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21.06.2014

12:54 Uhr

Vormarsch der Islamisten

Isis erobert wichtigen syrisch-irakischen Grenzort

Die Isis-Kämpfer erobern eine strategisch wichtige Grenzstadt. Nun können sie Waffen zwischen Irak und Syrien verschieben. In anderen Landesteilen schießen die verschiedenen Rebellengruppen offenbar aufeinander..

Irakische Schiiten ziehen in der Stadt Karbala in den Kampf gegen die Isis-Sunniten. AFP

Irakische Schiiten ziehen in der Stadt Karbala in den Kampf gegen die Isis-Sunniten.

Bagdad/KirkukDie Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) hat laut einem Medienbericht einen strategisch wichtigen Grenzort übernommen. Wie das Nachrichtenportal „Sumaria News“ am Samstag berichtete, zogen sich die irakischen Sicherheitskräfte nach mehrtägigen Kämpfen aus der Region Al-Kaim in der westlichen Anbar-Provinz zurück. Durch die Eroberung des Grenzpostens kann die Extremistengruppe nunmehr unbehindert Waffen zwischen den Teilen des Irak und Syriens verschieben, die sie kontrolliert.

Auf der syrischen Seite der Grenze – in der ölreichen Provinz Dair as-Saur – kämpft Isis derzeit gegen die ebenfalls radikal-islamische Al-Nusra-Front um die Kontrolle von Gebieten, die zwischen ihren Hochburgen im irakischen Anbar und im syrischen Rakka liegen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Syrische Aktivisten an der irakischen Grenze berichteten derweil, dass der Grenzposten der Ortschaft Al-Kaim selbst von sunnitischen Stämmen – nicht aber von Isis-Kämpfern – kontrolliert werde. Rebellen aus Syrien nutzten den Übergang nun, um in den Irak zu kommen und dort gegen die Armee zu kämpfen.

Die Gefechte dauerten am Samstag im übrigen Irak weiter an. Dabei kamen rund um die Stadt Tikrit Dutzende Menschen ums Leben. Wie die Nachrichtenagentur dpa von Medizinern der 180 Kilometer nördlich von Bagdad entfernten Stadt erfuhr, wurden mindestens 84 Personen getötet – viele von ihnen seien Angehörige von Armee und Polizei.

Der Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete indes von landesweiten Kundgebungen von Kämpfern, die dem radikalen Schiitenprediger Muktada al-Sadr folgten. Neben Ministerpräsident Nuri Al-Maliki machen auch schiitische Geistliche gegen die Terrormiliz im Irak mobil. Beobachter befürchten, dass der Machtkampf zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen im Land dadurch noch weiter verschärft wird.

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