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06.06.2013

13:41 Uhr

Währungsfonds

IWF bringt Schuldenschnitt für Griechenland ins Spiel

VonGerd Höhler, Jan Mallien

Der IWF kritisiert in einem Bericht eigene Fehler bei der Griechenlandrettung. Seine Prognosen zeigen, dass ein neuer Schuldenschnitt nötig werden könnte. Diesmal müssten wohl nicht nur private Gläubiger bluten.

Griechische Euro-Münze: Die Verschuldung des Landes beträgt 176 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. dpa

Griechische Euro-Münze: Die Verschuldung des Landes beträgt 176 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Die Griechen werden die kassierten Hilfskredite auf Heller und Pfennig zurückzahlen – so gelobt es die Athener Regierung, so versichern es auch die Euro-Finanzminister ihren Steuerzahlern. Dabei ist für die meisten Fachleute längst klar: Aus eigener Kraft wird das Land seine Schulden niemals zurückzahlen können. Was die Politiker bisher nur hinter vorgehaltener Hand flüstern, spricht ein Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) jetzt offen aus.

„Für jemand der rechnen kann ist klar, dass es für Griechenland eng wird,“ sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Berechnungen des IWF legen nahe, dass Griechenland ohne einen erneuten Forderungsverzicht der Gläubiger seine Schulden nicht tragen kann.

In einem zweiten Papier, aus dem das Wall Street Journal zitierte, ist von eigenen Fehlern des IWF bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung Griechenlands sowie von Reibungen innerhalb der Troika aus IWF, Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischer Union (EU) die Rede.

Die Athener Regierung begrüßte das Eingeständnis des IWF, es habe Versäumnisse gegeben. „Der Bericht ist objektiv, und er ist uns willkommen“, sagte Finanzminister Giannis Stournaras am Donnerstag der Zeitung „Kathimerini“. Das Papier gebe „allen die Chance, ihre Fehler zu erkennen, damit sie nicht wiederholt werden“, so Stournaras. Der Athener Finanzminister sondiert seit Monaten Möglichkeiten, die Schuldenlast seines Landes zu reduzieren.

Laut Statuten darf der IWF Ländern nur Geld leihen, wenn klar ist, dass sie ihre Schulden zurückzuzahlen können. Im Falle von Griechenland wird das schwierig, wie der IWF in seinem aktuellen Bericht vorrechnet. Nach den Vorgaben des IWF muss Griechenland die Schuldenquote bis 2020 auf 124 Prozent seiner Wirtschaftsleistung drücken. Bis 2022 solle die Verschuldung dann „substanziell unter 110 Prozent“ vom BIP fallen.

Doch zwischen den Vorgaben und den Prognosen klafft eine Lücke. In seinen neuen Prognosen erwartet der IWF, dass die Staatsverschuldung in Griechenland bis 2022 bei 113 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen dürfte. Das wäre über dem angepeilten Niveau. In seinen Berechnungen hat der IWF bereits berücksichtigt, dass die Euro-Länder Griechenland im Dezember 2012 Erleichterungen im Volumen von vier Prozent der Wirtschaftsleistung in Aussicht gestellt hatten. So sehen es die im vergangenen Dezember getroffenen Vereinbarungen mit der EU vor. Auf dieser Grundlage entschloss sich auch der IWF, dem Land weitere Kredite zu gewähren.

Zusammengenommen bräuchten die Griechen zusätzliche Finanzmittel in Höhe von sieben Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Da die Prognosen sehr weit in die Zukunft reichen, sind sie jedoch mit erheblicher Unsicherheit behaftet. „Ob ein neuer Schuldenschnitt nötig wird, hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Im Moment sind die Stimmungsindikatoren positiv. Wenn sich das ändern sollte, könnte der IWF nach der Bundestagswahl einen weiteren Schuldenschnitt fordern, “sagt Commerzbank-Ökonom Weil.

Anders als beim letzten Schuldenschnitt wären bei einem erneuten Schuldenschnitt vor allem öffentliche Gläubiger betroffen. Private Gläubiger halten nur noch einen sehr geringen Teil der griechischen Staatsschulden.

Der IWF kann einen Schuldenschnitt erzwingen, indem er die Auszahlung weiterer Kredittranchen verweigert. Auch im Falle Zyperns kam der Schuldenschnitt auf Druck des IWF zu Stande. Vor der Bundestagswahl wird sich aber vermutlich nichts tun.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

06.06.2013, 14:13 Uhr

Spätestens nach der Bundestagswahl kommt die ganze Wahrheit auf den Tisch und Angie macht ihre Geldbörse auf um mit unserem Geld einen völlig korrupten Staat in der Ägäis zu retten.

Das kann sie dann auch ungestört durchziehen, denn dank der Verleumdungen der Systempresse wird die AfD zuvor bei der Wahl an der 5% Hürde gescheitert sein werden.

Numismatiker

06.06.2013, 14:29 Uhr

Eines muß man Herrn Dijsselbloem schon zugute halten:

Ein Schönfärber (um es sehr, sehr wohlwollend zu formulieren) á la Juncker ist er nicht.

O.K.

06.06.2013, 15:29 Uhr

Die Südländer werden nix zurückzahlen. Das war nie geplant und man kann das nicht aufindoktinieren.
Was bleibt, ist, dass Deutschland sich überlegt, wie man mit dem "Gelddrucken" sinnvoll umgeht.
Dem Grunde nach müssten die Leute in den Südländern "nur" bis 67 Jahre arbeiten gehen. Dann wären die Rentenkosten entsprechend geringer und die Lohnsteuer höher.
Das wollen sie aber nicht, die Deutschen tuns aber.
Was tun?
Man könnte jetzt doch sagen: Gut, wir nehmen gemeinsam besichert Geld auf, trotzdem lassen wir jedem Staat die Souveränität zu sagen, wie lange die Leute arbeiten gehen müssen (um vollen Rentenanspruch zu erhalten).
Das würde z.B. dadurch gelingen, daß man sagt, jeder Staat darf für jeden Arbeiter eines Altersfensters von dem Zeitpunkt des geringsten Renteneintrittalters bis zum Zeitpunkt des höchsten Eintrittsalters eine bestimmte Summe Kredit aufnehmen.
Der eine Staat bezahlt daraus die Renten, der andere erstattet die Rentenbeiträge, weil: es ist ja jedem seine souveräne Entscheidung!
Heißa, wäre das nicht eine schöne Sache?
Die Griechen würden anfangen vorzurechnen für wieviele Leute sie Rente zahlen und könnten mit dem Kredit ihre Schuldenlast reduzieren!
Und was wäre hier in Deutschland?
Die Beamten bekämen ab einem Alter von 55 Jahren (oder so) 0,2% mehr Lohn, die Arbeiter fast 10%! Und die Lohnkosten für diese Arbeitergruppe würde um 10% sinken!
Das wäre die Konjunkurkanone nach Gusto der SPD und FDP zugleich!
Das wäre doch ein Spaß zu sehen ob es in Frankreich nicht wenigstens ein paar Leute gäbe, die anfangen würden sich am Kopf zu kratzen und zu fragen, ob die Leute vielleicht nicht doch auch "länger" arbeiten sollten?!
Jedenfalls: Die Eurokrise wäre auf jeden Fall rum!

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