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25.06.2014

16:03 Uhr

Vormarsch der Isis

130 US-Militärberater gehen im Irak in den Einsatz

300 sollen es werden, 130 haben schon ihre Arbeit aufgenommen: US-Militärberater unterstützen nun die irakische Armee. Der Ministerpräsident will die Regierung umbilden – doch die Islamisten der Isis rücken weiter vor.

Irakische Sicherheitskräfte westlich von Bagdad: Islamisten rückten von drei Seiten gegen eine irakische Luftwaffenbasis in der Nähe von Jathrib vor. Reuters

Irakische Sicherheitskräfte westlich von Bagdad: Islamisten rückten von drei Seiten gegen eine irakische Luftwaffenbasis in der Nähe von Jathrib vor.

BagdadDie irakische Armee erhält im Kampf gegen radikale Islamisten nun Hilfe von US-Militärberatern. Etwa 130 der zugesagten 300 Experten hätten ihre Arbeit aufgenommen, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums am späten Dienstagabend. Zudem gebe es inzwischen täglich 30 bis 35 bemannte und unbemannte US-Aufklärungsflüge. Die sunnitische Isis-Miliz nahm am Mittwoch eine der größten Luftwaffenbasen im Irak ins Visier. Zudem wurden heftige Kämpfe aus Jathrib 90 Kilometer nördlich von Bagdad gemeldet. Der umstrittene Ministerpräsident Nuri al-Maliki sagte eine schnelle Regierungsbildung zu. Der Westen dringt auf die Einbeziehung aller größeren Bevölkerungsgruppen, um einen Zerfall des Landes in einzelne Regionen zu verhindern.

Dem US-Sprecher zufolge werden in den kommenden Tagen 50 weitere Militärberater im Irak erwartet. US-Präsident Barack Obama hat den Einsatz von Kampftruppen ausgeschlossen und ist bislang auch nicht auf die Bitte der Regierung in Bagdad eingegangen, Luftangriffe auf Isis-Stellungen fliegen zu lassen. Einem US-Geheimdienstvertreter zufolge können die radikalen Sunniten allerdings ohne eine massive Gegenoffensive kaum zurückgedrängt werden. Die Miliz sei durch Allianzen mit Stämmen gestärkt. Die Zahl ihrer Kämpfer im Irak werde auf etwa 3000 bis 5000 Kämpfer geschätzt.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Am Mittwoch schloss sich auch der Al-Kaida-Ableger im benachbarten Syrien, die Nusra Front, der Isis an. Die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von einer entsprechenden Zeremonie in Albu Kamal nahe der Grenze zwischen beiden Staaten. Eigentlich hatte die Al-Kaida mit der Isis gebrochen. Mit dem Treueschwur wird nun die Position der Sunniten-Gruppe auf beiden Seiten der Grenze gestärkt. Die Isis kämpft für die Errichtung eines fundamental-islamischen Gottesstaates über Staatsgrenzen hinweg. In den vergangenen zwei Wochen hat sie im Irak große Gebiete erobert.

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