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06.03.2016

13:14 Uhr

Vorwahlen in den USA

Warten auf den Anti-Trump-Umschwung

Ist Donald Trump noch aufzuhalten? Namhafte Mitglieder der Republikaner stellen sich gegen den Populisten – der gewinnt trotzdem zwei weitere Vorwahlen. Ein Konkurrent rückt dem US-Präsidentschaftskandidaten aber näher.

Immer für eine Pose zu haben: Der Milliardär verlässt hier eine Bühne. Im Vorwahlkampf der Republikaner liegt er weiter vorn. AP

Donald Trump

Immer für eine Pose zu haben: Der Milliardär verlässt hier eine Bühne. Im Vorwahlkampf der Republikaner liegt er weiter vorn.

Im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner muss Spitzenreiter Donald Trump Federn lassen: Sein ärgster Rivale Ted Cruz zog bei den Abstimmungen in Kansas und Maine am Samstag klar am umstrittenen Milliardär vorbei. Trump setzte sich dagegen in Louisiana und in Kentucky durch und fuhr damit seine Vorwahlsiege elf und zwölf ein. Bei den Demokraten konnte Bernie Sanders punkten: Der Senator siegte in Nebraska und Kansas. Favoritin Hillary Clinton eroberte Louisiana. Sie hat nun elf Siege errungen.

Bei den Republikanern verlief der Abend vor allem erneut für Marco Rubio enttäuschend, der in keinem Staat gewinnen konnte. Cruz sah sein starkes Abschneiden als Beweis, dass sich Konservative in den USA hinter seine Kandidatur stellten. Dies sei „ein Zeugnis für einen echten Umschwung in der Dynamik“, erklärte er bei einer Kundgebung im Staat Idaho, wo am kommenden Dienstag abgestimmt wird.

Trump beschwor bereits ein Duell zwischen sich und Cruz. „Ich würde es gerne mit Ted aufnehmen, einer gegen einen“, sagte der Geschäftsmann in seinem luxuriösen Golfclub in West Palm Beach in Florida vor Reportern. Es sei daher „wahrscheinlich an der Zeit“, dass sich Rubio aus dem Rennen der Republikaner verabschiede. Dieser hat bislang nur einen Vorwahlsieg auf dem Konto, will aber weiterkämpfen. Den bisher glücklosen Senator von Florida sah das Establishment der Republikaner eigentlich zuletzt als mögliche moderate Alternative zu Trump, dem viele Parteigranden die Eignung fürs höchste Staatsamt der USA absprechen.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Den Höhenflug des umstrittenen Seiteneinsteigers Trump beäugen führende Politiker der Republikaner mit großem Argwohn und suchen nach Wegen, ihn von der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten fernzuhalten. Im Gespräch ist etwa aktuell eine Kampfabstimmung auf dem Parteikonvent im Sommer, wenn keiner der Kandidaten im Vorfeld genügend Delegierte erobern kann. Hintergrund ist die Sorge von Parteigranden wie Mitt Romney und John McCain, dass Trump die Republikaner als offizieller Bewerber ums Weiße Haus in eine krachende Niederlage bei der Hauptwahl im November führen würde.

Derzeit hat Trump mindestens 375 Delegierte hinter sich, Cruz 291, Rubio 123 und Ohios Gouverneur John Kasich 33. Für die Nominierung sind bei den Republikanern 1237 Wahlmänner und Wahlfrauen nötig.

Trump zeigte sich unbeeindruckt. „Jeder versucht herauszufinden, wie er Trump stoppen kann“, sagte der Geschäftsmann auf einer Kundgebung. Anhänger forderte er dort auf, die Hand zum Schwur zu erheben, dass sie ihn wählen würden.

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„It's the economy, stupid“: Bill Clintons Wahlkampfstratege Carville prägte diesen Satz. Bewahrheitet er sich wieder, gewännen die Demokraten die US-Wahl. Allerdings nehmen es die Kandidaten mit der Wahrheit nicht so genau.

Bei den Demokraten konnte Außenseiter Bernie Sanders Achtungserfolge verbuchen. Der Senator aus Vermont setzte sich in Kansas und Nebraska durch. Dagegen gewann die frühere Außenministerin Hillary Clinton den wichtigen Staat Louisiana. Sie hat nach ihrem jüngsten Erfolg 1117 Delegierte auf ihrer Seite, Sanders 477. Erforderlich sind 2383, um nominiert zu werden. Als entscheidend gelten die Abstimmungen in Florida und Ohio am 15. März.

Die Vorwahlen beider Parteien ziehen sich bis in den Frühsommer hin, die Kandidaten werden offiziell auf Parteitagen im Juli gekürt. Die USA wählen dann am 8. November ein neues Staatsoberhaupt. Der demokratische Präsident Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.

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