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05.06.2013

13:01 Uhr

Wachstumspaket

Japan will Pro-Kopf-Einkommen anschieben

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe will die Stagnation in seinem Land bekämpfen. Deshalb soll das Pro-Kopf-Einkommen jährlich um drei Prozent steigen. Analysten sind skeptisch, der Aktienmarkt stürzt erneut ab.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe während seiner mit Spannung erwarteten Rede am Mittwoch. Reuters

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe während seiner mit Spannung erwarteten Rede am Mittwoch.

TokioJapan legt im Kampf gegen die chronische Wirtschaftsschwäche nach. Neben der schon extrem lockeren Geldpolitik und den staatlichen Investitionen in Milliarden-Höhe will die neue Regierung von Shinzo Abe nun die Einkommen der Bürger deutlich erhöhen und ausländische Unternehmen mit Sonderwirtschaftszonen ins Land locken. Analysten sind aber skeptisch, ob der beim Volk beliebte Regierungschef seine Ziele erreichen kann. Am Aktienmarkt stürzte der Nikkei-Index am Mittwoch um knapp vier Prozent ab. Die Talfahrt des Yen zum Dollar und Euro, von dem die exportorientierten Firmen Japans zuletzt massiv profitiert hatten, scheint zudem zunächst gestoppt zu sein.

„Ich denke, das wichtigste Ziel ist es, dass die Pro-Kopf-Einkommen steigen“, betonte der seit Dezember amtierende Abe in einer mit Spannung erwarteten Rede. Abe kündigte jährliche Steigerungsraten von drei Prozent an, gab jedoch nicht genauer an, wie er dieses Ziel erreichen will. Das würde über einen Zeitraum von zehn Jahren umgerechnet rund 11.500 Euro mehr Geld pro Kopf bedeuten.

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Mitte Juni soll das Abe-Kabinett ein Maßnahmenpaket verabschieden, das auch mehr Frauen in den Arbeitsmarkt integrieren, mehr private Investitionen fördern und einige Wirtschaftszweige deregulieren soll. Abe erwägt zudem, die Fondsbranche umzubauen, darunter auch die Pensionskassen. Höhere Renditen für die Anleger sollen möglich werden, indem auch in riskantere Klassen wie etwa Aktien investiert werden kann. Einem Entwurf zufolge sollen zunächst aber Experten gehört werden und bis Herbst eine Entscheidung fallen. Allerdings sind die Japaner traditionell eher risikoscheu, weswegen hier noch Widerstand gegen die Überlegungen aufkommen kann.

Höhere Einkommen sind ein zentraler Punkt, um die seit Jahren grassierende Deflation – eine Negativ-Spirale aus sinkenden Preisen, fehlenden Investitionen und stagnierender Wirtschaftsleistung – zu stoppen. Wegen der chronischen Wachstumsschwäche hat China Japan als weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft abgelöst.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

05.06.2013, 07:58 Uhr

Japan wird beweisen, zentrale Planwirtschaft funktioniert erwiesenermaßen immer ... bis zum totalen Zusammenbruch.

Da kommt der alten Losung "Von der Sowjetunion lernen heist siegen lernen!" ganz neue Bedeutung zu.

Druckerlehrling

05.06.2013, 08:58 Uhr

Will Abe das frisch gedruckte Geld jetzt den Buergern in die Haende drucken anstelle wie bisher den Banken und Groassanlegern?
Waere mal etwas Anderes.
Helfen wird es trotzdem nicht.

hermann.12

05.06.2013, 09:56 Uhr

Na ja Japan hat kapiert das Wohlstand erst in zweiter Linie von den Unternehmen an sich abhängt und primär von kaufkräftigen Märkten. Ein Land, das seine Heimatmärkte nicht pflegt bekommt auf Dauer eben Probleme.
Solange das Schneeballsystem der Exportrekorde funktionierte konnte man das vernachlässigen, es viel nicht weiter auf, außer am unteren Ende der sozialen Struktur.
Ob das was mit Planwirtschaft zu tun hat hängt davon ab, wie das Ziel erreicht wird und wieso die 3% aktuell noch nicht dort sind, wo sie gewünscht werden.
Insofern geht der Vorwurf meines Vorkommentators erst mal daneben.
Denn ob etwas planwirtschaftlich ist oder nicht hängt nicht davon ab, dass so eine Politik verfolgt wird, sondern davon, ob der Verhältnis zwischen Anbietern und Nachfragern von Arbeit staatlich so geregelt ist, dass es für beide Seiten fair ist. zusätzlich spielt der Staat mit seiner Abgabenpolitik auch noch eine wichtige Rolle.
Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt, die vor allem dadurch geprägt werden, dass es ein Machtgefälle zwischen Anbietern und Nachfragern von Arbeit gibt, sind weder marktwirtschaftlich noch sozial sinnvoll. Sie sind auf Dauer für die Marktwirtschaft schädlich, weil sie den Sinn des Marktes konterkarieren.
Wenn es also durch staatliche Regelsetzungen oder dem Fehlen solcher Regeln solche Ungleichgewichte gibt, ist es in einer Marktwirtschaft sogar Pflicht diese zu beseitigen, ansonsten handelt es sich nicht mehr um eine nutzbringende Marktwirtschaft.

H.

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