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12.02.2013

04:32 Uhr

Währungsdebatte

Die unverstandenen Japaner

VonMartin Kölling

Japan gilt als Auslöser der Geredes über einen Weltwährungskrieg. Denn das Land hat zuletzt eine massive Abwertung seiner Währung zum Staatsziel erklärt. Dabei sieht sich das Land in der Opferrolle.

Japans Premier Shinzo Abe. Reuters

Japans Premier Shinzo Abe.

TokioDer Auslöser der jüngsten Angst vor einem Währungskrieg hat einen Namen: Shinzo Abe, seit Ende Dezember 2012 Ministerpräsident Japans. Seit er im Herbst 2012 im japanischen Wahlkampf davon sprach, die Bank von Japan dazu zwingen zu wollen, solange japanische Staatsanleihen zu kaufen, bis ein Inflationsziel von mindestens zwei Prozent erreicht sei, befindet sich der Yen auf einer beispiellosen Talfahrt. Gegenüber dem Euro hatte er vorige Woche in nur drei Monaten zeitweise mehr als ein Viertel seines Werts einbüßt, gegenüber dem Dollar noch mehr als ein Sechstel.
Die überraschend drastische Reaktion der Märkte auf seine Ankündigung kam Abe zwar durchaus gelegen. Schließlich will er nicht nur mit einer Kombination von auf Pump finanzierten Konjunkturprogrammen und der Notenpresse Japan aus Krise und Deflation befreien. Zudem hat versprochen, auch den Höhenflug des Yen brechen, der der Exportindustrie seit 2008 die Geschäfte vermiest hat. Aber das globale Gerede über einen Weltwährungskrieg kommt ihm gar nicht recht. Denn geldpolitische Gegenschläge anderer Notenbanken könnten Japans Erfolge an der Währungsfront stoppen.

Dementsprechend beeilte sich die Regierung sofort zu versichern, dass eine Manipulation des Wechselkurses keineswegs ihr Hauptziel sei. Vielmehr sieht sich das Land als Opfer. „Japans Priorität ist, das Land aus dem Abschwung zu ziehen, den die Deflation verursacht hat. Der Fall des Yen ist eine Folge dieser Politik“, erklärte kürzlich Finanzminister Taro Aso. Dann ging er zum Angriff über: „Wir haben nichts gesagt, als der Dollar und der Euro nach unten gedrückt wurden.“ Sich zu beschweren, nur weil der Yen wieder sich wieder zehn bis 20 Yen zurückgeholt habe, sei „unvernünftig“.
Ein Blick zurück macht den Frust der Japaner durchaus nachvollziehbar. Seit 2007 hat ihre Währung um bis zu 40 Prozent aufgewertet. Spätestens 2012 war der Yen sowohl gegenüber dem Dollar als auch dem Euro so unbestritten wie deutlich überbewertet.

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Ein Grund für den Höhenflug war, dass sowohl die US-Notenbank Fed wie euch die Europäische Zentralbank nach dem Ausbruch der Weltfinanzkrise und erneut dem Beginn der Schuldenkrise in Europa massiv mit Geld überschwemmten. Darüber hinaus flüchteten sich die verunsicherten Anleger in den Yen, weil die am höchsten verschuldete Industrienation der Welt in all den Schuldenkrisen als sicherer Hafen galt. Oder wie es der ehemalige Vize-Finanzminister Eisuke Sakakibara gerne auf den Punkt brachte: „Der Yen ist etwas weniger hässlich als Dollar und Euro.“
Die Bürde des gewonnenen Schönheitswettbewerbs der Währungen trugen allerdings Japans Exportkonzerne – und unter ihnen vor allem ihre schwächsten Mitglieder: die Konsumelektronikhersteller. Weil sie durch den abrupten Wetterwechsel plötzlich aus einer Phase eines sehr weichen in eine Ära eines sehr harten Yen fielen, büßten ihre riesigen Display- und TV-Werke endgültig ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ihren Rivalen aus Südkorea und Taiwan ein.

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