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15.05.2011

12:57 Uhr

Wählerfrust über Parteien

Die Gewinnerin der Sex-Affäre sitzt rechts

VonHolger Alich

Dominique Strauss-Kahn schadet sich und seiner Partei. Ob Präsident Nicolas Sarkozy davon profitiert, ist jedoch fraglich. Die wahre Gewinnerin dürfte Marine Le Pen sein. Ein Kommentar von Holger Alich.

Marine Le Pen schießt als Parteichefin der "Front National" gegen "die da oben". Quelle: dpa

Marine Le Pen schießt als Parteichefin der "Front National" gegen "die da oben".

ParisDie Verhaftung des sozialistischen Spitzenpolitikers Dominique Strauss-Kahn könnte eine Art Game Changer im Rennen um das Amt Frankreichs Staatspräsident werden. Angesichts der Perspektive eines peinlichen Strafprozesses, der sich über Wochen hinzuziehen droht, scheint eine Kandidatur von DSK im partei-internen Rennen um die Präsidentschaftskandidatur sehr unwahrscheinlich zu werden. Gewinner dieses Skandals droht indes nicht der jetzige Amtsinhaber Nicolas Sarkozy zu werden – sondern die rechtsextreme Marine Le Pen.

Mit Strauss-Kahn droht die sozialistische Partei (PS) ihren bisher aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen um den Elysée-Palast zu verlieren. Trotz der jüngsten Polemik um seinen Lebensstil lag Strauss-Kahn in allen Umfragen weiter vorn. Es fehlt der PS sicher nicht an Kandidaten - ganz im Gegenteil. Doch weder Partei-Chefin Martin Aubry, noch Ex-Partei-Chef Francois Hollande und schon gar nicht die 2007 gescheiterte Kandidatin Ségolène Royal sahen die Demoskopen regelmäßig vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy.

Dabei verharrt der Präsident trotz der jüngsten positiven Nachrichten vom Arbeitsmarkt oder zum Wirtschaftswachstum im Umfragekeller. Und das nähert die Zweifel, dass er der große Gewinner der Affäre sein wird. Viele Beobachter meinen, dass die Franzosen von Sarkozy als Person einfach genug haben. Nach vier Jahren „Hyper-Präsidentschaft“ hat sich sein umtriebiges Wesen, seine Unstetigkeit und seine Aggressivität in eine echtes Handicap verwandelt.

Und nun wird der aussichtsreiche Gegenkandidat in eine peinliche Sexaffäre verwickelt. Auch bei dieser Affäre steht die Person des Betroffenen im Vordergrund. Es besteht die reale Gefahr, dass die rechtsextreme Marine Le Pen dadurch weiteren Aufwind erhält. „Die da oben sind doch alle gleich verdorben“; sagt Frau Le Pen. Und solche Slogans drohen nun erst recht auf fruchtbaren Boden zu fallen.

Schon am 21. April 2002 haben die Franzosen gezeigt, dass sie ihrer politischen Klasse bei den Präsidentschaftswahlen einen Denkzettel ausstellen können. Damals zog Marines Vater, Jean-Marie Le Pen, in die Stichwahl um das Präsidentenamt ein.

Kommentare (5)

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Fortunio

15.05.2011, 13:31 Uhr

Wenn es zu einer Verurteilung und einem sich anschließenden Gefängnisaufenthalt des Herr Strauss- Kahn kommt wird Marine Le Pen eindeutig am meisten Honig aus dieser Affäire saugen können. Möglicherweise reicht es sogar bis zum Einzug in den Elysee-Palast, was allerstärkste Auswirkungen auf die europäische Politik haben dürfte.

Account gelöscht!

15.05.2011, 16:21 Uhr

Die Franzosen lehren uns: Politik kann auch amüsant sein: In Frankreich, wo Sex zum Alltagsleben gehört, wie in Bayern das Bier, stolpert ausgerechnet der Hoffnungsträger der Pseudo-Linken über seine eigenen "Schwanzlastigkeit". Fräulein Le Pen hat den Mut, die "Dinge" beim Namen zu nennen und hat nun auch die Lacher auf ihrer Seite. Der geltungssüchtig Sarko muß den Leuten inzwischen genau so auf den Sack gehen, wie es dieser Schröder am Ende auch bei uns tat... selten so gelacht!

Account gelöscht!

15.05.2011, 17:16 Uhr

Dass Sarkozy davon nicht profitiert, ist klar. Der benimmt sich mittlerweile mehr und mehr wie ein kleiner Napoleon und merkt dabei nicht mal, dass er zunehmend unsympatischer wird in seinem Machtwahn.
Ich mußte doch schmunzeln als ich die Nachricht von Straß-Kahn vorhin hörte.
Unsere geistigen Eliten sind auch nicht mehr das, was sie früher mal waren.
Ein Gentleman-Verhalten ist so was jedenfalls nicht.
Im Gegenteil, das ist mehr als plump und eigentlich erwarte ich das von einem Hochgebildeten nicht
Wenn er schon solche Bedürfnisse hat, soll er das im Geheimen tun und sich nicht erwischen lassen.

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