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28.11.2011

10:14 Uhr

Vorfall in Pakistan

Neue schwere Vorwürfe gegen die Nato

Nach dem Nato-Beschuss von zwei Militärposten im Grenzgebiet zu Afghanistan geht die pakistanische Armee von einem vorsätzlichen Angriff des Bündnisses aus. China stellt sich demonstrativ an die Seite Pakistans.

Pakistanische Islamisten verbrennen eine US-Flagge, um gegen den Nato-Angriff zu protestieren. AFP

Pakistanische Islamisten verbrennen eine US-Flagge, um gegen den Nato-Angriff zu protestieren.

Islamabad/PekingDie Nato-geführte Afghanistan-Schutztruppe Isaf sei über den Standort eines jeden pakistanischen Armeeposten informiert, sagte Militärsprecher Athar Abbas am Montag dem Sender Geo TV. Bei dem Angriff habe es sich nicht um ein Missverständnis gehandelt. „Zu sagen, das sei keine vorsätzliche Handlung gewesen, heißt, die Tatsachen zu verdrehen.“ Der Militärsprecher erhob weitere schwere Vorwürfe. Nato-Vertreter in Pakistan seien nach Beginn des Beschusses sofort informiert worden, sagte Abbas. Obwohl Pakistan darum gebeten habe, das Feuer umgehend einzustellen, habe der Angriff weitere eineinhalb Stunden angedauert.

China zeigte sich „tief geschockt“ über den Nato-Angriff. Der Sprecher des Pekinger Außenministeriums, Hong Lei, sagte am Montag, die Souveränität und territoriale Integrität Pakistans müsse respektiert werden. China sei sehr besorgt über den Zwischenfall, der „eingehend untersucht“ werden müsse. China pflegt traditionell ein enges Verhältnis zu Pakistan, das im Zuge der Verschlechterung seiner Beziehungen zu den USA eine größere Nähe zu der aufstrebenden asiatischen Macht sucht.

Bei dem Beschuss durch Isaf-Hubschrauber waren am Samstag nach offiziellen pakistanischen Angaben 24 Soldaten getötet worden. Die Nato hat angekündigt, den Vorfall zu untersuchen. Der Angriff hat zu einem neuen Tiefpunkt in den ohnehin angespannten Beziehungen Pakistans zu den USA und zur Nato geführt.

Das pakistanische Militär wies auch die Darstellung der afghanischen Armee zurück, wonach internationale Truppen zuerst von Pakistan aus beschossen worden seien und daher Luftunterstützung angefordert hätten. Er forderte die ausländischen Truppen auf, Opfer des angeblichen Beschusses zu präsentieren.

Militärsprecher Abbas sagte dem Urdu-Dienst der britischen BBC, in den vergangenen drei Jahren habe die Nato mindestens siebenmal pakistanische Posten angegriffen. Dabei seien 72 Soldaten getötet und 250 weitere verletzt worden. Der jüngste Angriff hat in Pakistan eine Welle der Empörung ausgelöst und die Kritik an der Nato und den USA erneut befeuert. Die Vereinigung der Betreiber von Tanklastwagen teilte am Montag mit, sie werde keinen Nato-Nachschub mehr transportieren. Die in Pakistan einflussreichen Anwälte boykottierten Gerichtsverhandlungen und hielten in mehreren Städten Protestveranstaltungen ab.

Nach dem Angriff hatte die pakistanische Regierung bereits die wichtige Nachschubroute der Nato durch das Land gekappt. Sie hatte die USA außerdem aufgefordert, eine Luftwaffenbasis im Südwesten des Landes binnen 15 Tagen zu räumen. Alle Übereinkünfte mit den USA und der Nato würden überprüft.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Ernesto

28.11.2011, 14:08 Uhr

ich schlage vor: boykott aller natopartner. die sind keinen deut besser als die despoten in arabien.

Account gelöscht!

28.11.2011, 14:29 Uhr

Noch ist unklar, wer zuerst geschossen hat. / China "schockiert" über Nato-Luftangriff
Es hat also wer weiß wer auf wer weiß wem geschossen und China ergreift Partei ?
Das könnte ihnen auf die "Füße"fallen . Ohne das überhaupt klar ist von wem eine Schießerei verursacht wurde weiß China schon genau Bescheid .

Eine provozierte Schießerei der Allianz ? Ausgerechnet Freitag Nachmittag ? Klingt nicht sehr schlüssig !

Ahmad

28.11.2011, 16:06 Uhr

Die 'Times of India' meldete am 20. Mai 2011, dass China den USA am 19. Mai 2011 ein Ultimatum gestellt hatte, ihre immer häufiger werdenden Dronen-Angriffe und militärischen Übergriffe auf pakistanisches Territorium umgehend einzustellen. Jeder Angriff auf Pakistan werde künftig wie eine Aggression direkt gegen Peking gewertet. So überraschend kommt die neuerliche Reaktion Chinas also keineswegs. Nur wurde das chinesische Ultimatum im Mai 2011 von den deutschen Qualitätsmedien völlig ausgeblendet. Eine derart scharfe Warnung an die USA sprach zuletzt vor gut einem halben Jahrhundert die Sowjetunion aus.
http://articles.economictimes.indiatimes.com/2011-05-20/news/29565072_1_pakistan-s-ambassador-pakistan-china-pakistan-media

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