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22.05.2017

17:18 Uhr

Vorwürfe gegen Iran

Ruhani: „Die Amerikaner kennen unsere Region nicht“

Die USA und Saudi-Arabien werfen dem Iran vor, den Terrorismus in der Region zu fördern. Der wiedergewählte iranische Präsident wehrt sich, will aber gleichzeitig den Attacken nicht zu viel Wert beimessen.

Die Islamische Republik sei sich noch nicht sicher, was die Trump-Regierung mit seiner Kritik überhaupt bezwecke, sagt der iranische Präsident. dpa

Hassan Ruhani

Die Islamische Republik sei sich noch nicht sicher, was die Trump-Regierung mit seiner Kritik überhaupt bezwecke, sagt der iranische Präsident.

TeheranDer Iran hat mit Kritik auf die jüngsten Angriffe von US-Präsident Donald Trump reagiert. „Die Amerikaner kennen unsere Region nicht, das ist das Problem“, sagte der gerade wiedergewählte Präsident Hassan Ruhani am Montag bei einer Pressekonferenz. In einem offenkundigen Verweis auf Saudi-Arabien und andere sunnitische Golfstaaten fügte er hinzu, die US-Regierung höre nur die Ratschläge jener, die Amerika auf die falsche Bahn führten oder sich in Washington mit Geld beliebt machten.

Trump hatte bei einem Gipfel in Riad am Sonntag den Iran als Förderer des Terrors in der Region verurteilt und dabei auch Unterstützung von Irans Erzfeind Saudi-Arabien erhalten. Mit einem Gegenangriff hielt sich Ruhani zurück. Die Islamische Republik sei sich noch nicht sicher, was die Trump-Regierung überhaupt bezwecke, sagte er. Die Beziehung zu Washington sei wie eine „kurvenreiche Straße“. „Wir warten darauf, dass diese Regierung sich zivilisiert verhält“, sagte Ruhani. „Hoffentlich werden sich die Dinge beruhigen ... damit wir eine genauere Einschätzung (zur Ausrichtung der US-Politik) abgeben können.“

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Ruhani kritisierte auch das Gipfeltreffen zwischen Trump und mehr als 50 Staats-und Regierungschefs aus muslimischen Ländern. Es sei eine Schauveranstaltung ohne politischen oder praktischen Wert. Mit Blick auf neue Rüstungsvereinbarungen zwischen Saudi-Arabien und den USA sagte Ruhani: „Das Thema des Terrorismus kann nicht dadurch gelöst werden, dass Supermächten Geld gegeben wird.“

Der iranische Präsident führte seinen Wahlsieg am Freitag als Beweis dafür an, dass sein Land viel demokratischer sei als der US-Verbündete Saudi-Arabien. Im Iran hätten eben erst mehr als 40 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben, während das Königreich am Golf noch nie eine Wahlurne gesehen habe.

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Ruhani verteidigte zudem das iranische Raketenprogramm, das Trump scharf kritisiert hatte. Sein Land werde sich bei seinen Raketentests nicht nach dem Willen der USA richten. „Wir werden nicht auf sie und ihre Erlaubnis warten“, sagt er. „Unsere Raketen dienen dem Frieden, nicht Angriffen.“ Der Traum Amerikas, das Programm zu beenden, werde nie verwirklicht. Das Treffen arabischer Staaten im Beisein von Trump am Wochenende in Riad sei nur von zeremonieller Bedeutung, politisch aber wertlos.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel erklärte in Berlin, der Iran spiele bei vielen Konflikten in der Region – im Jemen, im Irak, insbesondere in Syrien – eine „schwierige Rolle“. Von der neuen iranischen Regierung werde erwartet, dass sich das Land in der Region verantwortlich verhalte: „Keinen Terror unterstützt, sondern Friedenspolitik unterstützt, zum Ausgleich und zur Stabilität beiträgt.“ Sein französischer Kollege Jean-Yves Le Drian sagte in Berlin allerdings, mit der Wiederwahl Ruhanis werde der Iran eine wichtige Rolle bei Befriedung der Region spielen. Frankreich sei bereit, seinen Dialog mit dem Iran weiterzuführen, erklärte das Außenministerium in Paris. Ein derartiger Austausch solle „Teil eines konstruktiven Ansatzes zur Lösung regionaler Krisen sein“.

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