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12.02.2013

20:27 Uhr

Vorwarnung

Nordkorea informierte USA vor Atomtest

Die US-Regierung hat vor dem Atomtest eine Vorwarnung erhalten. Der Zeitpunkt blieb aber unbekannt. Präsident Obama und Südkoreas Staatschef Lee Myung Bak haben derweil über das weitere Vorgehen beraten.

Nordkoreas Atomtest sorgte für internationale Empörung. dpa

Nordkoreas Atomtest sorgte für internationale Empörung.

WashingtonDie Regierung in Pjöngjang habe das US-Außenministerium über ihre Absicht informiert, einen solchen Versuch zu starten, sie habe aber keinen genauen Zeitpunkt genannt, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums am Dienstag in Washington. Die Information sei über die "üblichen Kanäle" nach Washington gelangt, sagte die Sprecherin, nannte aber keine Details.

Auch wann die US-Regierung von Nordkorea unterrichtet wurde, ließ sie offen. Die beiden Staaten unterhalten keine diplomatischen Beziehungen, tauschen aber über ein Büro in New York Botschaften per Telefon und Fax aus.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Nordkorea hatte in der Nacht zu Dienstag ungeachtet internationaler Warnungen seinen bislang größten Atomtest unternommen und damit weltweit Sorge um den Frieden in der Region ausgelöst. US-Präsident Barack Obama verurteilte den Atomtest als "in höchstem Maße provozierend". Obama habe in einem Gespräch mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak versichert, dass die USA sich der Verteidigung ihres Verbündeten Südkorea verpflichtet sähen, teilte das Präsidialamt mit.

Beide Staatschefs hätten eine enge Zusammenarbeit - unter anderem im Rahmen der Vereinten Nationen - vereinbart, um eine Reihe von Maßnahmen zum Stopp des nordkoreanischen Atom- und ballistischen Raketenprogrammes zu erreichen. Die USA kündigten zudem einen Vorstoß für schärfere Sanktionen an.

Atomversuch: Nordkorea bringt (fast) alle gegen sich auf

Atomversuch

Ruf nach harten Konsequenzen

Der jüngste nordkoreanische Atomtest hat international Kritik ausgelöst.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den Test in einer Dringlichkeitssitzung. Auch Nordkoreas einziger enger Verbündeter China schloss sich der Kritik an und forderte die Führung in Pjöngjang zu einer umgehenden Einstellung ihres Atomprogramms auf.

Noch ohne funktionierendes Trägersystem

Ist Nordkorea jetzt offiziell eine Atommacht?

Noch nicht. Zwar bezeichnet sich das Land seit vergangenem Jahr in seiner Verfassung selbst als Atommacht. Außerdem nahm Nordkorea bereits 2006 und 2009 Atomwaffentests vor. Das kommunistisch regierte Land ist also im Besitz von Nuklearwaffen, allerdings ist bislang nicht bewiesen, dass es auch über ein funktionierendes Trägerssystem - etwa Interkontinentalraketen oder U-Boote - dafür verfügt. Nordkorea war zudem bislang nicht in der Lage, einen Sprengkopf herzustellen, der atomar bestückt und auf einer Rakete platziert werden kann.

Wie ist der Raketenstart von Dezember zu bewerten?

Mitte Dezember schoss Nordkorea eine Langstreckenrakete ab - nach offiziellen Angaben, um einen Beobachtungssatelliten zur Forschung ins All zu befördern. Der Westen vermutete dahinter aber einen unzulässigen Raketentest für das Atomprogramm, der UN-Sicherheitsrat verhängte daher Sanktionen. Der Test gilt als Fortschritt und zeigte, dass Nordkorea ein Objekt ins All befördern kann. Jedoch kann es nicht zur Erde zurückgebracht werden. Experten zufolge ist Nordkorea von einer funktionierenden Interkontinentalrakete noch Jahre entfernt.

Welchem Ziel dient der dritte Atomtest?

Nordkorea hatte einen Test "auf hohem Niveau" angekündigt, was Experten vermuten ließ, dass es sich im Gegensatz zu den früheren Atomtests, bei denen Plutonium verwendet wurde, diesmal um einen Test mit hoch angereichertem Uran handeln könnte. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea seit Jahren heimlich waffenfähiges Uran anreichert. Entscheidend wird sein, wie weitreichend und technisch fortgeschritten der Test war. Sollte sich herausstellen, dass Nordkorea waffenfähiges Uran herstellen kann, dürften die Alarmglocken schrillen.

Wo wurde der Test vorgenommen?

Die Tests 2006 und 2009 fanden auf dem im Nordosten gelegenen Teststützpunkt Punggye Ri statt. Dort wurde auch das "künstliche Erdbeben" vom Dienstag registriert. Das abgelegene bergige Gelände liegt rund hundert Kilometer von der Grenze zu China entfernt und verfügt über drei Testtunnel - von denen zwei 2006 und 2009 verwendet wurden. Die Anlage wurde von Spionage-Satelliten eingehend beobachtet und dokumentiert, insbesondere in den vergangenen Wochen.

Welche Folgen wird der neuerliche Test haben?

Ein Atomtest Nordkoreas gibt immer Anlass zur Sorge. Der Test wird genau ausgewertet werden, allerdings dürfte ein gut ausgeführter unterirdischer Test nur wenig Hinweise liefern, um die Angaben Nordkoreas zu bestätigen oder zu widerlegen. Angesichts eines fehlenden Trägersystems dürfte der Test das militärische Gleichgewicht in der Region kurzfristig nicht gefährden. Allerdings sagen Beobachter, dass es schwieriger wird, Nordkorea von seinem Atomprogramm abzubringen, je weiter dieses voranschreitet. Mit dem jüngsten Test schwinden zugleich die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Atomgespräche.

Welche Reaktion ist von der UNO zu erwarten?

Bereits kurz nach den ersten Berichten über die Explosion vom Dienstag erklärten Diplomaten, dass der UN-Sicherheitsrat zusammenkommen werde. In der UN-Resolution zur Verurteilung des Raketentests vom Dezember war bereits von "entschiedenen Maßnahmen" die Rede, sollte Nordkorea tatsächlich einen neuen Atomtest vornehmen. China drohte Nordkorea mit einer Reduzierung der Wirtschaftshilfen, allerdings weiß auch Peking, dass seine Druckmittel beschränkt sind. Zu befürchten ist eine Destabilisierung der Region mit unvorhersehbaren Folgen.

Kommentare (1)

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r-tiroch@t-online.de

13.02.2013, 10:49 Uhr

wenn es China nicht gelingt NK zur Vernunft zu bringen, werden wohl die beratungen über ein weiteres Vorgehen gegen NK unglaublich konkret werden. ich ahne fürchterliches.

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