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27.02.2004

15:09 Uhr

Vorwürfe gegen Ex-Entwicklungsministerin

Blair erhält Unterstützung in der Abhör-Affäre

Auch von Gegnern des Irak-Krieges hat der britische Premierminister Toy Blair in der UN-Abhör-Affäre Rückendeckung erhalten. Der ehemaligen Entwicklungsministerin Clare Short warfen sie einen persönlichen Rachefeldzug gegen Blair vor. Short hatte am Donnerstag gesagt, der britische Geheimdienst habe vor dem Irak-Krieg UN-Generalsekretär Kofi Annan abgehört.

HB LONDON. Der ehemalige britische Außenminister Robin Cook, einer der schärfsten Kritiker von Blairs Irak-Politik, verurteilte Short: „Das ist Teil von Clares politischer Kampagne zur Unterminierung des Premierministers, und es schadet sowohl der Regierung als auch der Partei, der sie all ihre in der Regierung genossenen Privilegien verdankt“, kritisierte er. Den Vorwurf des Abhörens bezweifelte er: „Ich wäre überrascht, wenn es wahr wäre.“

Auch der von Blair geschasste Minister Jack Cunningham nahm den Premierminister in Schutz. Wer ein Regierungsamt übernehme, gehe Verpflichtungen ein, sagte er. Shorts ehemaliger Stellvertreter George Foulkes fragte: „Wenn ihre Vorwürfe wahr sind, hat sie sich dann gegen das angebliche Abhören gewandt, als sie noch im Kabinett war? Wenn nicht, warum nicht?“

Doch Short verteidigte ihr Verhalten und warf Blair eine „aufgeblasene Ablenkungstaktik“ vor. Seine Anschuldigung, sie habe mit ihren Äußerungen die Sicherheit Großbritanniens und die Arbeit der Agenten gefährdet, sei absurd: „Es gibt hierbei kein nationales Interesse. Wenn ich dies öffentlich mache, stellt das keinerlei Bedrohung für die Geheimdienste dar“, sagte sie.

Der ehemalige britische UN-Botschafter Sir Crispin Tickell sagte zum Abhören von Diplomaten und Politikern: „Mein Gewissen ist ziemlich rein, und ich würde das nicht unbedingt für eine schlechte Sache halten, vorausgesetzt es geschieht im nationalen Interesse.“ Die anderen würden umgekehrt wahrscheinlich auch Großbritannien abhören.

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