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28.08.2013

19:00 Uhr

Vorbild Martin Luther King?

„Viele Redner sind emotionale Krüppel“

VonStefan Kaufmann

„I have a dream“ sagte Martin Luther King vor 50 Jahren. Worte für die Ewigkeit. Auch heute suchen Politiker und Manager nach Sätzen für das kollektive Gedächtnis – und scheitern meist an den Grundregeln großer Reden.

Hätte er auf seinen Berater und nicht auf sein Herz gehört – die Welt wäre um eine große Rede ärmer. „I have a dream“ hatte Martin Luther King schon so häufig gesagt, bei seinen Predigten in Detroit. Auch einer seiner Berater fand die Formulierung zu abgedroschen und strich sie aus dem Redemanuskript, das sich Martin Luther King für seinen Auftritt am 28. August 1963 zurecht gelegt hatte. Doch als der Bürgerrechtler heute vor 50 Jahren in Washington vor 250.000 Zuhörern am Lincoln Memorial das Wort ergriff, legte er erst das Manuskript und dann alle Bedenken ab. Er sagte „I have a dream“, sprach über diesen Traum und hielt eine Rede für die Ewigkeit.

Taugt er damit zum Vorbild für Politiker und Manager, die auf den Bühnen dieser Welt um Aufmerksamkeit ringen? Ja – und Nein. Denn vieles, was Martin Luther King vor 50 Jahren geholfen hat, lässt sich nicht eins zu eins kopieren. „Die Rede ist berühmt geworden, weil der Redner berühmt geworden ist. Und der Redner ist berühmt geworden, weil er eine gesellschaftliche Bewegung geführt hat, die tief in der amerikanischen Geschichte wurzelte“, sagt Vazrik Bazil. Er ist Präsident des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS). Die Ermordung des Bürgerrechtlers hat ihn endgültig zum Mythos werden lassen. „Ohne diese äußeren Umstände und die Person Martin Luther King hätte sich die Rede niemals in das allgemeine Gedächtnis einbrennen können.“

US-Bürgerrechtler zur Rede und ihre Wirkung

Wie haben Sie den Marsch erlebt?

„Es war inspirierend. Ich war einer von vielen Menschen. Es waren fast eine Viertelmillion Menschen dort – und ich war einer dieser Menschen. Ich bekam das Gefühl, etwas Sinnvolles für den Kurs der Bürgerrechte zu tun.“

George Mitchell (69) im dpa-Interview. Er ist Präsident der Bürgerrechts-Organisation NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) in Illinois. Vor 50 Jahren war er beim „Marsch auf Washington“ dabei.

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an diesen Tag denken?

Ich erinnere mich daran, dass ich im Zug von Chicago war. Zusammen mit all meinen Freunden und meiner künftigen Frau. Wir fuhren die ganze Nacht durch und kamen in den frühen Morgenstunden in Washington an. Im Zug gab es eine Menge Menschen und wir alle gingen zu den Bussen, die in die Nähe des Lincoln-Memorial fuhren. Und während wir in der Bahn und in den Bussen waren, sangen wir Freiheitslieder.

Erinnern Sie sich an die Rede von Martin Luther King?

„Ich erinnere mich an die Reden. Aber nicht an alles, was im Einzelnen gesagt wurde. Aber ich denke, die Rede von Dr. King war wahrscheinlich die wunderbarste Rede, weil sie diejenige war, von der am meisten in den Zeitungen und im Fernsehen berichtet wurde. Aber es gab auch viele andere Leute, die damals Reden gehalten haben.“

Wie würden Sie das historische Klima damals beschreiben?

„Der historische Kontext drehte sich um die Frage der Bürgerrechte für alle - und vor allem für Menschen mit afrikanischer Abstammung. In die 60er Jahren ist vor allem im Süden der USA viel Schreckliches gegen die Bürgerrechte passiert. Der Marsch auf Washington hatte die Absicht, auf das Elend der Menschen aufmerksam zu machen, die nicht als vollständige Bürger des Landes anerkannt werden.“

Was hat sich in den vergangenen 50 Jahren gewandelt?

„Nun, es gibt einige Fortschritte. Aber es ist noch ein langer Weg, bis wir an den Punkt gelangen, an dem wir tatsächlich den Traum von Dr. King leben können: Dass Menschen wegen ihres Charakters wahrgenommen werden und nicht nach der Farbe ihrer Haut.“

Glauben Sie, dass Barack Obama eine Veränderung einläutet?

