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24.06.2014

15:44 Uhr

Wachstumsstrategie

Japan startet Reformmarathon

Mehr Überstunden, mehr erwerbstätige Frauen, und sogar Roboter müssen ran: Mit zig Reformen in den Bereichen Arbeitsmarkt und Steuern will die japanische Regierung den Motor der heimischen Wirtschaft am Laufen halten.

Er will voran und setzt auf Reformen – ob der japanische Premierminister Shinzo Abe damit Erfolg hat, muss sich erst noch weisen. dpa

Er will voran und setzt auf Reformen – ob der japanische Premierminister Shinzo Abe damit Erfolg hat, muss sich erst noch weisen.

TokioMit mehr als 200 Reformmaßnahmen will die japanische Regierung die Wirtschaft ankurbeln. Das Kabinett beschloss das umfassende Programm von Ministerpräsident Shinzo Abe am Dienstag. Vorgesehen sind unter anderem Arbeitsmarkt- und Steuerreformen. „Wir haben unsere Wachstumsstrategie hochgefahren“, sagte Abe. „Wir müssen unser Möglichstes tun, damit dieser Plan zur Erholung der Wirtschaft alle Teile des Landes erreicht.“

Abe hatte jüngst schon mehrere frühere Versionen der Wachstumsstrategie veröffentlicht. Sie läuft unter der Bezeichnung „dritter Pfeil“ - neben den beiden Pfeilen Geld- und Finanzpolitik. Diese hatten der japanischen Konjunktur seit Abes Amtsantritt etwas Auftrieb gegeben.

Nun soll unter anderem die Unternehmenssteuer gesenkt werden - von derzeit über 35 Prozent auf unter 30 Prozent ab nächstem Jahr. Zudem sollen Überstundenregeln für Angestellte gelockert werden. Um dem Fachkräftemangel wegen Überalterung und niedriger Geburtenrate entgegenzuwirken, sieht das Paket auch Initiativen zur Gleichstellung von Frauen sowie zusätzliche ausländische Arbeitskräfte und die Nutzung von Robotern vor.

Eckpunkte der neuen japanischen Geldpolitik

Festes Inflationsziel

Die Bank von Japan legt sich fest: Innerhalb von zwei Jahren wird sie eine Inflationsrate von zwei Prozent erreichen.

Verdoppelung der Geldbasis

Die Geldbasis soll von jetzt 138 Billionen Yen auf 270 Billionen Yen im Jahr 2014 steigen. Umgerechnet geht es um eine Steigerung von 1,05 Billionen Euro auf 2,05 Billionen Euro.

Kauf von Staatsanleihen

Die Bank von Japan will 77 Prozent des frischen Zentralbankgelds in Staatsanleihen mit langer Laufzeit investieren. Die durchschnittliche Laufzeit ihrer Staatsanleihen soll von drei auf sieben Jahre steigen.

Dauer der Maßnahmen

Die Zentralbank legt sich darauf fest, so lange an der expansiven Geldpolitik festzuhalten, bis sie ihr Inflationsziel erreicht hat.

Aussetzung des Banknoten-Prinzips

Die Bank von Japan setzt zeitweilig das Banknoten-Prinzip außer Kraft, wonach sie nicht den Wert der im Umlauf befindlichen Banknoten überschreiten darf.

Ziel sind nach Abes Darstellung Investitionen und Innovationen. Experten bezweifeln allerdings, ob die lange Liste von Vorschlägen tatsächlich umgesetzt wird und ob die Maßnahmen den gewünschten Effekt haben. Die japanische Wirtschaft und Verwaltung gelten als nicht sehr aufgeschlossen gegenüber Veränderungen.

In Erwartung des Reformpakets waren die Kurse an den Börsen in den vergangenen Wochen gestiegen. Am Dienstag bewegte sich der Nikkei-Index minimal um 0,1 Prozent nach oben.

Von

ap

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