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14.01.2005

07:51 Uhr

Wachstumsrekord beim Anbau transgener Pflanzen

Entwicklungsländer setzen auf Gentechnik

Vor allem die Entwicklungsländer setzen immer stärker auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wie Mais, Reis, Soja und Baumwolle. 2004 legte der Anbau mit transgenen Pflanzen in Ländern der dritten Welt erstmals mit einem Zuwachs von 7,2 Mill. Hektar stärker zu als in den Industrieländern (6,1 Mill. Hektar).

pt BERLIN. Weltweit wuchs die Anbaufläche mit durch Gentechnik resistent gegen Unkrautvernichter und schädliche Insekten gemachten Pflanzen nach den aktuellen Daten des International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications (ISAAA) um 20 Prozent auf 81 Mill. Hektar. Dies sei der zweithöchste Zuwachs in einem Jahr in der Geschichte des Anbaus genveränderter Pflanzen, sagte ISAAA-Chef Clive James.

In Europa spielt der Anbau genveränderter Pflanzen nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich Spanien stieg mit einem Zuwachs der Anbaufläche für Genmais um 80 Prozent auf 58 000 Hektar in die Riege der 14 führenden Genanbaustaaten auf. Deutschland baute auch 2004 nur auf einer kleinen Fläche BT-Mais an. Grund für die Zurückhaltung in Europa ist die große Skepsis der Verbraucher. Zudem hat die grüne Verbraucherschutzministerin Renate Künast soeben mit ihrem Gentechnikgesetz den Anbau in Deutschland erschwert. Genbauern drohen hier zu Lande seit Januar hohe Haftungsrisiken für Auskreuzungen ihrer Produkte auf traditionell bewirtschaftete Felder.

Dabei gelangen genveränderte Pflanzen über Fertigprodukte wie Saucen, Öle und Teigwaren auch längst in deutsche Supermarktregale. Insgesamt sind mehr als 60 solcher Produkte in Europa legal im Handel, 18 davon in Deutschland. Union und FDP warnen daher die Bundesregierung seit langem, den Zug des Fortschritts in der Landwirtschaft nicht zu verpassen. Noch sei Deutschland in der Forschung bei grüner Gentechnik in der ersten Liga, kommentierte am Donnerstag die FDP-Gentechnik-Expertin Christel Hapach-Kasan die Entwicklung. Doch der Braindrain ins Ausland habe schon begonnen. „Die Gentechnik-Politik der Grünen schadet unserem Land.“

Allein Indien, das seit drei Jahren genveränderte Baumwolle anbaut, steigerte seine Anbaufläche im vergangenen Jahr um 400 Prozent auf 500 000 Hektar. In China entfallen inzwischen 66 Prozent der Baumwollproduktion auf genveränderter Pflanzen (3,7 Mill. Hektar). Sechs Prozent des weltweiten erzeugten genverändertem Mais kamen 2004 aus Brasilien, das binnen zwei Jahren seine Anbaufläche von Null auf fünf Millionen Hektar erhöhte.

Mit 47,6 Millionen Hektar (59 Prozent der Weltanbaufläche) sind die USA nach wie vor das Land mit der größten Anbaufläche weltweit. Hier wird vor allem genveränderter Mais und genverändertes Soja angebaut. Auch in Südamerika steigen immer mehr Staaten in die grüne Gentechnik ein – Paraguay und Mexiko durchbrachen 2004 die kritische Grenze von 50 000 Hektar.

Quelle: Handelsblatt

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