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19.06.2011

19:59 Uhr

Vorrangiger Status

Eurozone lockt Athens Gläubiger mit Anreizen

VonRuth Berschens

ExklusivAuch private Gläubiger sollen sich an der Rettung Griechenlands "substanziell" beteiligen - allerdings freiwillig, betont Finanzminister Schäuble. Wer kooperiert, soll belohnt werden..

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LuxemburgDie Eurozone will private Anleger für einen freiwilligen Beitrag zum neuen Hilfspaket für Griechenland belohnen. Wer auslaufende griechische Staatsanleihen in neue Papiere mit längerer Laufzeit eintausche, könne eventuell einen vorrangigen Gläubigerstatus erhalten, erfuhr das Handelsblatt aus deutschen Regierungskreisen.

Dies sei eines von mehreren derzeit diskutierten Anreiz-Modellen. Es werde einen „quantifizierten“ Anteil privater Investoren am neuen Hilfspaket geben, hieß es in Regierungskreisen. Er könnte 30 Milliarden Euro betragen, doch die Summe stehe noch nicht endgültig fest, sagten EU-Diplomaten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beharrte vor Beginn des Treffens der Euro-Finanzminister in Luxemburg auf einen Beitrag der privaten Gläubiger: „Das muss in einer Art und Weise geschehen, dass klargestellt ist, dass das Risiko nicht einseitig und allein von der Gemeinschaft der Steuerzahler getragen wird. Darum geht's.“ In einem weiteren Interview nahm Schäuble einen weiteren Anlauf, diesen Spagat zu erklären: „Es wird freiwillig sein müssen, aber es muss natürlich schon so verbindlich sein, dass es auch belastbar ist in den Zahlen.“ Ziel der Ausgestaltung der Griechenland-Hilfen müsse auch sein, zu verhindern, dass sich die privaten Gläubiger nicht aus ihrem Engagement zurückzögen. Durch die Maßnahmen dürften nicht die Finanzmärkte „völlig durcheinander gebracht werden“.

SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisiert die angestrebte freiwillige Beteiligung von Banken und Versicherungen an einer Lösung der Griechenland-Krise. Wie in jeder
Insolvenz müssten erst einmal die Gläubiger „eigene Beiträge bringen“, sagte Gabriel am Sonntag in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. Was jetzt angestrebt werde, sei nichts anderes als eine Verlängerung der Kredite mit niedrigeren Zinsen.
Immer neue Darlehen dienten nur dazu, alte Darlehen zu finanzieren, sagte der SPD-Vorsitzende. „Das Geld, das wir dabei nach Griechenland schieben, kommt dort gar nicht an.“ Mit der weiteren Finanzierung der Zinsen werde das Problem nicht gelöst. Notwendig sei ein echter Schuldenschnitt. „Je länger wir mit der Gläubigerbeteiligung warten, desto mehr werden die Steuerzahler bluten müssen.“

Drei Szenarien für eine Griechenland-Lösung

Neue Kredite mit freiwilliger Gläubigerbeteiligung

Wahrscheinlich: Aller Voraussicht nach wird Athen weitere Milliardenkredite erhalten verbunden mit neuen Sparauflagen. Warum? Bedingt durch ihre Konstruktion muss die EU eine einstimmige Lösung für das Griechenland-Problem finden. Und der Kompromiss heißt: neue Kredite mit neuen Auflagen und einer Beteiligung privater Investoren auf freiwilliger Basis. Das allerdings bedeutet: Der Steuerzahler wird letztlich die Hauptlast der Rettung tragen. Denn die Ökonomen sind sich einig: Eine freiwillige Umschuldung in Form einer Laufzeitverlängerung bringt Griechenland kaum Entlastung. Erstens, weil Investoren nicht freiwillig Verluste in Kauf nehmen. Zweitens verringert sich selbst bei einer Akzeptanz eines Umschuldungsangebots am Markt nicht einmal die Schuldenlast Griechenlands. Ein „bisschen Umschuldung“ funktioniert eben nicht.

Zahlungsausfall verbunden mit einem Hair-Cut

Unwahrscheinlich: Eine Alternative zu neuen Krediten wäre der Schuldenschnitt. Das Land würde seine Zahlungsunfähigkeit erklären und alle Zahlungen für ausstehende Anleihen verweigern. Gleichzeitig würde die Regierung den Investoren anbieten, die Anleihen gegen identische Papiere mit halbem Nennwert einzutauschen, die dann wieder bedient werden würden. Das Motto dieser Lösung: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Auf einen Schlag würde der Staat die Hälfte seiner finanziellen Belastung los. Allerdings handelt es sich um einen „Default“, um offen erklärte Zahlungsunfähigkeit mit all ihren negativen Folgen für die Banken, die übrigen hochverschuldeten Euro-Staaten wie auch für die Griechen selbst. Außerdem wäre damit ein Präzedenzfall geschaffen, dass Staatsanleihen aus dem Euro-Raum nicht mehr als zweifelsfrei sichere Anlagen angesehen werden könnten. Das bedeutet, dass alle Länder mit zweifelhafter Bonität des Staates, derzeit vor allem Irland, Portugal und Spanien, Probleme hätten, sich über den Kapitalmarkt zu refinanzieren, weil die Investoren nicht nochmals Verluste einfahren wollen.

