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17.06.2014

00:06 Uhr

Vormarsch von Islamisten

Irak verstärkt Schutz für Ölfelder

Nach dem Vormarsch islamistischer Kämpfer im Irak erhöht dessen Regierung die Sicherheitsvorkehrungen an Ölanlagen und meldet, Ausländer würden nicht von dort ausgeflogen. Für Siemens-Techniker gilt das offenbar nicht.

Arbeiter auf einem Ölfeld im Irak (Archivfoto von 2009): Die Regierung des Landes hat die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. dpa

Arbeiter auf einem Ölfeld im Irak (Archivfoto von 2009): Die Regierung des Landes hat die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

BagdadNach dem jüngsten Vormarsch islamistischer Kämpfer im Irak hat das Land die Sicherheitsvorkehrungen rund um seine zahlreichen Ölanlagen massiv erhöht. Mehr als 100.000 Polizisten würden zum Schutz von Ölfeldern, Förderanlagen und Energieunternehmen eingesetzt und seien in höchster Alarmbereitschaft, sagte der Chef der zuständigen Polizeiabteilung, Mussa Abdul-Hassan, am Montag.

Mit zusätzlichen Personal seien die Kontrollpunkte nahezu verdoppelt worden. Die Sicherheitskräfte seien zudem mit schwereren Waffen ausgerüstet worden. Der rasante Vormarsch islamistischer Kämpfer im Norden des Landes hat auch die Ölmärkte alarmiert, weil eine Unterbrechung der Ölförderung aus dem Irak die Preise in die Höhe treiben könnte.

Eine zentrale Rolle für die irakischen Ölexporte spielt Basra. Polizeivertreter Abdul-Hassan betonte, das Ölgeschäft rund um die Hafenstadt laufe reibungslos. Gerüchte, ausländische Arbeiter würden in Sicherheit gebracht, seien falsch.

Die meisten von ausländischen Firmen betriebenen Ölanlagen liegen wie Basra im Süden des Landes. In diesem überwiegend von Schiiten bewohnten Teil des Irak war es in den vergangenen zwei Jahren weitgehend ruhig geblieben. Die jüngste Krise gründet auf dem seit Jahren schwelenden Machtkampf zwischen Schiiten und Sunniten.

Spiegel: 50 Siemens-Techniker gerettet

Dennoch gibt es mindestens eine Ausnahme: Nach Tagen der Unsicherheit ist eine Gruppe von 50 ausländischen Mitarbeitern der Firma Siemens aus dem von Kämpfern der Rebellengruppe Isis kontrollierten Gebiet im Irak gerettet worden.

Nach Informationen von "Spiegel Online" flogen Helikopter des irakischen Militärs und ein von Siemens gecharterter Jet die Ausländer von Sonntagmittag an aus der Gefahrenzone rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad. Unter den 50 Technikern, die an dem Kraftwerk Modernisierungsarbeiten durchführten, sind acht Deutsche und eine Handvoll EU-Bürger.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Das Auswärtige Amt (AA) bestätigte "Spiegel Online" am späten Montagabend, dass nunmehr alle Deutschen sicher in Bagdad und dem nordirakischen Erbil angekommen seien. Seit Ende der vergangenen Woche hatte der Krisenstab im AA intensiv an einer Lösung der heiklen Lage gearbeitet.

In Berlin herrschte wegen des Falls große Sorge. Die Lage der Siemens-Mitarbeiter sei zwar nicht brandgefährlich gewesen, da die Rebellen das Gelände, auf dem sich die Ausländer verstecken, nicht angriffen. Gleichwohl befürchtete man, dass die Isis-Rebellen die Siemens-Mitarbeiter als Geiseln nehmen könnten.

Von

rtr

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