„Die Wahl von Präsident Obama ist ein Meilenstein in der Geschichte dieses Landes. Es ist eine tolle Sache, aber es gibt immer noch eine Menge Leute, die sich widersetzen und die Tatsache nicht anerkennen, dass er der Präsident der Vereinigten Staaten ist. Und dabei geht es nicht um seine politischen Ansichten oder die seiner Partei, sondern es hat mit seiner Hautfarbe zu tun. Allerdings verschleiern Menschen ihre Bigotterie und behaupten stattdessen, Obama sei eigentlich gar kein Bürger der Vereinigten Staaten.“

Ziel der Redner muss es sein, „den Zungenschlag des Zeitgeistes“ zu treffen. Martin Luther King ist das perfekt gelungen, auch US-Präsident Barack Obamas „Yes we can“ hat seinerzeit vielen Amerikanern aus dem Herzen gesprochen. Bazil nennt als Beispiel die „Mehr Demokratie wagen“-Rede des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. „Große Reden werden in Zeiten gesellschaftlicher Umwälzungen gehalten – derzeit also eher in Syrien oder Ägypten anstatt bei uns“, sagt Bazil.

Auch Barack Obama bekommt heute die Chance auf eine große Rede. Er spricht – wie Martin Luther King vor 50 Jahren – am Lincoln Memorial zum amerikanischen Volk. Pathos pur. Doch auch die weltpolitische Lage mit der Krise in Syrien und einem möglichen Militärschlag verlangen nach deutlichen Worten. Die von Bazil beschriebenen äußeren Umstände stimmen also.

„Wichtig ist für jeden Redner, vorher das Ziel der Rede zu definieren. In welchem Zustand sollen die Zuhörer sein, wenn ich fertig bin? Will ich sie einlullen, verdummen, sie mitreißen oder zu Tränen rühren“, sagt Hans-Uwe Köhler, Autor und Mitglied der German Speakers Association, einem Netzwerk deutschsprachiger Trainer und Referenten. Wer mitreißen will, muss Emotionen wecken. „Der Schlüssel ist: Das, was ein Redner sagt, muss voll ins Herz zielen“, sagt Köhler. Er hat daher für so manche Slogans und Botschaften, die den aktuellen Bundestagswahlkampf prägen sollen, kein Verständnis: „Gegenüber einem ‚Yes we can‘ klingt ein ‚Das Wir entscheidet‘ geradezu jämmerlich. Welche Emotionen soll so ein Slogan denn auslösen?“

„Nur wenn die richtigen Emotionen der Menschen berührt werden, entsteht Euphorie – und so werden Menschen zu Fans“, sagt auch Michael Moesslang, Redner und Experte für Körpersprache und Rhetorik. „Das ist in der Musik so, bei Schauspiel und Tanz.“ Und das könne auch mit Reden erreicht werden. „Gerade bei politischen Themen.“

Kommentare (10)

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Kopfschuettler

28.08.2013, 19:53 Uhr

„Viele Redner sind emotionale Krüppel“

DISKRIMINIERUNG!

"Hätte er auf seinen Berater und nicht auf sein Herz gehört – die Welt wäre um eine große Rede ärmer."#

Wie bitte?!

Der Autor dieses Artikels sollte sich schämen und für einige Monate in einem Archiv verschwinden!

Setzen, Sechs!

Account gelöscht!

28.08.2013, 20:01 Uhr

Und Sämtliche heutigen Politiker sind MOralische Krüppel..

Heute macht man sogar bei Angriffskriegen mit...

Dynamyx

28.08.2013, 20:17 Uhr

Die Rede ist berühmt geworden, weil der Redner berühmt geworden ist. Und der Redner ist berühmt geworden, weil er eine gesellschaftliche Bewegung geführt hat, die tief in der amerikanischen Geschichte wurzelte“, sagt Vazrik Bazil.

Dieser Bazil ist ein BAZILLUS der Möchtegern-Redneranalysten!

Was weiß dieser Bazil denn schon? Nichts gar nichts!

Martin Luther King hat mit seinen Reden die Apartheit in den USA zum Fall gebracht!!!

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