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30.01.2015

14:35 Uhr

Vormarsch der Terrormiliz

IS greift irakische Ölstadt an

Bei einem Überraschungsangriff im dichten Nebel wollen IS-Kämpfer die Ölstadt Kirkuk einnehmen. Sie stoßen auf massive Gegenwehr kurdischer Soldaten und Hunderter Bürger. Doch die Kämpfe dauern an.

Kurdische Sicherheitskräfte inspizieren nach dem IS-Angriff Kirkuk: Kirkuk mit etwa einer Million überwiegend kurdischen Einwohnern ist ein Zentrum der irakischen Erdöl-Industrie. Reuters

Members of the Kurdish security forces inspect the site of bomb attack in Kirkuk

Kurdische Sicherheitskräfte inspizieren nach dem IS-Angriff Kirkuk: Kirkuk mit etwa einer Million überwiegend kurdischen Einwohnern ist ein Zentrum der irakischen Erdöl-Industrie.

KirkukMit Autobomben und Selbstmordattentätern hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen Großangriff auf die Ölstadt Kirkuk im Nordirak gestartet. Nach Angaben aus kurdischen Peschmergakreisen am Freitag wurden dabei ein Brigadegeneral der kurdischen Peschmerga sowie fünf weitere Soldaten getötet. Mindestens 40 kurdische Kämpfer seien verletzt worden. Ein Korrespondent des Nachrichtenportals „Rudaw“ berichtete ebenfalls von der Attacke im Morgengrauen, bei dem auch mindestens drei IS-Milizionäre getötet worden seien.

Kirkuk mit etwa einer Million überwiegend kurdischen Einwohnern ist ein Zentrum der irakischen Erdöl-Industrie. Seit sich die irakische Armee im vergangenen Jahr angesichts der Angriffe des IS zurückgezogen hat, verteidigen kurdische Peschmerga-Einheiten die Stadt.

Die Dschihadisten hatten die Attacken laut kurdischen Medien bei dichtem Nebel an drei Fronten vor allem im Süden Kirkuks gestartet mit dem Ziel, die Stadt zu erobern. Im Zentrum sei zugleich eine Autobombe vor einem Hotel detoniert. Kurz darauf hätten IS-Kämpfer dort das Feuer auf Zivilisten eröffnet.

Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur „Basnews“ sagte, dass Hunderte kurdische Bewohner Kirkuks sich nach Beginn der Angriffe bewaffnet hätten und den Peschmergasoldaten an den Fronten zu Hilfe geeilt seien. Zugleich sei eine Ausgangssperre verhängt worden. Die Kämpfe dauerten am Freitagmittag an, die Lage sei aber „unter Kontrolle“, hieß es vonseiten der Peschmerga. Inzwischen hätten kurdische Soldaten mit Hilfe neuer Luftschläge der US-geführten internationalen Koalition die sunnitischen Extremisten zurückgedrängt.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

In der irakischen Hauptstadt Bagdad starben bei einem Doppelanschlag laut Medienberichten mindestens 44 Menschen. Die Sprengsätze seien auf einem zentralen Markt, auf dem auch gebrauchte Militäruniformen verkauft werden, explodiert berichtete das Nachrichtenportal „Sumaria News“. Mindestens 70 Menschen wurden verletzt. Unter den Opfern seien auch Sicherheitskräfte. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

Im Irak sowie in Syrien hat die Terrormiliz Islamischer Staat große Landstriche unter ihrer Kontrolle. Die im syrischen Bürgerkrieg erstarkten Extremisten hatten sich im vergangenen den jahrelangen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak zunutze gemacht, die Millionenstadt Mossul erobert und waren weiter in Richtung Bagdad vormarschiert. Ein militärischer Sieg gegen den IS ist nicht in Sicht.

Von

dpa

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