist nicht der erste staatliche Superinvestor, derzeit ist zum Beispiel China einer der größten Aufkäufer von Unternehmen, Immobilien und Rohstoffen weltweit. Aber der Golfstaat ist mit Sicherheit der mit dem meisten Geld in der Kriegskasse.
Allerdings macht die saudische Führung ihren Bürgern auch klar, dass die Zeiten härter geworden sind, seit dem Kollaps der Ölpreise. Deshalb müsse man die Wirtschaft neu strukturieren und Verschwendung abschaffen. Ende 2015 wurden im Land die Preise für Benzin und Strom angehoben, was allerdings noch eher symbolischen Charakter hat. Trotzdem: Sogar die Monarchie selbst will mit gutem Beispiel vorangehen. Die ausufernden Regierungsausgaben, die bis zu 40 Prozent des Staatsbudgets ausgemacht hatten, seien bereits 2015 auf rund zwölf Prozent gesenkt worden.

Wissenschaftler wie Paul Sullivan von der Georgetown-Universität in Washington, sind aber skeptisch, was die Pläne angeht. „Man kann Wirtschaftsreformen nicht wie ein Vier-Gänge-Menü ordern“, sagte er gegenüber Bloomberg. „Auf jeden Fall muss mehr getan werden als nur die Investitionen im Ausland zu erhöhen.“ Wie groß der Wille zu echten gesellschaftlichen Reformen in dem konservativen Land tatsächlich ist, ist jedoch völlig unklar.

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