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21.01.2012

12:38 Uhr

Vorwahl in South Carolina

Die Wachhunde Gottes

VonNils Rüdel

Heute stellen sich die Präsidentschaftskandidaten der Republikaner in South Carolina zur Wahl. Dort müssen sie vor allem eines: bei der religiösen Rechten punkten. Für einen der Anwärter ist das besonders brisant.

Kirchen-Lobbyist Oran Smith: „Alle Wahrheit ist Gottes Wahrheit.“

Kirchen-Lobbyist Oran Smith: „Alle Wahrheit ist Gottes Wahrheit.“

ColumbiaBräuchte der Liebe Gott einen Wachhund, er fände ihn in einem alten Backsteingebäude im Herzen von South Carolinas Hauptstadt Columbia. Hier, in der zweiten Etage, wo die Dielen knarzen, die Decken hoch und die Schreibtische schwer sind, hat Oran Smith sein Büro. Von hier aus passt der 48-Jährige genau auf, dass das Wort des Allmächtigen nirgendwo im Land überhört, missverstanden oder ignoriert wird. „Alle Wahrheit ist Gottes Wahrheit“, sagt Smith und lächelt.

Smith, ein höflicher Mann mit zur Seite gescheitelten Haaren, weißem Hemd und orangefarbener Krawatte, ist Präsident der Palmetto Family, einem der einflussreichsten Lobby-Vereine der christlichen Rechten in South Carolina. Ihre Aufgabe ist es, Politiker zu beraten oder ihnen bei schwierigen Entscheidungen mit Forschung zur Hand zu gehen. Zumindest offiziell.

Die Bilanz, die Smith aufzählt, zeugt von weitaus größerer Macht: So habe die Stadt Columbia einst die Erotik-Läden vergrault, mit Hilfe eines von der Palmetto Family vermittelten Anwalts. Die Organisation habe verhindert, dass christliche Bücher aus öffentlichen Schulen verbannt werden. Sie habe erreicht, dass Abtreibungsgesetze verschärft wurden und dass seit 2006 in der Verfassung steht: Eine Ehe findet zwischen Mann und Frau statt. „Das ist das Beste für die Gesellschaft“, sagt Smith.

Zurzeit ist der promovierte Politologe besonders gefragt. Am heutigen Samstag steht in South Carolina die dritte Vorwahl der Republikaner für das Rennen um die Präsidentschaft an, und die vier verbliebenen Kandidaten haben vor allem ein Ziel: Leuten wie Oran Smith zu gefallen. Fast zwei Drittel der Parteimitglieder, die heute in dem konservativen Südstaat wählen gehen, werden zu den Evangelikalen gezählt.

„Um eine Chance zu haben, müssen die Bewerber auf drei Gebieten überzeugen“, sagt Smith, der alle Kandidaten persönlich getroffen hat: „Christliche Werte, Nationale Verteidigung und Wirtschaftspolitik“. Die DNA der republikanischen Partei.

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