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09.02.2006

07:59 Uhr

Vorwürfe gegen Iran und Syrien

Westen sieht System hinter Moslemprotesten

US-Außenministerin Condoleezza Rice hat dem Iran und Syrien vorgeworfen, den Zorn über die Mohammed-Karikaturen in der islamischen Welt absichtlich zu schüren. Sie sprach damit zum ersten Mal offen aus, was etliche europäische Politiker insgeheim schon lange vermuten.

Die Fahne brennt nicht im nahen Osten, sondern in Sarajevo. Auch dort protestierten Moslems. Foto: AP

Die Fahne brennt nicht im nahen Osten, sondern in Sarajevo. Auch dort protestierten Moslems. Foto: AP

HB WASHINGTON. „Iran und Syrien haben sich große Mühe gegeben, die Stimmung aufzuheizen und für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen“, sagte Rice am Mittwoch in Washington. Der iranische Vizepräsident Isfandiar Rahim Maschai wies die Vorwürfe zurück. „Das ist eine hundertprozentige Lüge“, sagte er am Donnerstag bei einem Besuch in Indonesien. EU-Vertreter und -Diplomaten haben seit längerem den Verdacht, dass die Gewalt vor allem in Syrien, im Iran und im palästinensischen Gaza-Streifen nicht spontan ausgebrochen ist, sondern Wasser auf die Mühlen bestimmter radikaler Gruppen spülen soll.

US-Präsident George W. Bush hatte vor dem Wortgefecht zwischen seiner Außenministerin und dem iranischen Vizepräsidenten die Regierungen in der ganzen Welt aufgerufen, der wegen der Mohammed-Darstellungen entfachten Gewalt ein Ende zu bereiten. Trotz zahlreicher Aufrufe zur Mäßigung auch von moslemischer Seite setzten sich die gewaltsamen anti-europäischen Proteste jedoch fort. Dabei kamen in Afghanistan drei weitere Menschen ums Leben. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana kündigte an, mit einem Besuch mehrerer islamischer Staaten zur Entspannung beitragen zu wollen.

Bush sagte nach einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah in Washington, die USA seien der Pressefreiheit verpflichtet. Mit der Freiheit einher gehe aber die Verantwortung, Fürsorge für andere zu zeigen. Gewalt als Ausdrucksmittel für Missfallen über Presseveröffentlichungen erteilte er eine Absage. Auch König Abdullah verurteilte die Karikaturen. Die Proteste dagegen müssten friedlich bleiben.

Gegen die in zahlreichen europäischen Zeitungen veröffentlichten Karikaturen wird in moslemischen Ländern seit Tagen gewaltsam protestiert. Für viele Moslems ist jede Darstellung ihres Religionsstifters Mohammed gotteslästerlich. Auf den Zeichnungen ist der islamische Prophet unter anderem mit einer Bombe als Turban zu sehen.

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