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02.08.2011

22:42 Uhr

Wackeliges Bankensystem

Italiens Finanzaufseher versuchen es mit Entwarnung

Italien stemmt sich gegen den wachsenden Druck der Finanzmärkte. Die Finanzaufseher des Landes versicherten, das heimische System sei stabil. Doch Eurogruppenchef Juncker traut dem Braten nicht.

Eine italienische Ein-Euro-Münze. Quelle: dpa

Eine italienische Ein-Euro-Münze.

RomDie internationale Unsicherheit habe trotz der kontinuierlichen Reduzierung des Haushaltsdefizits zu Spannungen geführt, stellte das italienische Finanzstabilitäts-Komitee nach einem Krisentreffen am Dienstag fest. „Die Analyse bestätigt, dass das italienische Banken- und Finanzsystem solide ist dank rascher Maßnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis und der Bankliquidität“, erklärte das Gremium. Es besteht aus führenden Vertretern der Zentralbank, des Wirtschaftsministeriums, der Börsenaufsicht Consob und der Versicherungsaufsicht ISVAP.

Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hatte das Gremium einberufen, nachdem die Renditen auf italienische Staatsanleihen auf Rekordniveau gestiegen und Bankaktien abgerutscht waren.

Tremonti will sich am Mittwochmorgen mit Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in Luxemburg treffen, wie dieser mitteilte. Italien und Spanien stemmen sich gegen ein Überschwappen der Schuldenkrise aus den Euro-Ländern Griechenland, Irland und Portugal.

Das sind Italiens größte Probleme

Der Schuldenberg

Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.

In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.

Hohe Neuverschuldung

Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.

Schwaches Wachstum

Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.

Export und Konsum

Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.

Italien musste am Dienstag für zehnjährige Staatsanleihen 6,1 Prozent Zinsen zahlen, 3,8 Prozentpunkte mehr als Deutschland. Die Zinsen für italienische Anleihen sind in den vergangenen Wochen dramatisch gestiegen. Bei dem Treffen mit Juncker dürfte es auch um das bereits beschlossene italienische Sparpaket in Höhe von 48 Milliarden Euro und dessen Umsetzung gehen.

Die Finanzmärkte gönnen auch der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone Spanien keine Pause. Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero musste am Dienstag wegen des wachsenden Drucks in der Schuldenkrise sogar seinen Urlaub verschieben. Erst am Freitag hatte er die nächsten Wahlen überraschend um vier Monate auf November vorgezogen und damit dem wachsenden Unmut im Land Rechnung getragen, der sich gegen das Sparprogramm zur Entlastung des Haushalts richtet.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

02.08.2011, 23:16 Uhr

bitte, bitte weiter so mit diesen gerüchten im sommerloch 2011. die sind göttlich für mich und meinen kontostand.
wo rauch ist, ist auch feuer...

MGL

02.08.2011, 23:35 Uhr


daytrader pack schon mal die Koffer .
Mini - Napoleon wird demnächst Truppen nach Deutschland
schicken ,wenn DE keine Euros für die Pleitestaaten
locker macht .

Der 3. Weltkrieg läuft sich warm !

RoadRunner

02.08.2011, 23:47 Uhr

Europa braucht die Nord-Sued Grenze. Alles suedlich der Alpen, einschliesslich Frankreich sollten ihre eigene Waehrung und Wirtschaftvereinigung gruenden.
Die passen auch viel besser zusammen.
Multikulti hat auf allen Ebenen versagt.

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