Das Chaos - die planlose Pleite

Sehr unwahrscheinlich: Was passiert, wenn gar keine Einigung zustande kommt? Wenn zum Beispiel in Griechenland die notwendigen Sparpakete nicht verabschiedet werden und die europäischen Regierungen anschließend weitere Hilfen verweigern? Dann geht der griechischen Regierung das Geld aus. Sie wird ihre Beschäftigten und ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Und die Zinsen für Kredite und Anleihen wahrscheinlich auch nicht mehr, jedenfalls nicht vollständig. Man hätte eine ungeregelte Staatspleite – ohne Hilfe von außen und ohne Vorbereitung im Inneren. Die Folge wäre nicht nur ein Chaos an den Märkten, sondern auch innerhalb des Landes. Schließlich sind viele Griechen auf staatliche Zahlungen angewiesen.

Griechenlands Finanzminister Venizelos sagte vor dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel, dass Griechenland weiter an seinen Sparbemühungen festhalte. „Es ist für mich eine großartige Gelegenheit zu bekräftigen, dass die griechische Regierung und die Bürger das Sparprogramm unterstützen“, ergänzte er. Er werde die anderen Länder darum bitten, einige Veränderungen am Sparplan abzusegnen, um die „soziale Gerechtigkeit“ zu wahren. Details nannte er nicht. Das neue Sparprogramm sieht Kürzungen der Gehälter und indirekte Steuern in Milliardenhöhe vor. Rund 50 Milliarden Euro sollen durch Privatisierungen und den Verkauf von Staatsimmobilien aufgebracht werden.

Kommentare (20)

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Steuerzahler

19.06.2011, 17:44 Uhr

Ich will meine Steuern auch nur noch freiwillig zahlen. Dazu gibt es bereits einen sehr guten Artikel:

http://www.goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2011/06/18/und-wo-bleibt-die-freiwilligkeit-der-ste#more364

Der "freiwillige" Verzicht wird auch nicht helfen. 30 Mrd sind bei Griechenlands Verschuldung doch nur ein Klacks. Die Schulden dort steigen trotz Rettungspaketen deutscher Steuerzahler.

Außerdem geht es im Interbanken-Markt auch gerade rund:

http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/8584442/UK-banks-abandon-eurozone-over-Greek-default-fears.html

Ist das nicht schon die Ansteckung der PIIGS?

Wolle

19.06.2011, 17:50 Uhr

Die Märkte wollen ein Aufbrechen des Euros und
der Euro wird auseinanderbrechen.

Versprochen!!! :-))

Noch nie wurden Schuldenprobleme durch noch mehr Schulden gelöst und der nächste Pleitekandidat, Italien, steht schon auf der Matte.

Schauen Sie genau hin!

In Italien erleben wir einen Bank-Run in Zeitlupe oder Schneckentempo. Die Einlagen der Kunden bei den Banken sinken kontinuierlich.

Die Banken in Italien werden mit immer kurzfristigeren Mitteln refinanziert und bald wird in Italien der größte Käufer der Staatsanleihen ausfallen.

+++Und die Bombe in Italien wird noch in diesem Jahr platzen. +++

Adieu Euro! :-))

Gruß

Account gelöscht!

19.06.2011, 18:03 Uhr

Griechenland wurde zum Umschlagplatz für faule Kredite gemacht. Einem Volk von Fischern, malerischen Pensionsbesitzern am Meer und Gyros-Buden wurden nach Vorlage von unkontrollierten Bilanzvorlagen hunderte Milliarden EURO über Jahrzente hinterhergeschmissen.

Das Volk ist aber das selbe geblieben - Brüssel ordnet mit ihrer Reissbrett-Politik auf zentralistische Weise Änderungen an, die garnicht von den Menschen vor Ort angenommen werden geschweige denn umgesetzt werden. Arrogante Reissbrett-Politik eben wobei Geld keine Rolle spielt.

Der einfache Grieche hatte wahrscheinlich wirklich garnichts davon gehabt bisher und steht nun als Volk von Verschwendern und Betrügern da. Die Politiker und Beamten haben sich die Taschen voll gemacht.

Das kommt davon, wenn Brüssel mit Milliarden um sich wirft und Korruption, Steuer- und Sozialbetrug fördert, wie ein Fisch, der erstmal einen fetten Köder hingehalten bekommt. Aber man darf den brüssler Angelhaken nicht vergessen, der jetzt zum fatal Tragen gekommen ist, an dem das ganze griechische Volk jetzt zappelt. Trichet/Barosso/Juncker einfach entlassen, weg mit denen, das sind einfach arrogante Volltrottel !!!

Wofür um Gottes willen braucht diese kleine Griechenland 350 Milliarden EURO, die jetzt ihre Schulden sind ?? Wofür wird so eine horrende Summe verbraten ?????

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